Wumms: Holger Alich

Eine deutsche Kriegsgurgel plädiert für Nachrüstung.

Vielleicht ist Tamedia- Redaktor Volker Alich alt genug, um sich noch an das Erwachen der Friedensbewegung anlässlich der NATO-Nachrüstung zu erinnern. Eher nicht, denn er fordert nassforsch: «Die Schweiz muss bei der Suche nach Oligarchengeldern nachrüsten».

Alichs Problem: Wir leben in der Schweiz nicht in einer Bananenrepulik, sondern in einem Rechtsstaat. Und der funktioniert weder nach Ansprüchen aus dem Zeitgeist heraus. Noch ist er auf wohlfeile Forderungen oder Anweisung angewiesen.

Das mag einem in deutschem Untertanengeist erzogenen Tamedia-Mitarbeiter fremd vorkommen, entspricht aber Gutschweizer Gewohnheiten. Jedoch nicht den Anforderungen der Kriegsgurgel Alich:

«Die Schweiz sollte sich daher die USA zum Vorbild nehmen und ebenfalls beim Bund eine Taskforce ansiedeln, die aktiv nach Vermögenswerten von sanktionierten Russen sucht.»

Mit Verlaub; die Schweiz sollte sich in überhaupt nichts die USA zum Vorbild nehmen. Die USA unterhalten die grössten Geldwaschmaschinen der Welt. Die USA beherbergen in Delaware und anderswo bis heute Briefkastenfirmen, deren Beneficial Owner, also der Nutzer, unbekannt ist. Die USA haben mit FATCA eine Datenkrake geschaffen, die nicht nur jeden US-Bürger unabhängig von seinem Steuersitz dazu zwingt, eine US-Steuererklärung abzugeben. Sondern auch jedes Finanzinstitut weltweit zum Helfershelfer des US-Fiskus macht. Während sie selbst beim AIA, dem automatischen Informationsaustausch von Steuerdaten, nicht mitmachen.

Absurder geht’s nicht: niemand hat lauter nach dem Kampf gegen Schwarzgeld geschrien als die USA – niemand beherbergt mehr Schwarzgeld als eben diese USA.

FATCA wird nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln durchgesetzt, sondern mit reinem Machtimperialismus. Denn der US-Dollar ist nach wie vor die wichtigste Weltwährung, und die USA sind der Herr des Geldes. Deshalb können sie die Verwendung von Dollar untersagen, was zum sofortigen Untergang jedes Geldhauses führt.

Damit, nicht etwa mit rechtsstaatlichen Mitteln, haben die USA den Geltungsbereich ihrer Gesetze supranational durchgesetzt. Auch die Schweiz musste erleben, dass innerhalb ihrer Rechtssouveränität nicht mehr nur Schweizer Gesetze, sondern parallel dazu und übergeordnet US-Gesetze gelten. Das ist die moderne Kanonenbootpolitik des Post-Kolonialismus mit raffinierten Mitteln.

Wie angesichts all dieser Tatsachen der stellvertretende Leiter des Wirtschaftsressorts eines der bedeutendsten Medienkonzerne der Schweiz unwidersprochen die Ansicht äussern kann, dass sich die Schweiz den dysfunktionalen Rechtsstaat USA als Vorbild nehmen solle, ist ein weiteres Indiz für den dramatischen Niedergang des Journalismus.

4 KOMMENTARE
  1. René Küng
    René Küng says:

    Wummmmmmms
    so auf zack, was ist bumms diese Woche über den Weg gelaufen?
    Ich höre weiterhin wunderbare amerikanische Musik, telefoniere weiterhin mit amerikanischen Freunden, boykottiere nicht aus Prinzip amerikanische Waren (ausser solche, die mein Magen nicht so verträgt), aber es tut wohl, wenn einer, ER, auch die Kriminellen auf der andern Seite, westwärts, fadengerade beim Namen nennt. Kriegsverbrecher, Finanz-Rowdies, Oligarchen-Zentrum, Demokratie-Zerstörer (einige würden noch Pädophilen-Mekka, verklemmte Pornokraten und und und dazu nehmen).
    Nicht das amerikanische Volk, nicht mal die Kultur und ‹american way of life› als Ganzes, keine Sippenhaft. Aber diese Skrupel- und Moralbefreiten machtgierigen Eliten da drüben, sind schon lange die führende WeltPest des Planeten. Dekadent geworden wie vor ihnen andere Weltmächte.

    Kleines oder grosses Fragezeichen zu: ‘Bananenrepulik, Rechtsstaat. Und der funktioniert weder nach Ansprüchen aus dem Zeitgeist heraus.’
    Das hat auch gaaaaanz schwer gelitten, lasten wir das nun nicht auch noch nur den Amis an.
    Denn Geld regiert die Welt war schon vorher und Justiz hat schon immer gern mit Macht gekuschelt.
    Müssten ihr Geld halt wirklich auch vom Volk bekommen. Nicht indirekt über den Staat, da ist kuscheln und kuschen halt eine natürliche Folge.

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  2. Noah Fetter
    Noah Fetter says:

    Kann mir mal irgendjemand sagen, was die Rechtsgrundlage dafür ist, diesen russischen sogenannten «Oligarchen» ihr Geld, ihre Wertsachen wegzunehmen? Haben diese Leute in jenem Staat, in dem sie leben und ihr Kapital liegen haben, irgendetwas verbrochen? Haben sie Schulden, die sie nicht bedienen? Haben sie gemordet? Den Hund im Wald laufen gelassen?

    Oligarchie ist die Staatsführung, also die Machtausübung durch Wenige (oligo = wenig; griech.). Putin ist aber ein Autokrat, ein Selbstherrscher. Autokraten dulden niemanden neben sich. Regieren diese «Oligarchen» Russland?
    Das Gefasel von den russischen Oligarchen vernebelt die wahren Machtverhältnisse. Und es stellt sich die Frage, warum es keine amerikanischen Oligarchen gibt, keine deutschen, keine chinesischen, keine griechischen, keine brasilianischen, keine schweizerischen Oligarchen, keine irgendwelchen.
    Wenn das Geld regiert, ist das keine Oligarchie, sondern das heisst Plutokratie. (Hinweis an sogenannte Journalisten und Politiker: Plutokratie hat nix mit Fix und Foxi zu tun; also schön googeln).

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    • René Küng
      René Küng says:

      Es gibt keine amerikanischen, deutschen, brasilianischen und schweisser Oligarchen, weil sie nicht so genannt werden…….

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Herrlich wie der deutsche Volkswirt den Schweizer Behörden den Tarif durchgibt. Glücklicherweise verzichtet er vorerst noch auf auf tiefgreifende Sanktionen. Der Artikel ist einmal mehr Beispiel für die grenzenlose Überheblichkeit der Schreiberzunft von der Werdstrasse, aber auch an deren Einseitigkeit. Über Delaware und andere, grössere Steueroasen zu schreiben würde die Kompetenz des Wirtes überfordern und verbietet ihm die deutsche Appeasement-Sicht zum grossen Bruder Amerika. Steinbrück hat ja auch nicht mit der Kavallerie den Atlantik überquert und Delaware im Sturm genommen.

    Das ist TAmedia, wenn es ohne Gefahr geht aufblustern, wenn es gefährlich werden könnte oder journalistischen Mut brauchte lieber die Schnecke machen. Gut hat das Stimmvolk vor einigen Wochen entscheiden, keine Steuergelder für diesen einseitigen Journalismus!

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