Todeszone Kritik

Alles darf kritisiert werden. Eines nur auf eigene Gefahr.

Sexismus, Machotum, ausgrenzende Sprache? Gnadenlose Kritik prasselt darauf ein. Trump? Wird ständig als Trampolin für Verbalerotiker der Kritik missbraucht. Der eigene Bauchnabel? Scharf beäugt, die ihn bedrückenden Umstände werden scharf kritisiert.

Rechte Hetzer, Linksfaschisten, Umweltsünder, Klimaleugner? Keine Chance, schärfster Kritik zu entgehen. Rassisten, SVPler, Verschwörungstheoretiker. Corona-Schwurbler. Alle kriegen ihr Fett ab, werden in der Fritteuse der guten Denkungsart braungebrutzelt.

Amnesty International (AI) veröffentlicht einen Bericht mit dem Titel

«Israels Apartheid gegen die Palästinenser. Ein grausames System der Beherrschung und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.»

Keiner kann ernsthaft behaupten, ihn bereits gelesen zu haben. Kein einziges darin aufgeführtes Beispiel wird zitiert oder gar widerlegt.  Es sei ein «rund 200-seitiger Report», übernimmt Tamedia den Bericht des Korrespondenten der «Süddeutschen».

Es sind 280 Seiten, weiss jeder, der ihn heruntergeladen hat. Israels Aussenminister weiss, dass die «einst hochangesehene Organisation» heute anstatt Fakten zu suchen Lügen zitiere, «die von terroristischen Organisationen verbreitet werden». Schlimmer noch:

«Das sind genau die Zutaten, aus denen der moderne Antisemitismus besteht

Auch das Schweizer «Tachles» zitiert ausführlich kritische Stimmen zum Report: «Auch die ADL (Anti Defamation League, Organisation mit Sitz in New York City, die gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt. Anm. ZACKBUM) verurteilte den Bericht nachdrücklich als «Dämonisierung Israels». Amnesty suche damit die Existenz Israels als jüdischem Staat zu untergraben. Zu Zeiten eines zunehmenden Judenhasses sei die extreme Sprache des Berichts verantwortungslos und werde wahrscheinlich Antisemitismus entfachen.»

Immerhin endet der Bericht von «Tachles» so: «Allerdings provoziert diese Kritik auch Kontra. So stellte der Publizist und Journalismus-Professor Peter Beinart die Frage, aufgrund welcher Beweis die ADL zu dem Schluss käme, dass Israel keine Apartheid praktiziert: «Wie viel Zeit hat die ADL auf Interviews mit Palästinensern oder die Beobachtung israelischer Militärgerichte verbracht? Wie weit hat die Organisation die israelische Landpolitik untersucht?»»

Wer will sich der Fünffaltigkeit der ewig gleichen Vorwürfe aussetzen?

  • Wer Israels Regierungspolitik kritisiert, bestreite in Wirklichkeit das Existenzrecht Israels, sei anti-jüdisch und antisemitisch
  • Wer Israel kritisiert, verschliesse die Augen vor den Verbrechen der Palästinenser
  • Wer Israel kritisiert, benütze ein Freiheitsrecht, das weder in den palästinensisch beherrschten Gebieten, noch in der ganzen arabischen Welt existiere
  • Wer Israels Verbrechen kritisiere, verschliesse die Augen vor palästinensischem Terrorismus und mache sich zum Helfershelfer von Staaten wie dem Iran, die das Existenzrecht Israels bestreiten
  • Wer Israel kritisiert, relativiere damit das historische Unrecht und den Holocaust

Frage: Wird eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Argumenten von AI stattfinden, deren Renommee immerhin durch einen Friedensnobelpreis gestärkt wird und die mit Falschbeschuldigungen ihren Ruf verspielen würde?

Frage: traut sich jemand, sich dem Risiko auszusetzen, nicht als Kritiker der Regierungspolitik Israels wahrgenommen zu werden, sondern als Antisemit denunziert?

Antwort: ist nur was für ganz Mutige.

 

 

 

6 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Bei fundierter, sachlicher Kritik können pauschale Antisemitismus-Vorwürfe zurückgewiesen oder ignoriert werden. Solche reflexartigen Reaktionen sind billig und gehören hoffentlich (und gemäss meiner Erfahrung) nicht zum Standard während solcher Diskussionen.

    Es würde diesbezüglich jedoch vielleicht helfen, wenn die Mainstream-mediale Berichterstattung ihre oft etwas plumpen, tendenziösen anti-Israel-Positionen zurückfahren würde. Zur offensichtlichen Parteinahme passt auch, dass die zunehmende Gewalt gegen jüdische Personen und Einrichtungen in Europa eher Stiefmütterlich behandelt wird. Hauptgründe für diese Entwicklung im letzten Jahrzehnt sind die Massenzuwanderung aus muslimisch geprägten Ländern, und die zunehmende Radikalisierung und Hemmungslosigkeit linksextremer Gruppierungen und deren Duldung durch Teile der Politik.

    Auch auf diese Aussagen wird von gewissen Individuen mit emotionalen Reflexen reagiert. Was mehr über diese Leute aussagt als über denjenigen, der die Aussagen macht.

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    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens kommen vor allem von der extremen Rechten! Übergriffe auf Menschen sind in keinem Fall tolerierbar!

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      • Simon Ronner
        Simon Ronner says:

        «Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens kommen vor allem von der extremen Rechten!»

        Falsch. Bei Ihnen hallt noch die Berichterstattung der Neunziger nach.

        Zahlen aus Frankreich, Deutschland, Schweden und UK belegen: Taten aus linksextremen und muslimischen Beweggründen haben in den meisten Ländern diejenigen aus rechtsextremen Gründen überholt. Dass dies z.B. dem linken, zuwanderungseuphorischen «Tages-Anlüger» nicht in den Kram passt, sollte Ihnen nun wirklich langsam einleuchten. Aber vielleicht wollen Sie ja einfach gar nicht.

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      • Rolf Karrer
        Rolf Karrer says:

        Mag Zutreffen für Deutschland. In Frankreich (insbesondere Paris) wohl eher nicht.

        Ein Beispiel, welches in Frankreich in der jüngeren Geschichte für Entsetzen sorgte:

        Die 85-jährige Holocaustüberlebende Mireille Knoll wurde in ihrer Pariser Wohnung am 23. März 2018 von zwei Männern ermordet. Weil einer der Täter ein Muslim war, wurde der Fall zusammen mit dem Mord an Lucie Attal (getötet 2017 von einem psychisch gestörter 27-jähriger Muslim) in der Presse als islamistisch motiviert dargestellt, von der Politik aufgegriffen und zu Solidaritätsaufrufen an muslimische Verbände gegen angebliche islamistische Gewalt genutzt.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Es gibt ein Buch von Abraham Melzer, 1945,»Die Antisemitenmacher». Darin beschreibt er wie jüdische Kreise Kritik an der israelischen Regierung, der Armee, den Institutionen immer gleich als Antisemitismus bezeichnen. Melzer ist Jude und hat in Israel Militärdienst geleistet!

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  3. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Israels Siedlungspolitik ist ein Verbrechen. Und orthodoxe Juden lösen bei mir einen Brechreiz aus. Genauso wie der Vatikan bei mir einen Brechreiz auslöst. Klar darf man das sagen.

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