Mit Hass gegen Hass

Betrachtungen über eine Ungeeignete.

 

Von Adrian Venetz
Nun ist wieder mal die Hölle los auf Twitter. Jolanda Spiess-Hegglin pendelt erneut munter zwischen Aggressorin und Opfer, seit sie keine Rücksicht mehr auf Bundesgelder nehmen muss. Jammert, schiesst, lädt nach, jammert, schiesst, lädt nach. Angefeuert von ihrem Clan, der pausenlos zwitschert, Herzchen verteilt und Häme in alle Himmelsrichtungen schleudert. Ein Clan notabene, dem nicht zu Unrecht kürzlich in einem Artikel sektenartige Züge zugeschrieben wurden.
Noch immer nicht aus dem Kopf gehen mir ihre Äusserungen an einem österreichischen Frauenpodium. Sie erzählte dort unter anderem, wie «ein ganz böser Mensch» erschossen wurde, der nicht auf ihrer Seite stand. Und sie zog daraus den Schluss, dass man zwischendurch einfach mal zurücklehnen und die Wirkung des «Karma» abwarten kann.
Sie kostet aus, dass ein Mensch ermordet wurde
Blenden wir mal all ihre anderen Fehltritte aus und sprechen Klartext: Das war nicht einfach ein verwirrter Tweet oder eine unbedachte Bemerkung im Vollsuff. Nein, sie legitimiert – mehr noch: sie kostet genüsslich aus –, dass hier ein Mensch ermordet worden ist. Und sie sieht das «Karma», ein metaphysisches Konstrukt aus der billigsten Esoterikecke, auf ihrer Seite.
Herrgott nochmal, ist sich denn niemand der Tragweite und der Schändlichkeit solcher Aussagen bewusst? Dass Menschen solche Gedanken haben, ist das eine. Sie öffentlich und wohlüberlegt vor Publikum zu äussern das andere. Und die Frau wundert sich noch ernsthaft, dass ihr Hass entgegenschlägt? Bittet Journalisten, die schreiben, dass sie selbst zuweilen Hass sät, ernsthaft um eine Richtigstellung?
Ihre Anhängerschaft mag nun argumentieren, dass sie sich entschuldigt hat. Ja, das hat sie getan. Ein flapsiges Sorry auf Twitter. Nur leider macht ein Sorry die Äusserungen nicht ungeschehen. Zumindest nicht, wenn man sich gleichzeitig penetrant als Wohltäterin geriert. Wenn ich an einer Veranstaltung den Hitlergruss zeige und mich danach entschuldige: Nähme man mir dann noch jemand ab, dass ich prädestiniert dafür bin, einen Kampf gegen Antisemitismus zu führen? Oder nehmen wir Geri Müller, der ein Foto seines Gemächts verschickt hat. Auch er sagte sorry. Aber trauen wir ihm künftig zu, das ideale Aushängeschild einer Beratungsstelle gegen sexuelle Belästigung zu sein? Nein, tun wir nicht. Da müssen wir sagen: Ein Sorry hin oder her, der Mann hat’s einfach vergeigt.
Ein abstruses, gefährliches und giftiges Weltbild
Wer nun die Hände verwirft und argumentiert, ein Hitlergruss oder das Verschicken eines Nacktfotos sei doch nicht dasselbe wie die Karma-Äusserungen von Frau Spiess-Hegglin, dem sei empfohlen, sich wirklich mal in einer unaufgeregten Stunde diese Aussagen der Kämpferin gegen Hass zu Gemüte zu führen. Und sich bewusst zu werden, was für ein abstruses, gefährliches und giftiges Weltbild dahintersteckt. Ich masse mir nicht an, aus der Ferne ihren Charakter zu verurteilen. Weiss Gott, auch meinem Charakter fehlt es oft genug an Besonnenheit und Stärke. Nur ziehe ich daraus die Konsequenzen und sehe ein, dass ich für gewisse Aufgaben ungeeignet bin.
An diesem Wochenende schrieb Jolanda Spiess-Hegglin auf Twitter: «Ich verstehe einfach nicht, weshalb man sich so sehr für mich interessieren kann.» Sagt eine, die den Mord an einem Menschen öffentlich zelebriert und genossen hat. Liebe Frau Spiess-Hegglin: Ich verstehe es sehr gut. Und Sie gewiss auch. So dumm kann kein Mensch sein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie eines Tages doch noch zur Einsicht gelangen, dass Sie auf gewissen Plätzen schlicht nichts mehr verloren haben.
Einen Kampf gegen Hass kann nur führen, wer nicht selbst davon zerfressen ist.
3 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Das Geschehen um Netzcourage und das Handeln von JHS liefert auch noch eine Erkenntnis zur feministischen Solidarität und Handeln von PolitikerInnen. Greta Gysin und Tamara Funiciello sind in dem Moment feige vom Acker gegangen als Netzcourage auch in Bern infrage gestellt wurde. Sie wollten ihre politische Karriere und die Honigtöpfe in Bern nicht gefährden, das haben sie mit den «bösen» Männern gemeinsam.

