Unser Journalist des Jahres

Afghanistan statt Absurdistan: Ismael Shahamat ist ein würdiger Preisträger.

Der Journalist des Jahres ist zweifellos Ismael Shahamat. Vielleicht hat er noch nicht allzu tiefe Spuren in den Schweizer Medien hinterlassen. Aber er hat jede Aufmerksamkeit verdient. Der ehemalige Bürochef der BBC in Kabul floh nach Morddrohungen und Entführungsversuchen vor drei Jahren aus Afghanistan. Seither versucht er, in der Schweiz einen Asylstatus zu erlangen.

Bislang vergeblich; die Schweizer Behörden behaupten arschkalt, dass sogar eine Rückkehr nach Afghanistan möglich wäre. Dass inzwischen dort die fundamentalistischen Wahnsinnigen die Macht ergriffen haben; nun, das ändert den ordentlichen Aktenrundlauf nicht. Und interessiert inzwischen in der Schweiz auch nicht mehr wirklich.

Sein Fall liegt beim Bundesverwaltungsgericht. Und liegt und liegt und liegt.

Mutiger, einsamer Mann: Shahamat.

Shahamat ist es mit viel Mühe gelungen, auch seiner Familie, die ebenfalls mit dem Tode bedroht wurde und klandestin in Afghanistan lebte, zur Flucht zu verhelfen. Sie hat es bis Kiev in der Ukraine geschafft. Damit sind seine drei Töchter der Gefahr entkommen, zwangsverheiratet zu werden. Dort verweigert ihnen aber die Schweiz ein Visum. Shahamat bräuchte dazu einen Status als anerkannter Flüchtling. Den er nicht hat.

Besuchen kann er seine Familie auch nicht; verliesse er die Schweiz, gäbe es keine legale Rückkehr für ihn.

Wer ein solches Schicksal ertragen muss, weil er seinem Beruf, seiner Berufung nachgelebt hat, ist ein würdiger Preisträger.

Shahamat hat in unzähligen Artikel die Zustände in Afghanistan beschrieben und die Taliban kritisiert. Er hat das unter Einsatz seines Lebens getan. Man hat mehrfach versucht, ihn zu entführen, Morddrohungen wurden gegen ihn ausgestossen. Bis er sich gezwungen sah, ein Visum der Schweiz zwecks Berichterstattung zu benützen und hierzulande politisches Asyl zu beantragen.

Journalisten wie er, die sich mit ihrem Leben für eine möglichst freie Berichterstattung einsetzen, sind beispielhaft für diesen Beruf. Neben ihnen verblassen alle selbstbezogenen Bauchnabelschauer, die an geliehenen oder eingebildeten Diskriminierungen zu leiden vorgeben.

Daneben fallen alle weiteren Leistungen des Schweizer Journalismus im Jahre 2021 dermassen ab, dass ZACKBUM es bei einem einzigen Ausgezeichneten bewenden lässt.

ZACKBUM – und sicherlich viele aufrechte Journalisten in der Schweiz – gratulieren Shahamat zu dieser symbolischen Auszeichnung.

In der Hoffnung, dass es ihm gelingen möge, in der Schweiz endgültig Fuss zu fassen und sich mit seiner Familie zu vereinigen, die er seit mehr als drei Jahren nicht mehr sehen kann.

Wer helfen will oder kann: bei zeyer@zackbum.ch melden.

 

 

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