Verbietet alles!

Tabak? Legal, aber verboten. Fleisch? Legal, aber …

Immerhin, den jungen Grünen kann man eine gewisse Konsequenz nicht absprechen. Sie fordern gleich ein allgemeines Werbeverbot für Konsumgüter. Es wäre allerdings nur konsequent, auch den Konsum überhaupt zu verbieten.

Nach der Annahme der Initiative «Kinder ohne Tabak» wachsen die Träume von Verbotsliebhabern in den Himmel. Kinder ohne Zucker, Kinder ohne Fett, nichts ist zu kindisch, um nicht verboten zu werden.

CO2-Ausstoss? Verbieten. SUV? Verbieten. Kaffee in kleinen Schlucken im ÖV konsumieren? Verbieten. Schokolade? Verbieten. Bei Rot über die Strasse laufen? Verbieten. Oh, das ist ja schon verboten. In Schwimmbäder urinieren? Verbieten. Der SP-CO-Präsident Cédric Wermuth, der bei Wahlen von einer Niederlage zur nächsten eilt, hat dennoch Zeit gefunden, sich ein besonders putziges Verbot einfallen zu lassen: generelles oder partielles Werbeverbot für – Schönheitsoperationen im Genitalbereich.

Da hat Tamedia endlich mal ein Recherchestück vorgelegt, das dem Leser ein Schmunzeln ins Gesicht treibt.

Allerdings fehlt ihm vielleicht ein wenig die analytische Durchdringung. Denn solche Verbotsorgien sind Ausdruck einer verpeilten Weltsicht. Zum einen beinhalten sie die Auffassung, dass der Mitmensch zur gefälligen Lebensart erzogen werden muss. Da er zu blöd ist, selber einzusehen, was für ihn gut ist und was schlecht, muss er mit sanftem Zwang auf den rechten Weg geführt werden.

Dass für verbotene Substanzen keine Werbung gemacht werden darf, versteht sich von selbst. Dass es Kinderschutzgesetze gibt, ebenfalls. Tabak ist aber, wie Alkohol, legal. Der Konsum ist legal. Der Verkauf und somit der Kauf. Dass Tabak gesundheitsschädigend sein kann, ist so wahr wie die Tatsache, dass das für das ganze Leben zutrifft.

Dass übermässiger Alkoholkonsum ebenfalls gravierende Auswirkungen haben kann, ist bekannt. Auch Fettleibigkeit als Folge von übermässiger Nahrungszufuhr ist nicht gesund. Sich Sonnenstrahlen ohne Schutzcreme auszusetzen, kann Hautkrebs verursachen.

Die Fälle sind Legion, dass auch fitte Mitmenschen beim Joggen vom Herzinfarkt gefällt werden. Schlafmangel ist überhaupt nicht gut. Wutanfälle können ungesunden Bluthochdruck verursachen. Wer dem Mitmenschen ein langes Leben wünscht, muss für Verbote von all dem sein.

Zum anderen beinhaltet diese Verbotsmentalität eine verkniffene, lebensfeindliche Rechthaberei. Es genügt den Befürwortern von Verboten nicht, dass sie selbst für sich wissen, was im Leben richtig gemacht werden muss und was falsch wäre. Sie wollen diese Meinung auch allen anderen aufzwingen.

Das hat etwas Fundamentalistisches und Inquisitorisches. Alle sollen die Milch der frommen Denkungsart schlürfen. Der einzige Lustgewinn entstünde in einer solchen Gesellschaft durch ein strafendes und donnerndes «das ist verboten!». Aus der Befriedigung, den armen Sünder ertappt zusammenzucken zu sehen.

Dass das zutiefst menschenfeindlich, übergriffig und selbstgerecht ist, sehen diese Anhänger von Verbotsorgien nicht. Man sollte sie verbieten.

5 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Die Verbotsmentalität der Linken ist nicht nur selbstgerecht und arrogant, sondern zeugt auch von bemitleidenswerter Unreife und totaler Überheblichkeit. Unreife, da diese Leute Schiss haben vor der (Wahl)-Freiheit und ihre Angst, schädlichen Verführungen nicht widerstehen zu können, auf die Allgemeinheit projizieren. Überheblich, da sie davon überzeugt sind, am besten zu wissen, was für andere gut und richtig ist.

    Natürlich dürfen Linke unreife, feige Menschen sein. Aber ihre Besserwisserei, ihre Arroganz, Intoleranz und ihr totalitäres Gehabe ist inakzeptabel.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Leute die der Initiative zugestimmt haben als «Anhänger von Verbotsorgien» bezeichnen ist grenzwärtig! Jahrzehntelang hat die Tabakindustrie gelogen, vertuscht, manipuliert, Wissenschafter und Politiker gekauft, mit entsprechend grossem finanziellen Schaden für die Allgemeinheit! Die Einschränkung kommt Jahrzehnte zu spät!

    Artikel: «Man sollte sie verbieten», das ist «Fundamentalistisch und Inquisitorisch» und voll auf der Ebene Wermuth.

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  3. René Küng
    René Küng says:

    Schlusswort / Satz wunderbar.
    Aber dass es neben der VerbotsReligion im Bereich ‹Da er zu blöd ist, selber einzusehen, was für ihn gut ist und was schlecht›
    einiges an Optimierung-Bedarf in unserer hochstehenden Zivilisation hätte, da liegt einiges begraben.
    Wäre interessant, den Gegenpol von Verbot tiefer zu beleuchten = die Verführung/Werbung/Manipulation, die seit 100 Jahren als globales Treibmittel für den Lebensstil der privilegierten Welt zur Perfektion getrimmt wurde. Mit allen Finessen der Psychologie, Verhaltensforschung, unterbewusster Triebhaftigkeit.
    Nix gegen Lustgewinn (schöne Beine, Cuba-Cigarre oder wirklich gekonnt zubereiteter Lasagne). Aber die Diskussion, wo die allgemeine Verblödung der WohldenkfaulGesellschaft beginnt, hätte schon viel Pfeffer.
    SUV mit zusätzlicher upgrade-Panzerung, allen einen Tesla, nur noch conveniant-Fertigfrass in COOP und Migros (heute wohl bei über 50% im Sortiment, inklusive vorgeschnätzeltem Salat oder Ananas), Autobahn-Verkehrsführung auf den beschneiten SchiPisten undundund…….
    Soll jeder bei sich anfangen, wo’s weh tut sich selber anzuschauen. Falls er/sie das seelisch verkraftet.
    Ich wünsch mir noch geschälte Öpfelschnitz à la Oma/Opa, wie damals, in öko-Plastikschale, zertifiziert, natürlig Bio, im Konsi Sortiment.

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