Panoptikum der Heuchler

Verächtlicher als Putin sind nur unsere schreibenden Kriegsgurgeln.

Lassen wir aus juristischen Gründen Namen weg. Es gibt Besitzer und Benützer grosser Medienplattformen, die hemmungslos andere Menschen in den Tod schicken wollen.

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Diese Sandkastenkrieger wollen NATO-Truppen in die Ukraine abkommandieren, fordern, dass das westliche Verteidigungsbündnis bei einem Nicht-Mitglied eine No-Fly-Zone durchsetze. Sie krähen mutig, dass man sich von russischen Drohungen, dass gewisse Aktionen mit einem Atomschlag beantwortet werden könnten, doch nicht in die Knie zwingen lassen darf.

Vor etwas mehr als hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg. Es war der erste Krieg, in dem Propaganda flächendeckend eingesetzt wurde. In dem erkannt wurde, dass Erfolge auf dem Schlachtfeld durchaus wesentlich für den Kriegsverlauf sind. Aber die Beeinflussung der eigenen Bevölkerung auch.

Der Feind wird dämonisiert und entmenschlicht. Er ist grausam, barbarisch, unzivilisiert. «Jeder Schuss ein Russ», «Gott strafe England», solche Reime und Slogans wurden geboren, der Deutsche war der «Hunne», eine Bedrohung für die ganze Menschheit. Die Massenmedien wurden zu hysterischen Propagandaschleudern. Meistenteils freiwillig.

Rassistische Archetypen wurden angerufen. Jeder Angehörige einer Nation wurde kollektiv schuldig gesprochen. Nicht nur der Soldat war der Feind, jeder Russe, Deutsche, Engländer, Österreicher. Der Künstler, der Buchhalter, der Musiker. Wehe, wer auf der Strasse als Angehöriger einer feindlichen Nation erkannt wurde. Der Lynchmob drohte.

Was vor Kurzem noch fern schien, kommt näher und näher

Was für ein mutiger Mann war da John Heartfield, der Erfinder der politischen Fotomontage (Kindersoldaten: googeln). Er hiess eigentlich Helmut Herzfeld und benannte sich 1916 in Heartfield um – als Protest gegen den englandfeindlichen Nationalismus in Deutschland.

«Krieg und Leichen – die letzte Hoffnung der Reichen.» John Heartfield.

All dieses Geschrei, dieser Nationalismus und Patriotismus, diese Hetzer am Schreibtisch, das erschien uns bis vor Kurzem fern und unverständlich. Der russische Überfall auf die Ukraine löst aus, dass sich die Geschichte wiederholt. Wie kommen ansonsten zurechnungsfähige Schweizer Publizisten auf die perverse Idee, Soldaten in den Tod schicken zu wollen? Reicht es ihnen nicht, dass das der russische Präsident tut, den sie deswegen als wahnsinnigen Verbrecher verurteilen?

Der Unterstand im Ersten Weltkrieg.

Sind sie wirklich bereit, einen weltverschlingenden Atomkrieg zu riskieren, den ein militärischer Einsatz der NATO in der Ukraine ohne Weiteres auslösen könnte? Wollen sie sich wirklich zu «Masters of War» aufschwingen, über die schon Bob Dylan sang, dass ihnen nicht einmal Jesus vergeben würde?

In der Blutmühle von Verdun.

Sind sie einfach verantwortungslos, weil sie wissen, dass ihr Wort nicht zählt? Ist ihnen bewusst, dass ihre markigen Forderungen nach Beschlagnahmung aller «Russengelder» in der Schweiz, nach sofortigem Stopp von Handelsgeschäften an den Grundfesten unseres Rechtsstaats rütteln? An der Eigentumsgarantie und der Gewerbefreiheit?

Dass niemand seine Unschuld beweisen muss und schuldig sei, bis er das widerlegen kann? Dass das Abfordern von Bekenntnissen für und gegen ein Rückgriff in die Zeiten der mittelalterlichen Inquisition ist?

Hat natürlich niemand gewollt. Niemals.

Ist diesen Heuchlern nicht bewusst, wie wohlfeil Kriegsgeschrei aus mit russischem Gas beheizten Redaktionsstuben ist? Die Heimfahrt im mit raffiniertem russischen Öl betriebenen Schlitten? Ist ihnen nicht bewusst, wie entlarvend es ist, wenn sie auf die Frage antworten, was sie denn persönlich – ausser andere in den Tod schicken wollen – so täten, um zu helfen, dass sie dann schon mal spenden werden, irgendwann in der Zukunft?

