CS: Wo das Chaos startete

Wirtschaftsjournalisten haben ein Kurzzeitgedächtnis.

Anders formuliert: Es ist durchaus möglich, dass sie gar noch nicht auf der Welt waren, als das Elend der Credit Suisse begann.

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Denn das fing nicht mit den Steuerstreitereien und der grössten Busse an, die eine Schweizer Bank jemals in diesem Zusammenhang zahlen musste. Das hat seine Ursache auch nicht darin, dass die Bank seither insgesamt über 10 Milliarden Franken an Bussen, Schadenersatz und Geldern zum Abwenden von Gerichtsfällen zahlen musste.

Das Elend begann auch nicht unter der Ägide eines tatenlosen VR-Präsidenten mit weisser Weste und eines CEO, der das Wort Beschattung ins Vokabular der Paradeplatzbank einführte.

Das Elend drückt sich aber durchaus im Aktienkurs aus, der mal stolz dreistellig war (ja, vor dem Komma) und inzwischen alle sogenannten Barrieren nach unten durchschlagen hat und um die 8 Franken herumdümpelt.

Das müsste eigentlich jedem verantwortlichen Bankenlenker die Schamröte ins Gesicht treiben. Ausser, er ist mehr mit dem Leben als Jetsetter beschäftigt oder damit, sich an seinem Stuhl festzuklammern, nachdem neu sogar Milliardenflops im Doppelpack bekannt gegeben werden mussten.

Die Wurzel des Übels führt ins Jahr 2000 zurück

Aber die Wurzel des Übels, auf die höchstens gelegentlich «Inside Paradeplatz» hinweist, liegt im Ankauf der US-Investment-Zockerbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ). Das war im Jahr 2000.

Wer nicht mehr weiss, wie es davor zu und herging und wie es zu solchen Schwachsinnsverlustkäufen kommen konnte, lese von Tom Wolfe «Fegefeuer der Eitelkeiten». Das Buch erschien bereits 1987, by the way, und beschrieb gnadenlos und haargenau den sich abzeichnenden Wahnsinn der Masters of the Universe, wie sich die durchgeknallten Investmentbanker selbst gerne nannten, oder einfach «big swinging dicks», was wir nicht übersetzen müssen.

Etwas fachtechnischer, aber unbedingt lesenswert geht es bei «The Big Short» von Michael Lewis zu. Oder aber, easy, man streame sich «Margin Call» runter; besser geht’s nicht.

Man wusste also schon lange, dass mit Zocken keine Wertschöpfung entsteht, dass Verbriefungen und Verwurstungen von Wettscheinen Gammelfleisch produzieren. Man wusste, dass es bei einer Wette immer zwei Seiten braucht. Eine gewinnt, was die andere verliert. Das wussten eigentlich alle.

Wie Wetten funktionieren, wussten alle

Mehr oder weniger. Lukas Mühlemann, damals Big Boss der Credit Suisse, wusste es weniger. Sein gesäuberter Lebenslauf auf Wikipedia stellt sein Wirken ganz neutral dar. Nach seiner Karriere bei den Schwurbel-Beratern von McKinsey ging’s so weiter: «Am 1. September 1994 trat er eine Stelle als Chief Executive Officer (CEO) bei der Schweizerischen Rückversicherungs-Gesellschaft in Zürich an. Dort wurde er auch ab November desselben Jahres Mitglied des VR und ab 1996 gewählter Vizepräsident. Im gleichen Jahr wechselte er zur Credit Suisse, wo er 1997 Vorsitzender der Geschäftsleitung und 2000 VR-Präsident war. In der Zeit des „Groundings“ der Swissair war er auch dort Verwaltungsrat der Gesellschaft. 2001 trat er zurück.»

Was man der historischen Gerechtigkeit halber hinzufügen sollte: Er war auch im VR der NZZ, bestes Beispiel für den damals herrschenden FDP-Filz. Die CS, vormals SKA, war die stolze Escher-Bank, trotz einem kleinen Skandal im Tessin unkaputtbar und renommiert. Die Swissair war eine fliegende Bank, die NZZ eine schreibende.

Und Mühlemann, vom Berater zum Beschliesser aufgestiegen, wollte auf seine Art dem damaligen Grössenwahn frönen. Hypotheken, Sparbücher, Schwarzgeld, Termingeschäfte als das schärfste Finanzvehikel überhaupt, die Worte Derivat, Algorithmus oder gar Black Scholes waren am Paradeplatz noch unbekannt. Schnarch.

