Es darf gelacht werden: Blattschuss

Bei Ringier geht’s zu wie weiland bei der Credit Suisse. Walder zum zweiten Mal getroffen.

Hinterlass keine Spuren. Das gilt nicht nur bei Verbrechen. Es gibt Anweisungen, Mitteilungen, Befehle, die unbedingt nur mündlich erteilt werden sollten. Und auch nur unter vier Augen.

Plausible Deniability heisst das auf Englisch. Wirklich nicht wissen oder so tun als ob. Nur so kann im Brustton der Überzeugung abgestritten werden. Ich? Soll das gesagt haben? Niemals. Schon die zweite Verteidigungslinie «ist aus dem Zusammenhang gerissen» ist erbärmlich. Die dritte «war nicht so gemeint, ist doch gar nix», die gleicht dann schon einem Röcheln und Wimmern.

Nun müssen die Verlegerclans eine ganze Reihe von Tiefschlägen hinnehmen. Ihre Abstimmungskampagne ist unterirdisch schlecht. Wenn der Big Boss von Tamedia ohne Rücksichten auf die Trennung von Verlag und Redaktion selbst in die Tasten greift und in all seinen Kopfblättern für die Annahme der Medienmilliarde wirbt, weil das die Unabhängigkeit garantiere, macht Pietro Supino sich und seine Organe lächerlich.

Die grüne Nationalrätin Aline Trede weibelt wie wild für das Medienpaket und die Unterstützung von Online-Medien – während ihr Gatte genau so eines darauf hinschnitzt, dass es für die «Hauptstadt» viele Steuerbatzeli geben könnte.

Marc Walder muss verdeckt im Referendumskomitee arbeiten

Aber den Vogel hatte Marc Walder abgeschossen, der sich dabei aufzeichnen liess, wie er («das sollte in diesem Kreis bleiben») stolz verkündete, dass er seinen Redaktionen Anweisungen gegeben habe, möglichst regierungstreu über die Pandemie zu berichten.

Marc Walder. Geheim im Referendumskomitee?

Wenn ein Befürworter und ein Gegner des Geldregens im «Blick» gegeneinander antreten, dann ergibt die Publikumsabstimmung 75 Prozent Zustimmung für den Initiator des Referendums. Tschakata.

Der gesammelten Wirkkraft von Duopolmedien, den gesammelten Anstrengungen wohlbestückter Teppichetagen, dem gemeinsamen Bemühungen von Mietschreibern und Claqueuren gelingt es nicht, die öffentliche Meinung so zu bearbeiten, dass die Abstimmung gewonnen werden könnte.

Geld und Medienmacht, selten war grösseres Versagen.

Eine Klatsche nach der anderen

Herausragend dabei allerdings Walder. Kaum ist die desaströse Wirkung seiner Videobotschaft etwas verraucht, kommt schon der nächste Hammer. «Inside Paradeplatz» wurde mit einem Mail angefüttert, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Es ist ein Mail, wie man es niemals schreiben sollte – wenn man als Manager nicht von allen guten Geistern verlassen ist. Aber offensichtlich war Walder am Anfang der Pandemie im Panikmodus:

«Wenn die Menschen in der Schweiz nun den sozialen Kontakt nicht radikal verringern, dann droht der Schweiz eine medizinische Katastrophe»,

hyperventilierte er an die Adresse der Führer der anderen Medienclans, gerichtet auch an zwei eigene Nasen in der Chefetage, die völlig überflüssigen Ladina Heimgartner und Alexander Theobald.

Darin forderte er alle auf, nach Kräften die Kampagne des Bundesrats «Bleiben Sie zuhause» zu unterstützen. Er selbst tue das nach Kräften: «Wir werden … die Front-Seiten dafür zur Verfügung stellen.»

