Und täglich grüsst das Murmeltier

Grossartiger Film über eine Zeitschleife. Hollywood. Fiction. Wirklich wahr?

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Bill Murray wacht jeden Morgen um punkt sechs Uhr durch das Klingeln des Weckers auf. Routine. Für viele Menschen ist der Tagesablauf vorgegeben und eher gleichförmig. Nur: hier handelt es sich um den genau gleichen Tagesablauf. Am immer gleichen Tag. Das kann ganz schön nerven, und aus dieser Zeitschleife herauszukommen, ist dann gar nicht so einfach.

Aber weil’s ein Hollywoodfilm ist, gelingt’s, und das Happy End ist unausweichlich und das Murmeltier kann endlich weiterpennen.

Leider ist die Pandemie kein Hollywoodfilm, und ein Happy End ist auch noch nicht in Sicht. Aber das Gefühl, in einer Zeitschleife zu stecken, verstärkt sich unangenehm.

Die Zeitschleife als Medienkonferenz

Vor allem, wenn man die aktuelle Medienkonferenz des Bundesrats beobachtet. Immerhin, es bewegt sich was, sie findet nun tatsächlich auch an einem Montag statt. Nicht wie amtlich vorgeschrieben am Freitag.

Aber mit dieser Beweglichkeit hat’s sich dann auch schon. Denn was wird denn verkündet? «Wir befinden uns in einem Wettrennen gegen die Zeit.» – Der Bundesrat und die Gesundheitsdirektoren sind mit den Auswirkungen der neuen Massnahmen nicht zufrieden. Neuen Beschlüsse wurden nicht gefasst. Ein Entscheid wird möglicherweise erst am Freitag gefällt.

«Die Medienschaffenden hatten im Anschluss an eine Medienkonferenz die Gelegenheit, Original-Ton eines Bundesrats zu erhalten.» Wenn Kantone mit hohen Fallzahlen bis Dienstag keine neuen Massnahmen präsentieren, wird der Bundesrat dies für sie übernehmen.

«Entscheidend ist, dass die Ansteckungen zurückgehen.»

Kommen Ihnen diese Aussagen bekannt vor? Richtig, sie stammen von der Medienkonferenz des Bundesrats im Dezember. 2021 natürlich. Hops. Sehe gerade: sie stammen von der Medienkonferenz des Bundesrats vom Dezember. 2020 natürlich.

Eine Ratespiel für die ganze Familie

Welche Aussagen sind ein Jahr alt, welche einen Tag? Gute Frage, raten Sie doch mal. Ein Spiel für die ganze Familie, bestens geeignet, wenn sie dank Impfdurchbrüchen allesamt in Quarantäne steckt und die Wohnung nicht verlassen darf. Mit wenig Geschick können die Eltern ganze Sammlungen von solchen Aussagen im Internet googlen.

Es muss auch nicht der Dezember oder der Bundesrat sein. Auch Wissenschaftler, beispielsweise die Mitglieder der Task Force to the Bundesrat, eignen sich bestens für dieses Ratespiel. Man muss einfach darauf achten, dass verräterische Angaben wie «zweite, dritte, vierte Welle» nicht vorkommen, für den Ratefuchs ist’s dann zu leicht.

Damit keine schlechte Stimmung aufkommt, kann man sich auch auf optimistische Aussagen beschränken. So im Stil: «Wir haben die Talsohle durchschritten», «wir haben die Spitze der Ansteckungen gebrochen», «wir können langsam wieder zur Normalität zurückkehren». Aber da bitte fair bleiben; immer die «wenn nicht, unter der Voraussetzung, dass, falls alles weiterhin …» usw. nicht abschneiden.

Vielleicht noch ein pädagogisch wertvoller Ratschlag zum Schluss. Sollten die teilnehmenden Sprösslinge plötzlich auf die Idee kommen zu sagen: «Aber die erzählen doch seit zwei Jahren ungefähr immer das Gleiche», muss man solchen Überlegungen energisch entgegentreten, sonst verliert die nächste Generation noch die Ehrfurcht vor Regierenden und Forschenden.