Also Hunter-Strategie für die Swissair, der Zusammenkauf von Schrott-Airlines quer durch Europa. Machte keinen Sinn, verstand keiner, gut dargestellt im gleichnamigen Film ist die Szene im Filz-VR der Swissair, als ein fassungsloser Mühlemann fragt:

Was heisst das, wir haben kein Geld mehr in der Kasse?

Denn es ging Schlag auf Schlag. Die fliegende Bank klatschte auf den Boden, weil sie nicht mal mehr ihre Flugzeuge betanken konnte. Die NZZ musste einen gewaltigen Abschreiber auf ihren Swissair-Aktien wegstecken.

Auch die stolze CS wurde kräftig durchgeschüttelt

Aus der Schnarch-CS wollte Mühlemann eine sogenannte Allfinanzbank machen, also endlich der Zusammenschluss zwischen Versicherungsgeschäft und Bankgeschäft. Damit überhaupt die Post abgeht, musste noch eine US-Zockerbank dazukommen, damit endlich Schub in die CS First Boston kam, mit einem Handelsraum so gross wie ein paar Fussballfelder.

20 Milliarden Franken (nach damaligem Wert) legte die CS für die Zocker-Boutique DLJ auf den Tisch. Die wohl grösste Fehlinvestition aller Zeiten; scheibchenweise Richtung 0 (!) abgeschrieben, immer noch ein Mühlestein in der Bilanz der Bank. Natürlich war auch die Allfinanz-Strategie ein Riesenflop, der die CS in den Grundfesten durchrüttelte.

2001 musste der Abwracker, der so gerne Lösung gewesen wäre, aber Problem wurde, zurücktreten. Immerhin.

Die Zeiten des Grössenwahns – auch bei der UBS.

Hat die CS – wenigstens heute – etwas daraus gelernt? Die Bankenführer waren doch alle schon auf der Welt und im Banking, als das passierte. Wir springen aus der vergessenen Vergangenheit in die Gegenwart, wo immerhin nicht nur Lukas Hässig darauf hinweist, dass es neben den Milliardenflops dieses Jahres auch noch einen «kleinen» Abschreiber von läppischen 450 Millionen gibt.

Die Leichen leben alle noch

Der entsteht aus einer Beteiligung aus dem Jahre 2010 am US-Hedgefonds York Capital Management. Als eigentlich alle schon wussten, dass man beim Wort US-Hedgefonds mit beiden Händen das Portemonnaie festhalten sollte und es zur Sicherheit gleich in den Safe einschliessen. Aber doch nicht die CS, das klappt schon, dachte man offensichtlich.

Zocker beim Zocken in der Zockerhöhle.

Das klappte nicht, Ende November trat Gründer und Chef Jamie Dinan mit beiden Füssen auf die Notbremse. «Neuausrichtung», «Strategiewechsel», was Banker halt so quatschen, wenn sie kurz vor Konkurs noch das Steuer herumreissen. Das führt dann zu einer «Wertberichtigung». Oder auf Deutsch: 450 Millionen futsch.

Was hat das mit der fernen Vergangenheit zu tun? Dinan startete seine grossartige Karriere im Jahr 1981 – bei Donaldson, Lufkin & Jenrette. Schon 1991 fühlte er sich fit, eine eigene Zockerbude, Pardon, Fondsgesellschaft, aufzulegen.

Und die gute, alte CS kaufte zuerst seinen alten Arbeitgeber für 20 Milliarden und beteiligte sich dann grosszügig am nächsten Flop eines ehemaligen DLJ-Zockers.

So lernt man aus dem Leben, nicht wahr?

 

 

 

7 KOMMENTARE
  1. Ruedi Rudolf
    Ruedi Rudolf says:

    Die Banken sind alle im selben Spital Krank. Seitdem von denn USA ausgehend (Bankenkonsortium) der Goldstandard Weltweit abgeschafft wurde. Auch in der Schweiz können die Banken Geld aus dem nichts erschaffen (FIAT Geld). Beispiele: Einfach Geld drucken, oder wenn ein Bankkunde einen Kredit aufnimmt, wird dieser Betrag bei der Bank so verbucht, wie wenn der schon zurückbezahlt ist, und als weiterer Kredit an den nächsten Kunden vergeben. Buchgeld das in realer Papierform nicht mal existiert, ohne Werteabsicherung. Oder Hypothekarschulden die als Finanzanlage-Pakete verkauft werden. Es gibt viele Beispiele aber das würde hier zu weit führen.