Wenn es noch einen Sargnagel für den Deckel über der Behauptung gebraucht hätte, dass der Verlag die Unabhängigkeit der Redaktionen respektiere …

Wenn es noch einen Sargnagel gebraucht hätte, dass sich die Medien nicht im Zweifelsfall zum Büttel des Bundesrats machen lassen («Bundespräsidentin Sommaruga liefert einen Text (2700 Zeichen), eine Art Rede zur Nation heute Nachmittag. Ich werde ihn Euch umgehend zukommen lassen») …

Es erstaunen vier Dinge:

  1. Die unverfrorene Offenheit, mit der Walder eine regierungshörige Kampagne in eigenen Blättern und bei Tamedia, CH Media und SRG schüren will.
  2. Der alarmistische Panik-Tonfall eines hyperventilierenden Tropfs, der Mass und Mitte verloren hat. Als Chef …
  3. Die schreckliche Dummheit, das unter eigenem Namen und mit offener Empfängerliste abzuschicken.
  4. Wie undicht die Teppichetagen der Medienhäuser sind.

Wie im Fall Horta-Osório stellt sich die interessante Frage, wer dieses Dokument des Grauens an IP durchgestochen hat. Dafür kommen alle Empfänger sowie die jeweilige Entourage in Frage, da man als wichtiger Chef normalerweise E-Mails lesen lässt.

Auf der anderen Seite hat jeder Chef eine private E-Mail-Adresse, meistens auch noch zusätzlich geschützt, also bei Proton, Signal, usw. Walder hat aber jeweils die offiziellen Anschriften gewählt. Unglaublich.

Das ist etwa so bescheuert, wie wenn er auch hier noch erwähnt hätte, dass das bitte schön im kleinen Kreis bleiben solle. Hier schrieb er aber: «Bitte umgehend distribuieren in Euren Redaktionen».

Vielleicht hat da ein arbeitsfauler Medienlenker gedacht: distribuieren, okay, dazu gibt es doch diesen Knopf «weiterleiten».

Bei CH Media kam die Redaktion völlig unabhängig auf diese Idee …

Auf jeden Fall: solche Gegner wünscht man sich in einer Abstimmungsschlacht. ZACKBUM dachte immer, Hansi Voigt auf der anderen Seite, das sei schon die Höchststrafe für die. Aber nach diesem noch kräftigeren Schlag ins Kontor müssen wir sagen: sollte Marc Walder jemals als unser Kampfgenosse auftreten, kriegten wir echt Schiss.

Was bleibt: findet man wenigstens hier den Heckenschützen? Muss Michael Ringier schon wieder selbst in die Tasten greifen? Bietet Walder zum zweiten Mal seinen Rücktritt an? Wird er diesmal angenommen? Gründen Pascal Hollenstein und Walder eine Beratungsfirma mit dem unschlagbaren Slogan:

«Vermieten Sie uns an Ihre Gegner, dann gewinnen Sie!»

 

Immerhin, es darf nun wirklich gelacht werden.

14 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Ist Walder wirklich naiv? Viel eher sind wir doch bereits so weit, dass solche Aktionen als gar nichts Aussergewöhnliches (mehr) gelten. Das würde auch die Ungezwungenheit von Walders Verhalten erklären.

    Inn- und ausserhalb der Medienbubble wird es Leute geben, die nicht verstehen, was an einer solchen Aktion denn falsch sein sollte. Und dann gibt es noch diejenigen, die eine mediale Lenkung solcher Art als 100% «richtig und wichtig» empfinden (selbstverständlich nur sofern sie der «guten Sache» dient.)

    Wir werden in den nächsten Tagen jedenfalls sehen, ob ein Aufschrei folgt, ob solches Handeln tatsächlich Konsequenzen hat.

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  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Das gesamte Kartenhaus aus Lügen und Intrigen bricht auseinander. Die verlogenen Linken um Berset und Sommaruga betrieben die übelste Hetze gegen Andersdenkende. Sekundiert von einer Propaganda-Presse wie in der DDR. Das hat Existenzen vernichtet und Freundschaften zerstört. Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Am Erschreckendsten ist jedoch die leichte Manipulierbarkeit der Bevölkerung. Dies zeigt wie dünn die Zivilisationsdecke tatsächlich ist und was daraus entstehen kann.

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    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Was für ein Unfug! Wann haben Berset und Sommaruga Hetze gegen Andersdenkende betrieben? Wenn jemand übelste und primitivste Hetze betreibt ist es Streuli der von DDR schwafelt aber Null Ahnung hat!

