Nicht mit Hässig

Meist keine gute Idee, ihn einzuklagen. Der besinnliche Sonntagstext.

Schon viele Finanzhäuser mussten die bittere Erfahrung machen: kommt man Lukas Hässig und seinem Finanzblog «Inside Paradeplatz»* juristisch, stellt er sich auf die Hinterbeine.

Die Absicht solcher Klagen ist meistens glasklar: Es geht gar nicht um den eingeklagten Anlass. Sondern darum, einen Blogbetreiber mit Gerichts-und Anwaltskosten in die Knie zu zwingen.

Das ist leider der neue Ansatz von Angegriffenen. Grosse Medienhäuser neigen inzwischen dazu, schnell einzuknicken, wenn ein Kritisierter mit einer einschlägig bekannten (und teuren) Anwaltskanzlei winkt.

Da wird dann schnell zu Kreuze gekrochen. ZACKBUM-Autor René Zeyer erlebte mal als Höhepunkt, dass ihn der grosse Tamedia-Konzern vor die Wahl stellte: wenn er das Prozessrisiko übernähme, dann würde die SoZ seinen Artikel nicht löschen.

Auch bei CH Media geht’s nicht viel anders zu; so löschte das «Tagblatt» einen kritischen Artikel über den Sherkati-Clan mit Sitz in St. Gallen – ohne den Autor auch nur vorab darüber zu informieren oder ihm Gelegenheit zur Gegenwehr zu geben. Denn im Artikel stimmte absolut alles – bis auf die Verwechslung eines Nach- und Vornamens.

Nebenbei: Dass der Artikel dennoch bis heute auffindbar ist, verdanken wir «Die Ostschweiz»*. Während aber das «Tagblatt» von der zusätzlichen Medienmilliarde profitieren würde, bekäme die «Ostschweiz» keinen Rappen.

Wenn’s inhaltlich stimmt, schwinge die Sexismus-Keule

Zurück zu Hässig. Einer seiner Zuschreiber wagte es, das neuste Projekt der Medienfrau Patrizia Laeri zu kritisieren. Dabei verwendete er auch durchaus despektierliche Ausdrücke über sie selbst. Über Geschmack lässt sich streiten.

Laeri brachte aber sofort die einschlägig bekannte Anwältin Rena Zulauf in Stellung. Die überzog «Inside Paradeplatz» gleich mit zwei Klagen. Eine vor dem Bezirks-, die andere vor dem Handelsgericht. Persönlichkeitsverletzung und Rufschädigung, bei Firmen heisst das «Verstoss gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb».

Am liebsten hätte Laeri die sofortige und vollständige Löschung des kritischen Artikels gewünscht. Aber dafür hätte sie sich vielleicht eine bessere Anwältin suchen sollen. Wurde alles abgeschmettert, die Zuständigkeiten der Gerichte wurden ohne Not zum Problem gemacht, am Schluss blieben vier Passagen, die entfernt werden mussten.

Aber das weckte Hässigs Kampfgeist. Zunächst legte er in eigener Sache nach, nun legt er noch einen drauf:

Genüsslich berichtet er über einen tatsächlich merkwürdigen Einkauf eines neuen Aktionärs. Während das angepriesene Finanzvehikel für «Anfängerinnen» leise absäuft. Seit Start netto minus 8 Prozent.

Was macht elleXX genau?

Einen heiklen Punkt hat Hässig auch aus der Munitionskiste geholt:

«elleXX verfügt über keine Finma-Lizenzierung, sie ist in keinem Register eingetragen. Unter „Zweck“ findet sich im Handelsregister-Eintrag der elleXX das Wort „Finanzberatung“ nicht, sondern dort ist nur die Rede von „Beratungsdienstleistungen“.»

Die angefragte Anwältin, die «IP» verklagt, meint schmallippig: «Die Tätigkeit von elleXX als ‚Investment Advisor‘ umfasst einzig die Aufgabe, die Investment-Managerin Migros Bank bei der Titelselektion des Gender Equality Basket im Hinblick auf die genderspezifischen Kriterien zu beraten.“»

Da bleibt die Frage, obdas wirklich eine Scheibe von 0,3 Prozent wert ist. So viel kostet normalerweise ein ETF, all in. Der ist nicht gemanagt, verteilt das Risiko auch schön – und performt meistens besser, weil schon mal seine Gebühren niedriger sind.

Im Tennis würde man sagen: Aufschlag Hässig, Return Laeri, aber der erste Satz ging schon mal an «IP». Das Problem bleibt: muss sich Hässig an den Rechtskosten beteiligen, haut das ins Kontor, denn natürlich hat die Anwältin den bei ihr üblichen Streitwert auf 100’000 Franken festgelegt. Bei beiden Verfahren.

 

Denn es geht auch hier nur in zweiter Linie um Recht oder gar Gerechtigkeit.

*Packungsbeilage: René Zeyer publiziert gelegentlich auf «Inside Paradeplatz» und regelmässig auf «Die Ostschweiz».

 

4 KOMMENTARE
  1. XXL Sumoringer
    XXL Sumoringer says:

    Laeri und Zulauf passen zusammmen wie eineiige Zwillinge: Arrogante unbelehrbare Besserwisser, deren Paket (äusseres Erscheinungsbild) weit wichtiger ist als der Inhalt. Beim Streitwert von 100’000 Franken hat sich Zulauf wohl im zuständigen Gericht geirrt. Eine mögliche Persönlichkeitsverletzung wäre möglicherweise einige Hundert Franken wert. Wobei der kritisierte Kommentar auf IP vom 4.1.2022 vor allem die schlechte Performance der von Lareri’s Firma elleXX angeboten Finanzprodukte kritisierte. Und dies völlig zu Recht, denn Anleger wollen vor allem eines: Gewinne erwirtschaften. Anwältin Zulauf musste dann schnellstens ihren Lapsus korrigieren und auch noch das Handelsgericht des Kantons Zürich bemühen. Ergebnis: Alle Forderungen betreffend unlauterer Wettbewerb wurden da mal vorerst abgelehnt. Das Gericht sieht keinen zwingenden Handlungsbedarf. Zulauf wird natürlich trotzdem eine Honorarnote schreiben. Das tat sie schon bei der Streitsache Spiess gegen Ringier, als sie vor Obergericht eine saftige Klatsche kassierte: Alle Anträge der Klägerin wurden abgeschmettert. Mehr noch, die Genugtuungsentschädigung für JSH wurde halbiert (nur noch 10’000 Franken), und auch die Gerichtskosten für Kantons- und Obergericht musste Spiess neu zu 20% übernehmen. Eigentlich ein Fall für die versagende Anwältin, sich hier an diesen Kosten zu beteiligen. Wir wissen es nicht, aber sie wird es kaum tun. Gratistipp: Diese Anwältin müsste man als Mandant nie engagieren, da ist viel Blabla und wenig Erfolg eigentlich schon vorprogrammiert!

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    «Einer seiner Zuschreiber wagte es, …» der Zuschreiber war Beni Frenkel. Warum werden alle mit Namen genennt nur Frenkel nicht?

    Die Damen von ellexx haben recht wenn sie den Frauen zurufen «Close the gaps» und edel der Versuch «die Frauen zu bereichern», nur sollten sich die Frauen die der Anlageempfehlung von ellexx folgen schon heute nach einer Teilzeitstelle für die Zeit nach der Pensionierung suchen, sicher ist sicher und «close the gaps».

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