    Seit die Zentralbank der USA (FED) eine Privatbank ist (steht auf jedem Dollarschein) und in den Händen des Bankenkonsortiums ist, hat dieses die Macht und Politische Kontrolle übernommen. Die Politiker Weltweit, auch in der Schweiz sind nur noch Marionetten, die an den Fäden des Banken-Finanz-Systems zappeln, respektive von denen gesteuert werden. Korrumpierte Politiker welche ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen.

    Die Politiker und deren Buerger (Völker) die sie vertreten sollten, haben sich durch dieses vorgehen entmachten lassen. Seitdem regiert das Banken-Finanzsystem, welches nur ein Ziel hat die Gewinnmaximierung einer kleinen Gruppe, die immer reicher wird auf Kosten der Mehrheit. Schein-Gutmenschentum, Schein-Menschenrechte, Schein-Demokratie. Wer die Kontrolle über das Geld hat, regiert das Land oder sogar die ganze Welt.

    Es ist also nicht erstaunlich, dass wenn man aus dem „nichts” Geld machen kann, und sich notfalls noch vom Steuerzahler (Volk) retten lassen kann, die Bankster oberste Führungsebene ihren Größenwahn und Allmachtsphantasien erliegen und ausleben, in einem total Pervertierten Schulden-Zinsen-Finanzsystem. Geld aus dem nichts erschaffen und dafür dann noch Zinsen verlangen. Da kommt sich jeder der für sein Geld hart arbeitet ziemlich beschissen vor.

    Seit Abschaffung des Goldstandards (Rohstoffwerteabsicherung des Geldes) ist das Geldsystem ein Ponzi/Schneeballsystem welches in den Kollaps, Ruin führt. Sieht man Aktuell an den Tief und Negativ-Zinsen. Höhere Zinsen würden rasch zu Privaten und Staatlichen Insolvenzen führen. Hinzu kommt die Inflation Entwertung des Geldes. Inflation ist die größte versteckte Steuer, hat die Kaufkraft in den letzten Jahrzehnten soweit reduziert, das heute bei einer Familie mit 2 Kindern beide Elternteile arbeiten müssen, wo in den 70iger Jahren das Einzel-Einkommen des Vaters noch für eine Familie mit 5 Kindern gereicht hat.

    Für jeden US-Dollar welche die FED druckt, muss die Regierung dem Privaten Bankenkonsortium Zinsen zahlen, um diese Zinsen zahlen zu können muss die Regierung Schulden (Kredit) machen, dafür muss ein neuer Dollarschein von der FED gedruckt werden = Figgi-Mühli oder die Eierlegende-Woll-Milch-Sau.

    Da der US-Dollar Welt-Leitwährung ist, und sehr viele Länder Staatsanleihen der USA in unvorstellbar riesigen Summen in US-Dollar gekauft haben, würde der Zusammenbruch des US-Dollars das aktuelle Weltweite Finanz-System Länderübergreifend zusammenbrechen lassen.

    Die Politik Weltweit wären schon seit längerem gefordert das Böse Spiel der Bankster zu beenden. Aber die Politiker glänzen leider auch schon länger, mit Kompetenz-Losigkeit und Handlungs-Unfähigkeit. Oder Sie sind gekauft und korrumpiert.

    Speziell die Schweiz und ihr Bankenplatz. An erster Stelle CS und UBS ist ein guter Handlanger dieses Pervertierten Finanzsystems. Nebst vielen anderen Organisationen, die Sitz in der Schweiz haben wie Beispielsweise die WHO, welche neuerdings auch den Finanz- und Pharma-Multis undifferenziert hörig ist. Sicher spielt auch das WEF eine wichtige Rolle.

    Es wird also noch ganz spannend werden und hoffentlich friedlich bleiben. Da das Finanz-Ponzi-System so ziemlich am Ende ist, und man die aktuellen Geschehnisse in diesem Zusammenhang sehen muss. Great Reset dient vor allem dazu einen Übergang zu finden, um die Pfründe zu verteidigen und die Macht zu bewahren, ohne dabei Rücksicht auf die Mehrheiten zu nehmen, haben sie ja vorher schon nicht gemacht.