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      • René Zeyer
        René Zeyer says:

        Red.Wir zeigen die gelbe Karte. Ineinander verbeissen ist bis zu einem gewissen Grad erlaubt, aber nicht als Selbstläufer. Und man bremse sich in der Wortwahl ein, wir sind hier nicht auf Twitter …

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        • Adrian Venetz
          Adrian Venetz says:

          Ich bin sehr froh um die Interventionen von Herrn Brunner. Wäre schade, wenn hier nur noch billiges Bashing gegen alles, was von links kommt, Platz hat.

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        • René Küng
          René Küng says:

          Entschuldigung,
          in wen hat sich Herr Streuli verbissen?

          Mit ‹Unfug› fährt immer etwa der gleiche Herr und Alleswisser rein. Und wird das hier nun zur weisseralsOMO Veranstaltung für Berset&Sommaruga mitsamt der unsäglichen Hetzerbande der SP? ALLES VERGESSEN?
          Ich bin kein Linken bisher, aber ich mag Geschichts-Fälschung in Echtzeit nicht.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Meine grosse Hochachtung für Marc Walder. Noch nie in der Schweizer Geschichte hat ein Einzelner durch sein plumpes Vorgehen eine eidgenössische Abstimmung in so hohem Masse beeinflusst und versenkt!
    Walder dokumentiert in dem Mail wie die «7 unabhängigen ChefredaktorenInnen» des BLICK nach seiner Pfeife tanzen müssen, (was Dorer natürlich strikt bestreitet), wie die «unabhängigen» Medienunternehmen der Schweiz miteinander verfilzt sind. Wie von Pandemieanfang an versucht wurde eine staatshörige Presse zu installieren, was mehrheitlich gelungen war.
    Bei Ringier geht es immer um Macht und politische Einflussnahme. Vater der Strategie war FAM. Der knüpfte Netzwerke in Wirtschaft und die nationale Politik in Bern wo er willfährige NR und SR fand die bei einem gesponsorten Essen und etwas Alkohol seine Gedanken und Vorgaben gerne aufnahmen! Grantler BR Stich hat wohlweislich abgelehnt.
    Das Gegenteil ist BR Berset, der lässt sich von Ringier einnehmen dafür bekommt er von der Dufourstrasse eine vorwiegend gute und auch wegschauende Presse. Beispiel «Interview».
    Ladina Heimgartner ist bei Ringier eine Art Etagensünneli, aber wichtig für die Verbindung zu den staatlichen Medien wie zu SRG-Generaldirektor Gilles Marchand oder SRF Nathalie Wapppler, beide brauchen eine freundliche Ringier-Presse!
    Die Medienunternehmen und die auf gute Presse bedachten Politiker werden am 13. Februar eine saftige Klatsche bekommen. Die Mehrheit der Stimmenden werden Filz, Millionärsunterstützung, herschaftliche Gebietsaufteilung der Presse, eindampfen der Medienvielfalt nicht unterstützen!

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    • Alois Fischer
      Alois Fischer says:

      Der Vater der Strategie dürfte ganz unbewusst eher der alte Herr Ringier gewesen sein. Denn den FAM het es nur in die höchsten Sphären gespült, weil der Stammhalter von seinen Kindern eher enttäuscht wurde. Zu Unrecht, wie sich heute zeigt.
      Wir halten zusammen durch dick und dünn – wie Dick und Doof!
      Wann merkt das endlich auch die Sippe der angeblich unzulänglichen Erben?
      Sie haben die Verantwortung und nutzen sie leider nicht zum Wohle ihrer Nachbarn, Nachkommen und Mitbürgern.
      Rückbesinnung und Dankbarkeit mit etwas Demut wäre angebracht.

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  4. Robert Müller
    Robert Müller says:

    Das wirklich tragische ist, dass ein Mann in so einer Position derart schnell die Nerven verliert. Und keiner im Umfeld macht einen Mucks…

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  5. Beat Morf
    Beat Morf says:

    Der Tennisspieler hat geglaubt, er sei unschlagbar weil der kleine Gernegross doch Zugang zur Regierung hat. Selbstüberschätzung pur bis zum Absturz! Oder Game, Set und hoffentlich endlich Match gegen Walder.

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