Wir sind so frei

Keine Boni mehr für SRG-Kader? Kein Problem.

Kurzarbeit für Mitarbeiter beantragen? Trotz geschützter Werkstatt mit fixen Gebühreneinnahmen? Na und? Deswegen oben auf Boni verzichten? Himmels willen, niemals. Dafür von der Medienministerin Sommaruga sanft gerüffelt werden, das sei «unsensibel»?

Okay, da sah man Handlungsbedarf. Geldgierig, das wäre ja noch egal. Aber nicht sensibel, das wollte sich die SRG nicht vorwerfen lassen. Also werden die Boni ab 1. Januar 2023 gestrichen.

Natürlich ist auch für Mitglieder der Geschäftsleitung der SRG das Portemonnaie ein ganz sensibles Körperteil. Das kennt den sogenannten Lochschmerz. Der entsteht normalerweise bei einer Zahnextraktion. Aber es geht hier bei den Boni um rund ein Fünftel der Lohnsumme, das läppert sich.

Zum Beispiel das Geschäftsleitungsmitglied X, zuständig für Luft, Laune und den ordentlichen Aktenrundlauf, bekommt wie alle anderen auch dafür 390’000 Franken im Jahr. Würden ihm davon 20 Prozent abgeschränzt, wären es nur noch 312’000. Das würde bedeuten, dass mehr bei Aldi und Lidl eingekauft werden müsste, weniger bei Coop und Migros.

Noch dramatischer wäre das bei SRG-Generaldirektor Gilles Marchand. Der würde von rund 533’000 Franken auf 426’400 runtergestuhlt. Damit wäre der Traum vom Zweitferienhaus ausgeträumt, die jüngeren Kinder müssten die Kleider der älteren auftragen.

Das Entstehen solcher Lochschmerzen musste unbedingt verhindert werden, aber unsensibel wollte man natürlich auch nicht erscheinen. Geniale Lösung: Boni gestrichen. Restlos. Vollständig. Abgeschafft. Dafür wird einfach der Fixlohn entsprechend erhöht. Ist das Hammer, megageil, megasensibel oder was?

Eigentlich wären nun alle zufrieden und könnten in Ruhe weiterarbeiten, wenn da nicht der Parteipräsident der «Mitte» wäre. Obwohl Gerhard Pfister die Namensänderung weg von CVP durchzog, hat er noch ein christliches Gewissen.

Und regt sich auf Twitter auf:

«Bei Banken würde @SRF investigativ tätig werden. Aber bei Saftläden ists ok. Bevor jemand mir die Parteibüchlein der VR-Mitglieder vorhält: Ich schäme mich fremd.»

Damit stellt Pfister drei Parteikollegen in der SRG-Geschäftsleitung mit an den Pranger.

Und ZACKBUM sagt für einmal: Chapeau, Herr Politiker, das nennt man Prinzipien. Da hätte sich ihr Vorgänger Christophe Darbellay einige Scheiben von abschneiden können.

3 KOMMENTARE
  1. Martin Göldi
    Martin Göldi says:

    Wenn Herr Zeyer eine Story eins zu eins aus CH Media übernimmt, sollte er die Quelle angeben. Professionelle Journalisten tun das.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Cina (auch aus der Pfister-Partei), Marquard, Wappler und all die vielen «Führungskräfte» sind beste Wegbereiter für eine «NoSerafe-Initiative». Das Signal, wenn Leistung nicht erbracht wird steigt der Lohn. Dafür wird beim Personal, der Qualität und der Vielfalt gespart. Leute die noch ewas können verlassen fluchtartig das Unternehmen, es bleiben die Looser und Sesselkleber, typisch linke Überlebensstrategie!

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