    Im Interesse der Mehrheit ist zu hoffen dass denn gierigen und machtbesessenen das nicht gelingt, und es zu einem wirklichen Great Reset kommt, wo Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit nicht nur Geschwurbel ist. Die Geschichtliche Vergangenheit sollte denen eine Warnung sein, die glauben sie könnten das Volk die ganze Zeit Betrügen, es gibt da rote Linien, und dann tut es weh. Wenn die Fakten nicht mehr beachtet werden kommt’s nicht gut.

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  2. Daniel Röthlisberger
    Daniel Röthlisberger says:

    Schweizerische Kreditanstalt und dann » Credit Suisse» . Namenswechsel. international ! aber drinnen immer noch der gleiche Murks. SKA hiess die Bude früher. also – ich denke – beim Fall SKA Chiasso» hat es eigentlich angefangen. Dann nur noch Skandale, Fehlkäufe usw.
    Mit neuem CS Namen gings dann flott vorwärts. Ohne Rücksicht auf Verluste. CS will wachsen, will die Nr.1 in der Schweiz und in der Welt werden. Eben, koste es was es wolle. Egal. WIR werden die Nr. 1 !! Punkt.
    Am Rande sei noch erwähnt: Aussage von Herr L. Mühlemann: er sei als Privatperson im Swissair Verwaltungsrat. daaaas habe gar nichts mit Credit Suisse zu tun. Er kenne Herr Bruggisser von früher, sie seien gute Freunde, privat ! es habe sich halt ergeben, dass sie «geschäftlich» miteinander zu tun hatten………

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  3. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Einen solchen Deal, dem Kauf einer überteuren Donaldson, Lufkin & Jenrette würde es heute kaum mehr geben. Es waren die damaligen Zeiten der Blauäugigkeit und der hirnlosen Zockerei.

    Auch im Pharmabereich ist man vorsichtiger geworden, mit dem Kauf von überteuren Biotech-Firmen. Die Novartis beispielsweise setzt ihren Erlös ihrer Roche-Aktien vorallem für den Aktienrückkauf ein.

    Ob Credit Suisse oder Novartis; Es ist ein Trugschluss, wenn man Wachstum bloss mit dem Einkauf anderer Buden erschaffen möchte. Hunger für Erfolg muss in der eigenen Bude beginnen. Gerade die Credit Suisse scheint seit jeher ein Manpower-Problem in der Velourteppich-Etage zu haben.

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  4. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    In den Späten 70 iger und frühen 80 iger Jahren wurden die Weichen falsch gestellt.
    Der Weg vom Breiten und Höhenwachstum‚ in die Nachhaltigkeit wurde verpasst.
    im Kapitalismus, ging damals die Balance zwischen Regeln und Freiheit verloren.
    Kapitalismus ohne ein rationales Mindestmass an Regeln, kann nicht nachhaltig funktionieren.
    Da der Kapitalismus grundsätzlich produktiver ist, überlebt er den Realsozialismus um Längen.
    Mit der Deregulierung nach dem Ende des Kalten Krieges begann die Selbszerstörung des Kapitalismus, der nachhaltig nur mit mass und sinnvollen Regeln, segensreiche Wirkung entfalten kann, eskortiert von ergänzenden Massnahmen und Anforderungen.
    Die Ökonomische Forschung und Lehre war zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nicht fähig auch NICHT wllens die Ursache Faulheit und Bequemlichkeit.
    Der Vater der Nationalökonomie Adam Smith, dreht sich längst in seiner letzten Ruhestätte.Sein Hauptwerk, der Wohlstand der Nationen, die wohl herausragendste STUDIE zum Thema, wurde ohne weiterentwicklung als Lehrbuch missbraucht.
    Das konnte und wird unvermeidlich NUR noch schief gehen, im Desaster enden.
    (Anmerkung: Für Interessierte, zum Original, oder zur Übersetzung von Horst Recktenwaid greifen, das übrige ist mehr oder weniger verfälscht.)
    Da gibt es abschliessend, in der DNA der Schweizer Wirtschaftsgrössen, zum Teil angerechert
    mit US DNA ein Zusatzkürzel namens HSG.😉😊😊😊

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  5. Slavika Bernhard
    Slavika Bernhard says:

    DLJ wurde 1989/1990 gekauft. Mühlemann, die grosse Pfeife, kam nach der CS Holding, also 1997!

    Der Artikel hat einige Mängel! Der Niedergang der SKA/CS fing 1997 an: Aus einer Firma mach vier und bring alle an die Börse!

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