Abgang Hollenstein

CH Media probiert’s per sofort ohne publizistische Leiter nach unten.

Pascal Hollenstein war laut Impressum die Nummer zwei bei CH Media. Über ihm thronte nur noch Peter Wanner, unter ihm werkelte der Oberchefredaktor Patrik Müller und alle anderen noch überlebenden Redaktoren und Chefs der unzähligen Kopfblätter.

Hollenstein stiess zu CH Media, als die NZZ Gruppe sich von ihren Regionalmedien trennte und sie in ein Joint Venture mit der AZ-Mediengruppe einbrachte, in der Wanner das Sagen hat. Damit endeten alle Karrierepläne von Hollenstein innerhalb der NZZ, wo er sich mehrfach Hoffnungen gemacht hatte, Chefredaktor der NZZaS zu werden. Das Schicksal blieb dem Blatt erspart.

Dafür durfte er «Leiter Publizistik» werden, in die Geschäftsleitung Einsitz nehmen und auch in einem «Publizistischen Ausschuss» neben Koryphäen wie Peter Hartmeier, Esther Girsberger und natürlich Wanner himself.

Furztrockener kann man nun aber einen Abgang nicht kommunizieren: Wanner und Hollenstein hätten sich «auf eine Aufhebung des Arbeitsvertrags verständigt. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.»

Wenn das so weit oben in der Chefetage so passiert, hat’s gekracht, aber gewaltig. Da nützen auch die Krokodilstränen des CEO von CH Media nichts, der sich artig bedankt und hinzufügt: «Entsprechend kann ich den Weggang nur bedauern.»

Das Bedauern in den Redaktionen und bei der Leserschaft, die er schon mal als Milchkühe verunglimpfte, die man noch melken müsse, bis man sie zur Schlachtbank führe, dürfte sich in Grenzen halten.

Akzente nur bei einem einzigen Thema gesetzt

Auch sein unermüdlicher Einsatz als Büttel und Sprachrohr für eine hasserfüllte Kämpferin gegen Hass und Diskriminierung im Internet ist vielen unangenehm aufgefallen. Da ihm bei seinen Artikeln niemand widersprechen konnte, fantasierte er auch schon mal eine krachende Niederlage vor Gericht in einen Triumph um oder hielt sich nicht an gerichtliche Sperrfristen, um als Erster mit einer News herauszuplatzen.

Immer gut dokumentiert von seiner Quelle, was es ihm erlaubte, ungeniert aus Gerichtsunterlagen zu zitieren.

Wo da der Vorbildcharakter eines publizistischen Leiters abblieb? In letzter Zeit war er eher schweigsam geworden, bis er sich in einem «Leitartikel» nochmals für die Annahme des Medienpakets stark machte, die auch seinem Besitzerclan viele Millionen in die Taschen spülen würde.

«Demokratie ist kostbar – und darf uns etwas kosten»,

stellte er noch fest. Dann fragte er rhetorisch: «Was sind wir bereit, für unsere direkte Demokratie zu bezahlen?» Dass er damit ein Junktim herstellte, dass nur die zusätzliche Subventionierung mit einer Milliarde Franken nicht etwa nur die Medien, sondern gar die direkte Demokratie retten würde – leicht verständlich war er nie.

Sicherlich ist auch Wanner der Auffassung, dass die Demokratie »uns» etwas kosten darf. Vor allem, wenn unsere Steuerfranken in die Taschen der Medienclans wandern. Allerdings ist Wanner auch der Auffassung, dass er sich einen Hollenstein nicht länger etwas kosten lassen will.

Eine kleine Verschlechterung für Hollenstein, eine grosse Verbesserung für CH Media.

Wirklich schmerzlich ist der Abgang aber für eine Zugerin, die einige Internetportale betreibt. Staatliche Unterstützung gestrichen, die Prozesse laufen schlecht, ein Lautsprecher ist verstummt, es bleibt nur noch Hansi Voigt. Und das ist nie eine gute Nachricht.

11 KOMMENTARE
  1. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Unfreiwillig ehrlich, wie er seiner Leserschaft (genannt Milchkühe) die Narrenkappe anlegte.

    Wenn Arbeit gemäss Pascal Hollensteins Ansicht überschätzt wird, so dürfte er wohl bald die Wege kreuzen mit dem Paradiesvogel Voigt. Seine work life Balance dank grosszügigen Finanzinjektionen formidable.

    Antworten
    • Adrian Venetz
      Adrian Venetz says:

      Was genau Lena dazu verleitet, wiederholt als Fürsprecherin von JSH aufzutreten, ist auch mir ein Rätsel. Ich halte sie dennoch für eine kompetente und gute Journalistin.

      Antworten
      • Columbo
        Columbo says:

        Auf meinem Notizblock steht, dass es offenbar einen Deal gab. So hat das Hausblatt damals als erstes berichtet. Man könnte auch sagen es sei Erpressung. Wen ihr nicht so wie ich es sage berichtet, verklage ich Euch.

        Antworten
  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    «Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart». Immer wieder witzig was Medienbosse von Transparenz halten wenn sie selber involviert sind. Wäre doch interessant für die LeserInnenn warum die Nummer 2 abserviert wurde!
    Ein weiteres Beispiel warum ein Nein wichtig ist. Medienunternehmer informieren nur was ihnen passt, wenn nötig vertuschen sie. Die viel beschworene Demokratie ist da nur Staffage!

    Antworten
    • Mario Sacco
      Mario Sacco says:

      Vielleicht war Pascal Hollenstein in seiner Position Geheimnisträger bei CH Media. So musste man ihn schonend und unter grossem Bedauern entlassen……..

      Antworten
  3. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Es ist verblüffend, wie alle, die an der Seite von Frau Spiess-Hegglin kämpfen, früher oder später im Elend landen. Karma?

    Antworten
    • Sue Beer
      Sue Beer says:

      Frau Spiess-Hegglin müsste sich halt neu erfinden. Vielleicht könnte nun Seelsorger Pascal Hollenstein die Pläne dazu liefern?

      Karma sei Dank.

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Möchten Sie an der Debatte teilnehmen?
Ihre Meinung interessiert. Beachten Sie die Kleiderordnung dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.