Neue olympische Disziplin

Wettkämpfe müssen nicht körperlich sein.  Es gibt eine neue geistige Übung.

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Die Reihe wird lang werden. Wir eröffnen sie mit Raphaela Birrer. Die «ausgebildete Lehrerin hat auf Primarstufe unterrichtet» und «Publizistik, Politologie und Geschichte an der Universität Zürich studiert». Mit oder ohne Abschluss, man weiss es nicht. Auf jeden Fall ist sie im Rahmen der Frauenoffensive «seit 2022 Mitglied der Chefredaktion Tamedia. Zudem leitet sie seit 2019 das Inland-Ressort der Mantelredaktion».

Also nicht niemand; ihre Stimme hat Gewicht. Leider. Immerhin, der Bundesrat kann aufatmen. Die strenge Lehrerin ist gnädig mit ihm:

«Der Entscheid des Bundesrats ist richtig – und schlicht alternativlos. Wir müssen uns in diesem Krieg entschieden auf die Seite des Rechts, der Freiheit und der Demokratie stellen.»

Indem die neutrale Schweiz auf Drängen des Auslands die EU-Sanktionen übernimmt, ohne Mitglied der EU zu sein. Also hat der Bundesrat nur knapp bestanden und muss nachsitzen: «Trotzdem hinterlässt der Entscheid einen schalen Nachgeschmack.»

Bevor dagegen eine Mundspülung helfen könnte, wieso denn das? Na, weil der Bundesrat eine Versammlung von Laueri ist: «In anderen westlichen Ländern haben die Regierungen angesichts der militärischen Gewalt Russlands rasch reagiert und radikale Massnahmen erlassen

 

Dagegen herrscht in Bundesbern Larifari: «Schuld an dieser Fehleinschätzung waren schlecht vorbereitete Departemente, aber auch eine kleinkrämerische Kultur im Bundesrat.» Da muss nun die Lehrerin ganz streng werden und Grundsätzliches erklären: «Die Schweiz darf nicht militärisch in Konflikte intervenieren. Ansonsten hat der Bundesrat Spielraum, die Neutralität der weltpolitischen Lage entsprechend auszugestalten. Davor schreckte er offensichtlich zurück.»

Ihr Angsthasen, donnert Birrer vom Katheter: «Die Schweiz ist in ihren zentralsten Werten zu wenig gefestigt.» Was kann man da tun? Strenge Erziehung, klare Kante, Nachsitzen und Strafaufgaben erledigen: «Hier muss – nicht nur im Umgang mit Russland – ein Umdenken stattfinden.» Die sieben Bundeszwerge müssen je hundert mal ins Reinheft schreiben: Wir müssen umdenken.

Denn sollte das nicht passieren, schwant Birrer ganz Übles, Abgründiges, Schlimmes. Sie sagt nur Russland, sie sagt nur China. Sie sagt nur «anderes Wertesystem», sie sagt nur «ein bewusst vom Westen abgegrenzter Normenraum», was immer das sein mag.

Eine Warnerin und Mahnerin, die Kassandra von der Werdstrasse

Sie warnt und mahnt, sollte dieses Umdenken nicht stattfinden, und morgen werden die Hausaufgaben abgefragt in Bundesbern – wehe, wer da schwänzt –, wer nicht umgedacht hat, bekommt’s mit dem Lineal zu tun. Denn: «Bleibt die Schweiz in diesem Kräftemessen unentschlossen, droht sie zerrieben zu werden

Kein Käsefondue mehr, stattdessen Reibekäse? Keine Neutralität mehr, stattdessen «entschiedene Stellungnahme»? Es gibt noch Hoffnung für die Schweiz. Aber nur, wenn die sieben Zögerer von Bern unter Führung der Weltstrategin Birrer entschlossen in die richtige Richtung marschieren.

Allerdings: Ob man wohl auch bei Tamedia schon davon gehört hat, dass auch Lächerlichkeit töten kann?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 KOMMENTARE
  1. René Küng
    René Küng says:

    Gar nichts gegen Frauen, die denken können (die gibt’s in etwa so viele wie Männer), gegen gleich berechtigte Frauen, meinetwegen auch Frauen auf Karrieretrip.
    Wieso sollten die sich nicht beweisen dürfen, ob sie das Leiterlispiel eventuell charakterlich unbeschadet überstehen, so wie ganz viele Männer auch nicht.
    Aber noch vor ‹gender› wurde die Gleichberechtigung als schärfste Waffe nach der Atombombe entdeckt: so viele doofe (manipulierte), korrupte, charakterlose und dafür Karrieregeile Weiber wie sie in den letzten 2 Dekaden in Position gehievt wurden – genialer und perfider hat das Patriarchat seine Position selten gefestigt…..
    Mal auf der Website vom WEF die Young Global Wiebers und futures anschauen, dann wissen wir, dieser Erfolgstrend wird andauern.
    Und die respektierten Frauen auf zack werden mir auch dieses Cliché in meinem Rundumschlag evtl. verzeihen: soviel Blond, soviel hübsch, Bond wäre auch beim WEF voll happy.

    Und nun ist genug, so viel Psychotherapie und Triebabfuhr, bum verzeihe es mir.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    «In anderen westlichen Ländern haben die Regierungen angesichts der militärischen Gewalt Russlands rasch reagiert und radikale Massnahmen erlassen.». Birrer peinlich, sie sollte mindestens die SZ lesen. Auch bei der EU wurde teilweise wochenlang über Sanktionen gegen Russland beraten. Deutschland wehrte sich lange gegen den Ausschluss Russland von SWIFT, auch Italiens Draghi war lange dagegen. Frau Birrer ist überfordert mit Fakten oder blendet aus.

    Völlig von der Rolle ist sie wenn sie mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einfordert. Mit allen Vor- und Nachteilen ist die Schweiz die kompletteste Demokratie in Europa. Darum dauert vieles etwas länger. Ihr ist entgangen wie Granatenuschi von der Leyen in ihr Amt kam. Durch Entscheid im Hinterzimmer zwischen Merkel und Macron, das EU Parlament konnte nur noch abwinken. Die EU ist auch kein Vorbild in Sachen Rechtsstaatlichkeit, Horizon und Börsenäquivalenz sind 2 Beispiele.

    Nach Kevins Artikel versprach TAmedia die internen Kontrollen zu verbessern. Bei Birrers «Meinung» hat die Kontrolle nicht funktioniert oder sie hat einen Frauenbonus.

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  3. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Umdenken? Die BR haben in der Schule noch Selberdenken gelernt. Damals, als nicht neben jedem 2. Schüler ein Heil-/Sozialpädagoge oder eine Assistentin sass und es keinen «Nachteilsausgleich» gab. All das, was heute unter «Chancengleichheit» verkauft wird und nichts anderes als Kuschelpädagogik ist, war nicht.
    Somit hat der BR selber und ohne Hilfe von Birrer erkannt, dass die vermeintlich «harten» EU-Sanktionen die Zufuhr an russischem Öl und Gas nicht tangieren. Ansonsten würde nämlich der BR und sicher nicht der Putin weggetrychlet werden!

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