Man kann zum Beispiel als Gegenbeweis anführen, dass diese Aussagen zwar auf der offiziellen Webseite des BAG standen, sich aber doch seit April 2020 einiges geändert hat:

«Folgende Hygienemassnahmen sind wichtig:

  • Beim Husten etwas vor den Mund halten, am besten ein Papiertaschentuch. 
  • Beim Niesen etwas vor Nase und Mund halten, am besten ein Papiertaschentuch. Wenn kein Taschentuch zur Hand ist: Die Hand vor Mund und Nase halten und anschliessend die Hände mit Wasser und Seife waschen oder den Arm vor Nase und Mund halten. 
  • Beim Schnäuzen nur Papiertaschentücher verwenden

Was? Also bitte, damals musste noch niemand nirgendwo eine Mundschutzmaske tragen. Im Gegenteil, das wurde damals als überflüssig, unnütz und völlig übertrieben abgetan. Da soll noch einer sagen, wir hätten nicht dazugelernt.

Nur: auch Bill Murray wird es immer mehr bewusst, wenn um sechs Uhr morgens wieder der Wecker klingelt, dass er irgendwie in einer Zeitschleife gefangen ist. Bei der Schweizer Bevölkerung, bei den Schweizer Medien fehlt dieses Bewusstsein ein wenig.

3 KOMMENTARE
  1. Ruedi Rudolf
    Ruedi Rudolf says:

    Auch ein Grossartiger Film aus dem Jahre 1965 ist:

    »Geheim-Agent Barrett greift ein»

    Ähnlichkeiten mit Personen und der Aktuellen Realität sind natürlich rein zufällig,
    ist doch alles nur Fiction.

    Film-Handlung:

    Nach einem Zwischenfall in einem Labor für bakterielle Kampfstoffe steht ein ermittelnder Geheimagent vor einem Rätsel. Seine erste Theorie ist, dass sich die fiesen Bakterien befreit, und zahlreiche Wissenschaftler getötet haben.

    Nun besteht die große Gefahr, dass ein noch fieserer Erreger sozusagen auf freiem Fuß ist, und in den falschen Händen die Menschheit vernichten könnte. Science-Fiction-Spionagefilm um die Menschheit bedrohende bakterielle Kampfstoffe, von John Sturges hervorragend inszeniert.

    Wer danach noch lustig sein möchte, schaut Agent 00, mit der Lizenz zum Totlachen (1996).

    https://streamkiste.tv/search/agent

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  2. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr says:

    Das Schlimmste ist, wenn man Menschen durch Einschüchterung und Schüren von Angst zu beeinflussen versucht. Nach einer Erklärung der Risiken und wie man sie vermeiden kann, hätte die Ansage lauten müssen: Haben Sie keine Angst, die Regierung tut alles damit jeder, ob reich oder arm, im Krankheitsfall die die nötige Behandlung bekommt.

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  3. Bruno
    Bruno says:

    Man könnte es schon fast als Komödie abtun, aber leider steht viel mehr auf dem Spiel. Und die Mainstream-Medien spielen ihre schändliche Rolle munter weiter.
    Kommentar NZZ am Samstag: wir hätten schon die ganze Bevölkerung (dh inkl. Kinder) nicht nur geimpft, sondern auch geboostert haben sollen. Und zwar schon nach 5 Monaten.
    Oder watson: am Freitag fand sich die ganze Redaktion zum Weihnachtsessen ein. Natürlich unter 2G+ (dh geimpft oder genesen, und alle noch frisch getestet). An Dummheit nicht zu übertreffen und man schreibt darüber als würde das auf irgendeine Art und Weise Sinn machen.
    Immerhin haben wir noch zackbum

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