    Gysin, Grüne, hat sich nach dem Flopp verständlicherweise etwas zurückgenommen, Funiciello hat neue Möglichkeiten entdeckt um in den Schlagzeilen zu bleiben, ihre Kolumne in der SoZ lesen eh nur Hardcore-Linke, also musste etwas Neues her: die 35 Stundenwoche. Da stellt sich die Frage warum Funiciello plötzlich mehr arbeiten will!

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  2. Beth Sager
    Beth Sager says:

    Ausgezeichneter Bericht.

    Hansi Voigt, ehemaliger Chefredaktor von 20 Minuten und Watson-Gründer, dazu der Mann im Hintergrund von JSH, verstieg sich damals gar zur Behauptung, Spiess-Hegglin habe «dem Internet quasi im Alleingang Manieren» beigebracht.

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  3. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Seit diese Frau aus dem noblen Zug Oberwil keine Rücksicht mehr auf das Gleichstellungsbüro in Bern nehmen muss, fallen die Hemmungen wieder. So hat Spiess-Hegglin kürzlich auf Facebook von den alten Männern geschrieben, die sich einen runterholen. Sie bestätigt damit die nüchterne Erkenntnis, die komplett falsche Empfängerin von Steuergeldern zu sein. Es geht jetzt bergab mit dieser Frau, nachdem auch Basel Stadt die finanzielle Unterstützung aufgekündigt hat. Auch das Gratistelefonieren hat die Swisscom für Netzcourage gestrichen. Die Abwärtsfahrt hat also richtig Tempo aufgenommen. Leider ist Spiess-Hegglin unfähig zur Selbstkritik, was sie noch mehr unsympathisch macht. Alle und alles sind Schuld an Ihrem traurigen Schicksal, nur sie selber natürlich nicht. Der wahre Ursprung der Turbulenzen liegt bis heute in den Ereignissen jener Landamannfeier in Zug, wo sich in der Captains Lounch zwei Menschen parteiübergreifend durch Paarungsübungen ziemlich nahe gekommen sind. Das Buch von Michèle Binswanger wird Licht in dieses Dunkel bringen und endlich auch die Sicht von Markus Hürlimann zeigen. Zum Beispiel die Frage, ob die Initiative zum erotischen Abenteuer vom Herr oder von der Dame gekommen ist? Ob die entsprechenden Fotos täuschen oder die zutreffenden Antworten geben? Vermutlich aus purer Angst vor Wahrheiten, die nicht zur aufgebauten Legende passen, versucht Spiess-Hegglin das Buch juristisch zu verhindern. Ein ungeheuerlicher Vorgang in einem freien Land, der nicht gelingen kann. Für persönliche Bestätigungen nimmt die Chefin gerne ein Bad in der frenetischen Bejubelung durch ihre Fangemeinde ausser Rand und Band auf Social Media. Dort wird ALLES bejubelt, was die Chefin gerade wieder angestellt hat.

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