Grenzgängerisch

Die Plattform #netzcourage bekommt keine Steuergelder mehr vom Bundesamt.

Als im Nationalrat der Antrag eines SVP-Politikers abgeschmettert wurde, dem Verein «Netzcourage» knapp 200’000 Franken staatliche Unterstützung zu streichen, jubilierte Jolanda Spiess-Hegglin samt Fanclub noch.

Allerdings hatte sie vorher schon geklagt, dass die Überweisungstranchen nur zögerlich eintrudelten und damit die weitere Tätigkeit gefährdet sei.

Nun hat aber «20 Minuten» unter Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz eine Verfügung des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung (EBG) einsehen können. ZACKBUM nimmt zur Kenntnis, dass eine gleichlautende Anfrage von uns nicht beantwortet wurde.

War absehbar: Keine Steuergelder mehr vom Bund.

Aber kein Grund, beleidigte Leberwurst zu spielen, denn in der Verfügung steht, dass nur noch eine letzte Tranche von Fr. 25’337.- Ende Dezember überwiesen werde. Damit belaufen sich die Gesamtausgaben an Steuergeldern auf rund 75’000 Franken. Eingespart werden also rund 120’000.-.

«20 Minuten» zitiert die beiden entscheidenden Passagen der Begründung:

«Die Aussagen der Projektträgerschaft lassen nicht den Schluss zu, dass das Projekt in effizienter Weise geführt und entsprechend der Vorgaben des Subventionsgesetzes (…) umgesetzt wird».

Ein Kinnhaken, dem folgt ein zweiter: «Das EBG wird seit Beginn der Finanzierung, wenn überhaupt, erst nachträglich und meistens nur auf Anfrage hin über wesentliche Änderungen informiert.»

Auch ZACKBUM hat mehrfach über die undurchsichtigen Finanzflüsse innerhalb des kleinen Imperiums berichtet, das sich Spiess-Hegglin aufgebaut hat. Und auf den Widerspruch hingewiesen, dass die Kämpferin gegen Hassrede und Diskriminierung im Internet selbst gnadenlose Hassreden führt und über ihre Kritiker mit aufgemalten Hitler-Schnäuzen, der Ernennung zum «Arschloch des Monats» oder mit launigen Bemerkungen über deren Alter herzieht.

Wieso traten die Co-Präsidentinnen Knall auf Fall zurück?

Auch ein Like für eine sogenannte Karikatur, in der eine Kritikerin im Stil der Französischen Revolution geköpft wurde, sorgte für Aufmerksamkeit. Zum grossen Knall kam es, als die beiden Co-Präsidentinnen des Vereins zunächst noch den Jahresbericht mit lobendenen Worten unterzeichneten und auch weitere Massnahmen wie ein Kommunikationskonzept vorstellten. Um wenige Tage später Knall auf Fall zurückzutreten.

Welche plötzlich aufgetauchten «strategischen Differenzen» Tamara Funiciello (SP) und Greta Gysin (Grüne) dazu bewogen hatten, mochte niemand der Beteiligten erklären. Auch daran stiess sich das EGB: es bleibe unklar,  «wie die strategischen Differenzen, die zum sofortigen Rücktritt des Co-Präsidiums führten, sich konkret auf das vom EBG unterstützte Projekts auswirken».

Für einmal schmallippig: Tweet von Spiess-Hegglin.

Im Gegensatz zu Spiess-Hegglin und ihrem eingeschworenen Fanclub, angeführt vom Multiversager Hansi Voigt, ist uns Häme völlig fremd. Es ist die Tragik zu konstatieren, dass sich Spiess-Hegglin mit ihrer konfliktiven, ruppigen und hasserfüllten Art selbst im Weg steht und einer durchaus begrüssenswerten und nötigen Sache – Kampf gegen Hass im Internet – einen Bärendienst erwiesen hat.

Sich kritisch hinterfragen ist anders …

Das man nicht Zehntausende von Spendenfranken einnehmen kann, diverse staatliche Unterstützungsgelder einsacken, ohne eine transparente und nachvollziehbare Buchhaltung zu führen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dass man sich selbst einer gesitteten Sprache in einer solchen Position befleissigen sollte, ebenfalls.

Statt diese ganzen Ungereimheiten hier nochmals aufzuführen, liefern wir den Artikel nach, der am 14. Oktober in der «Weltwoche» erschien und von Vereinsseite mit eisigem Schweigen beantwortet wurde.

4 Kommentare
  1. Vergissmeinnicht
    Vergissmeinnicht sagte:

    Spotlight gegen das Vergessen!

    Und postwendend erfolgt einen anmassenden Shitstorm, der von Undankbarkeit trieft, gegen BR Berset und die Fedpol. Laut dem Subventionsgesetz, müsste der Verein die bezogenen Steuergelder, eigentlich wieder zurück bezahlen.

    Antwort an
    @paulbieri1
    @alain_berset
    und 3 weitere Personen
    Ich weiss es nicht. Sowas erschüttert mich einfach im Kern. Wir haben so viel gearbeitet für ihn als Mensch, weil wir davon überzeugt sind, dass wir alle unterstützen müssen. Auch Bundesräte. DASS DIES WICHTIGER WAR ALS EIN VERFLUCHTER FEHLENDER ZEITPLAN. Ich bin wütend.

    Du,
    @IKSapereAude
    , etwas noch: mach mal Pause mit dem Scannen der Dark Social-Kanäle bezüglich Morddrohungen gegen
    @alain_berset
    . Find ich zwar fragwürdig, aber wir müssen unsere Prioritäten bekanntlich anders setzen. Das
    @fedpolCH
    kann sich ja anders organisieren.
    @PeterLauener

    _____________________________________________________________________________

    PS: @Bundesrat und Fedpol, Sie dürfen sich gerne hilfesuchend, an den Vorstand vom Verein VGMN wenden, wir arbeiten ehrenamtlich und beziehen keine Subventionen.

    https://vergiss-meinnicht.org/zielsetzung-und-zweck/

    Antworten
  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli sagte:

    Auf der Welle des Zeitgeistes gelangen Spiess-Hegglin einige spektakuläre Siege. So konnte das angekündigte Enthüllungsbuch von Michèle Binswanger durch fragwürdige juristische Kniffe bis heute nicht erscheinen. Zusammen mit einer Jolanda wie eine Göttin verehrenden Community hat Spiess-Hegglin nicht nur ihre Bodenhaftung, sondern auch den respektvollen Umgang mit Andersdenkenden verloren. Dies ausgerechnet als Person, die gegen Hass zu kämpfen vorgibt. Mehr Unglaubwürdigkeit geht nicht. Tamara Funiciello wurde an Bord geholt, um an die Honigtöpfe des Bundes zu kommen, was auch gelang. Nur die Ignoranz gegenüber dem Gleichstellungsbüro in Bern verhindert nun die weiteren Zahlungen. Damit hat sich Spiess-Hegglin selber ein Bein gestellt. Wie die Ereignisse gezeigt haben, vermochte Spiess-Hegglin weitere dominante Frauen neben sich im Verein nicht auszuhalten. Schon bald hat es geknallt. Es hat schon eine Tragik, wie sich diese in der persönlichen Begegnung sympathische Frau laufend selber demontiert.

    Antworten

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