Zeichen setzen

Wenn ein klares Signal gegeben wird, ist der Tiefpunkt erreicht.

Solidarität. Zeichen setzen. Stellung beziehen. Nein zu. Klatschen für das Pflegepersonal. Tanken für den Frieden. Einstehen für. Fordern. Russen raus aus der Ukraine. Putin nein. Sanktionen ja. Neutralität, nein danke. Stoppt den Krieg.

Geht’s noch blöder? Immer:

Nein, das ist kein Fake; die Dame ist wirklich so bescheuert.

Nach all den kriegerischen und vollmundigen Solidaritätsbekundungen mit dem ukrainischen Volk wird’s nun interessant werden. Denn das Volk kommt zu uns. In Scharen.

Zunächst trifft’s wie immer die Anrainerstaaten. Also Rumänien, Moldau, Ungarn, Polen, Slowakei. Offenbar sind schon Zehntausende über die Grenzen geströmt – und mit offenen Armen empfangen worden. Was angesichts der bekannten Abscheu vor Flüchtlingsströmen, vor allem in Ungarn, die Theorie erledigt, dass es sich um den Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit oder gar Rassismus handle.

Wohin mit den Flüchtlingen?

Allerdings ist die Ukraine nicht nur ziemlich gross, sondern hat auch rund 42 Millionen Einwohner. Allen Männern von 18 bis über 60 Jahre ist es verboten, die Flucht zu ergreifen. Aber sollte zehn Prozent der Bevölkerung einfallen, vor der russischen Aggression zu fliehen, sprechen wir von über 4 Millionen.

Vielleicht zur Erinnerung: Zu Zeiten von «wir schaffen das» musste Europa mit etwas mehr als einer Million Flüchtlinge fertigwerden, die über ein Jahr verteilt hereinströmten. Das brachte dann die Willkommenskultur schnell an ihre Grenzen. Es wird auch in der Schweiz interessant werden, zu welchen persönlichen Anstrengungen all die Ukraine-Solidaritätstruppen fähig sein werden.

Bei den Debatten im Jahre 2015, als es um gelebte Solidarität und gegen Ausgrenzung ging, herrschte immer tiefes, betretenes Schweigen, wenn allgemeine Solidaritätsbekundungen mit der Frage konfrontiert wurden, ob man dann wohl auch nichts gegen die Errichtung eines Asylzentrums in seinem eigenen Quartier einzuwenden habe.

Inzwischen ist es mal wieder soweit. 10’000 afghanische Flüchtlinge aufnehmen? Ach was, das war gestern. Vergessen, vorbei, war da mal was? Aber die Zahl, die ist irgendwie gut. Also fordern die üblichen Verdächtigen in einem «offenen Brief» an den Bundesrat die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen. Wie viel dürfen’s denn sein? Richtig geraten, 10’000.

Unterschreiben ja, handeln auch?

Fast 20’000 Unterschriften sind hier bereits zusammengekommen. Organisiert wird das von Publicbeta, einer linken Campain-Truppe. Lustig ist, dass auch die GSoA zu den Unterstützern gehört. Die bekanntlich die Schweizer Armee abschaffen wollte oder will. Braucht’s in einem friedlichen Europa doch nicht mehr.

Alle Unterzeichner fordern auf jeden Fall den Bundesrat auf, «10’000 Schutzsuchende aus der ukrainischen Krisenregion aufzunehmen. Unser Land muss zudem legale Zugangswege schaffen, über die schutzbedürftige Menschen sicher und unversehrt in die Schweiz gelangen.»

Das habe «in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Gemeinden und der Zivilgesellschaft» zu erfolgen. Das wird auch interessant werden: Die Unterzeichneten sind offensichtlich Repräsentanten der Zivilgesellschaft. Da würde uns doch sehr interessieren, wie die sich hier einbringen wollen. So oberhalb einer Pipifax-Unterschrift unter eine Forderung.

Interessant ist auch die Forderung nach «legalen Zugangswegen». Bekanntlich hat die Schweiz keine direkte Grenze mit der Ukraine. Auf dem Landweg müssen die Flüchtlinge mindestens zwei weitere Länder durchqueren. Heisst das, dass die Schweiz diese Staaten um freies Geleit für «unsere» Flüchtlinge bitten sollte? Dann wird an der Schweizergrenze gezählt. 9998, 9999, 10’000. Sorry, Schluss, das war’s für den Moment. Echt jetzt?

Einen kleinen Einwand hätte ZACKBUM deshalb: sind 10’000 nicht zu wenig? Angesichts von Millionen? Wollen wir da nicht gleich noch eine Null drauflegen? Das kann doch für eines der reichsten Länder der Welt kein Problem darstellen.

2 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Werter Herr Zeyer sie liegen fast richtig.
    Alle sollten einfach beten das die Russen die Ukrainer nicht verfolgen.
    Das könnte durchaus der Fall sein, sollten die Russen gemäss Medien Gekreisch die Ukraine fix annektieren, zwecks Rückeroberung und Neuauflage der UDSSR 2.0 Imperiale Neuauflage
    Wenn die Kreisch Medien und überdrehte Politkreischen recht behalten,dann ja dann dürfen jede Menge Ukrainer in der Schweiz bleiben.
    Schwachsinnige Fake Aussage, böse Unterstellung, Fake News hmmmm? ? ? ?
    Ganz klar und lupenrein NEIN.
    Einfach Schweizer Bundesverfassung konsultieren für jeden im Netz abrufbar!
    Artikel 25 massgebliche Absätze 2+3. (Obergrenze NICHT vorgesehen.)
    Schweizer in die Armee zwecks Feldzug gegen Russland aufbieten DAS geht.
    Freundliche Grüsse.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Lieber Zeyer, überfordern sie die CampaignerInnen nicht, die machen nur ihren bezahlten und diktierten Job als die «letzten VerteidigerInnen der Zivilgesellschaft». Die haben soviel zu tun dass sie sich mit Feinheiten, geograpische Lage der Schweiz und der Ukraina, «direkter Zugang», nicht befassen können.

    «muss» ist natürlich immer wichtig. Der Dampfplauderi Molina von der SP will ja auch das «wir müssen 10’000…» aufnehmen. Bis heute noch kein Post auf Instagram gesehen wo Molina mit einem afghanischen Flüchtling den er aufgenommen hat am Küchentisch sitzt. Wird auch keines geben (sein Wellnessleben zugunsten anderer einschränken nie). Auch die CampaignerInnen von Public Beta werden keine Flüchtlingen!

    Es ist die linke Blase die gerne «bezahlt» diktiert, aber nicht mit einem guten Beispiel voran geht. Geschwätz als Erwerbsmöglichkeit!

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