Ist diesen Heuchlern bewusst, dass die Konzentration auf die friedliche Forderung, sofort jegliche Handelsbeziehungen mit Russland einzustellen, die wirksamste Waffe gegen den Ukraine-Krieg ist? Das wäre aber mit eigenen, nicht mit fremden Opfern verbunden.

Der Präsident der Ukraine hat alles Recht der Welt, auf dem Klavier der Propaganda, der PR, der rhetorischen Kriegsführung zu spielen. Er hat den Propagandakrieg gegen Russland haushoch gewonnen. Die Schweizer Medien, und nicht nur die, haben ihn elend verloren. Was nach Covid noch an Reputation vorhanden war, geht gerade in den Orkus.

Die Visuals dieses Artikels sind nichts für schwache Nerven. Aber sie bebildern, was in letzter Konsequenz passiert, wenn jemand den feigen Kriegsrufen in unseren Medien Folge leisten würde. Dass sich diese heuchlerischen Kriegsgurgeln damit der völligen Lächerlichkeit aussetzen, ist ihnen, das ist wahrhaft Anlass für homerisches Gelächter, nicht einmal bewusst in ihrer bedeutungsschweren Aufgeblasenheit.

3 KOMMENTARE
  1. Ruedi Rudolf
    Ruedi Rudolf says:

    Sehr Eindrückliche Film-Dokumentation mit großer Abschreckungs-Wirkung und der Sinnlosigkeit von Krieg.

    “14-18 Europa in Schutt und Asche“

    Frankreich/Belgien 2008 /100 Minuten / Regie: Jean-François Delassus
    Die Dokumentation beleuchtet Hintergründe und historische Fakten, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führten, und versucht darzulegen, welche Nachwirkungen dieser Krieg, u.a. durch die territoriale Neuaufteilung Europas, bis in die Gegenwart hat.

    Leider zurzeit nicht mehr in Deutsch auf Youtube in voller Länge zu sehen (Nur Trailer).

    14-18 Europa in Schutt und Asche (DVD/Vorschau)
    https://www.youtube.com/watch?v=v207zcnrGU8

    Spanische Version (14-18 Europa in Schutt und Asche):
    Un siglo de la Gran Guerra – 14-18 el ruido y la furia
    https://www.youtube.com/watch?v=df4v-6RXPzc

    Kaiser Franz Josef und der Erste Weltkrieg 1914 – 1916
    https://www.youtube.com/watch?v=54JQqxcqsWQ

    Mit Jubel in die Hölle – 100 Jahre Erster Weltkrieg
    https://www.youtube.com/watch?v=w5M_U9jDtQI

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  2. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Ob man den ersten Weltkrieg als Vorstellung Blaupause heranziehen kann?
    Eher nur bedingt, den der erste und 2 Weltkrieg waren in vielen Aspekten EIN grosser Krieg mit einer zwischenzeitlichen Unterbrechung.
    Das 20 Jahrhundert war im Grobraster das USA Zentrierte.
    Die USA werden wirtschaftlich im 21 Jahrhundert unübersehbar von China abgelöst.
    Ob China das ,,Erbe» auch militärisch in vergleichbaren Umfang übernimmt, sehr fraglich.
    Da drängt sich eine etwas andere, weiter zurückliegende Blaupause auf.
    Das ist der 30 Jährige Krieg, der endete letztlich an der totalen Erschöpfung der Ressourcen ALLER Beteiligten.
    Etwas vergleichbares droht heute, das im Globalen Rahmen, in allen Aspekten auch das begleitende Elend entsprechen hochgerechnet.
    Ob sich die Zeitgenössischen Kriegshetzer solchen zusammenhänge auch nur ansatzweises bewusst sind?
    Man muss leider davon ausgehen das das nicht der Fall ist.
    Damit währen wir wieder bei der Vorgeschichte zum 1.- 2. Weltkrieg in den die Welt schlafwandelnd, mangels Vorsteflungskrat der Folgen stolperte.
    AUCH unter der Nuklearschwelle sind epische Horror Auswirkungen vorprogrammiert. Das konzentriert in einem Zentel der Zeit.

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  3. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Wie «zurechnungsfähig» die Schweizer Publizisten sind, sei mal dahingestellt. Nachwirkungen von Versuchen mit «bewusstseinserweiternden» Substanzen in jungen Jahren? Zivildienst geleistet und das dem eigenen Nachwuchs schmackhaft gemacht und daher direkt nicht betroffen wenn der Auszug aufgeboten wird?
    Jedenfalls hat «der Russe» inzwischen einige Dienste von Facebook gesperrt. Die Hüter der political Correctness zensieren Aufrufe wie «Tod den russischen Eindringlingen» nicht mehr: https://www.heise.de/news/Extremistisch-Meta-Dienste-Facebook-und-Instagram-in-Russland-verboten-6596331.html.

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