Scheingefechte und Nebelvorhänge

Restaurants schliessen – oder doch besser Intensivstationen?

«Noch nie waren die Fallzahlen in der Schweiz so hoch», warnt der «Tages-Anzeiger». Zu allem Ungemach gibt es nun noch «Alarm im Hühnerstall». Nein, die Verrichtungsboxen im Newsroom sind damit nicht gemeint.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Zwischen Alarm und beruhigenden Geräuschen greift man in den Medien zunehmend in den Stehsatz. Interviewt die ewig gleichen Corona-Koryphäen. Langweilt aller Orten. Dabei gäbe es schon ein Thema, das die Frontseiten beherrschen müsste, online überall zuoberst stehen:

Wieso könnte es ein Problem mit genügend Plätzen auf Intensivstationen geben?

Die Nerven sind angespannt. So ranzt ein Chefarzt des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG): «Das ganze Theater fängt wieder an und wird in den nächsten Wochen noch schlimmer.»

Man kann Nebelpetarden zünden und Scheindebatten führen, um von einem gravierenden Versagen abzulenken. Diese potenzielle Katastrophe verursachen nicht die Impfmuffel.

Es ist vielfach erwiesen und braucht keine Diskussion mehr, dass die Durchimpfung einer Bevölkerung in keiner direkten Relation zur Anzahl Infizierter steht, die medizinische Versorgung brauchen. Abgesehen davon, dass selbst eine deutliche Steigerung der Anzahl Geimpfter an der aktuellen Situation nichts ändern würde.

Der Anteil an Covid-19-Patienten auf den IS beträgt 26,9 Prozent schweizweit. Immer nach den aktuellsten Zahlen des BAG.

Wo das wahre Problem liegt

Ende April 2020 verfügte der Kanton Zürich über 410 Betten auf Intensivstationen (IS). Am 1. Dezember 2020 waren 217. Am 1. Dezember 2021 noch 183. Schweizweit nahm die Bettenzahl in einem Jahr von 1112 auf 883 ab.

Wie das? Wedeln wir den Rauchvorhang von zertifizierten und nicht zertifizierten Betten auch beiseite. Denn die bittere Wahrheit ist: es könnten problemlos 100, sogar 500 weitere Betten bereitgestellt werden. So wie das um Ostern 2020 bereits geschah. Die wären dann halt nicht zertifiziert, also nicht vollständig dem Schweizer Perfektionswahn unterworfen. Aber allen Ansprüchen eines Platzes mit Intensivpflege würden sie genügen.

Also Entwarnung? Nein. Im Gegenteil. Zurzeit hat es nur genügend Personal, um vielleicht maximal 800 Betten zu betreuen, schätzt der Leiter der Intensivstation des Unispitals Basel. Das bedeutet: nicht einmal alle vorhandenen und zertifizierten Betten können verwendet werden. Tendenz abnehmend.

So sagte auch der alptraumgeplagte Chef der Intensivstation des Inselspitals in Bern, dass er von seinen 36 zertifizierten Betten lediglich «28 betreiben» könne, «nächsten Monat noch 26».

Warum? Ganz einfach: es herrscht Pflegenotstand in der Schweiz. Es fehlen aktuell 12’000 Fachkräfte. Bis 2029 steigt der Bedarf an diplomierten Pflegefachleuten auf 43’400, ausgebildet werden 28’900.

Es werden Zahlen von bis zu 65’000 fehlenden Pflegekräften herumgeboten. Unbestreitbar ist: das ist ein gravierendes Problem. Unbestreitbar ist: das Problem existiert schon seit Jahren. Unbestreitbar ist: das Problem akzentuierte und verschärfte sich mit dem Ausbruch der Pandemie – vor fast zwei Jahren.

Unbestreitbar ist: ausser wohlfeilen Ankündigungen, Forderungen, markigen Behauptungen haben die Verantwortlichen für das Gesundheitssystem genau nichts unternommen. Es regiert der Konjunktiv «man sollte, man müsste, es wäre dringend geboten, es darf doch nicht sein, Blabla».

An Zynismus schwer zu überbieten

Der unermüdliche Einsatz der Pflegekräfte wurde wortreich gelobt, ihnen wurde mündlich unablässig auf die Schultern geklopft; die Bevölkerung entblödete sich zur Erbitterung der Pflegefachleute nicht, sich auf den Balkon zu stellen und zu klatschen.

Das war an Zynismus schwer zu überbieten, obwohl sich alle Klatscher unglaublich gut und solidarisch fühlten. Aber attraktive Entlöhnung, Notfallmassnahmen zum Aufstocken der Personaldecke, rigoroser Abbau von Bürokratie? Nichts, nichts und nichts.

Im Gegensatz zum Ausbruch der Pandemie war das alles vorhersehbar. Tanzte den Verantwortlichen auf der Nase herum. Aber mehr als ein Niessen löste es nicht aus.

Stattdessen wirkt die aktuelle Debatte um Impfzwang oder nicht so, als ob man ein brennendes Haus löschen müsste. Aber es fehlt an Feuerwehrleuten, und die Einsatzleiter diskutieren lieber über die Wasserqualität, die richtige Löschtemperatur, welche Farbe die Schläuche haben müssen und welcher Wasserdruck wohl der richtige sei.

Schrumpfung wegen Unfähigkeit

Wegen erwiesener Unfähigkeit schrumpfen die Intensivstationen in der Schweiz. Statt darüber zu debattieren, werden wieder Scheingefechte geführt, ob und ab wann Gaststätten und Vergnügungslokale geschlossen werden. Obwohl das niemals Brutstätten der massenhaften Ansteckung waren. Aber es ist halt ein sichtbares: wir tun was. Nur nicht das Richtige.

Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei: es ist Staatsversagen. Es ist Regierungsversagen. Es ist Beamtenversagen. Es ist das Versagen aller verantwortlichen Manager im Gesundheitssystem.

Es ist ein Versagen der Medien, die ausgiebig Nebenschauplätze bewirtschaften und kaum ein Wort über einen veritablen Skandal verlieren.

Und es ist letztlich ein Versagen des Staatsbürgers, der sich lieber die Sicht vernebeln lässt, mal in die Hände klatscht, als den verantwortlichen den Marsch zu blasen.

 

 

 

10 KOMMENTARE
  1. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr says:

    Ich glaube Ihnen das was Sie hier schreiben. Aber es erklärt nicht warum es so ist. Der Grund schlummert in einem uralten Problem das die Männer betrifft. Es bewirkt bis heute, dass Frauen weniger wert sind und schlechter bezahlt werden.
    Denn das Gesundheitspersonal auszubilden, gute Löhne zu bezahlen und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen käme mehrheitlich Frauen zugute. Das Ego der meisten Männer sträubt sich aber gegen Investitionen in Frauen – leider. Wie Männer die Frauen behandeln spiegelt auch die Entwicklung einer Zivilisation. Auch wir haben noch Luft nach oben, nicht nur indische und muslimische Länder. Dieses Problem der Männer geht zurück bis Adam und Eva. Als unsere Urahnen uns erschaffen haben, hat Adam die erste Eva abgelehnt, weil sie einen eigenen Genpool hatte. Sie wäre also gleichberechtigt gewesen. So wurde sie halt aus der «Rippe» des Adam kreiert wie es so schön geschrieben steht. Jetzt war Adam der «Chef» und das Unheil nahm seinen Lauf.
    Würde all das Geld, das zum Fenster hinausgeschmissen wurde und wird in die Frauen investiert, kämen wir locker ohne Massnahmen durch diese Pandemie.

    Antworten
  2. Daniel Röthlisberger
    Daniel Röthlisberger says:

    Danke Herr Zeyer ! knallhart geschrieben aber ist die Realität.

    Schlimm , die Politiker zuständig für Gesundheitswesen; da wird gespart, koste es was es wolle.
    Spitäler schliessen weil der Gewinn nicht mehr so toll ist. Patienten müssen dann halt mit öV ! ins nächste Spital. und bitte im öV dann bitte Mindestabstand einhalten und Mundschutz und und.

    Alles dicht machen und dann jammert das BAG dass nicht mehr genügend Betten zur Verfügung stehen.

    Man hat gespart ! Punkt. aber die Kosten im Gesundheitswesen steigen noch viel mehr als vorher.

    Kenne auch Leute im Gesundheitswesen. die arbeiten Ueberzeit. völlig ausgebrannt und am Limit, aber gehen zur Arbeit weil sie solidarisch sind und ihre Kollegen/Kolleginnen nicht im Stich lassen wollen. Sonst haut es die auch noch um, und die im Spital müssen dann noch mehr arbeiten.

    Bin auch der Meinung, das Klatschen war eher zynisch. Gut gemeint aber ging völlig in die Hosen.

    Bessere Arbeitsbedingungen: mehr Freizeit und vorallem mehr Lohn. Das verdienen alle diese Personen im Gesundheitswesen. Und mehr Anstand von der Politik !

    Antworten
  3. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    René Zeyer hat einen sehr zutreffenden Kommentar geschrieben. Die Hetze der „Experten“ und der kläffenden Journaille gegen die Nichtgeimpften ist reine Sündenböcke-Politik. Der Frust über die Mängel des Impfstoffes wird auf die Impfunwilligen gerichtet. Vergessen wir nicht, dass Verena Diener die vielgelobte grüne Politikerin, im Kanton Zürich von Dielsdorf bis Rüti zahlreiche Spitäler geschlossen hat. Diese Spitäler und das entlassene Personal fehlen uns heute.

    Antworten
    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Diener hat nur ausgeführt was bürgerliche Kreise wollten. Abbauen, privatisieren. Der Abbau hat geklappt, das privatisieren nicht ganz. Hirsalnden hat dank FDP RR Heiniger und SVP RR Rickli einen guten Weg gefunden um an Steuergelder zu kommen ohne die dafür gesetzten Bedingungen zu erfüllen.

      Antworten
    • Noah Fetter
      Noah Fetter says:

      Auch andere Kantone haben Spitäler geschlossen. Deren Gesundheitsminister überlebten jedoch die Neuwahlen nicht – im Gegensatz dazu Verena Diener. Sie war wegen der Schliessungen übel beschimpft und bedroht worden, und wurde dennoch glänzend wiedergewählt.
      Die (zu)vielen Zürcher Spitäler konkurrenzierten einander, was aber die Preise nicht senkte, sondern mittels unnötiger Behandlungen erhöhte. Die Spitäler waren (und sind es leider immer noch) der klassichen unternehmerischen Führung unterworfen, mussten also rentabel werden coute que coute.
      Nach den Schliessungen der schwach ausgelasteten Spitäler im Kanton Zürich sank insgesamt die Bettenzahl zwar, doch viele der stillgelegten Betten wurden in den zentraler gelegenen Kliniken neu betrieben. Auch das Personal wurde anderenorts übernommen; ein Teil davon sicher auch von den Privatkliniken.
      Alles in allem sind die Spitalschliessungen in Zürich ein Erfolgsmodell, weil die Gesundheitsversorgung vollkommen gewährt ist und die Kosten leicht gesenkt werden konnten.
      Das aktuell wirklich verheerende Problem ist das fehlende Personal. Dafür kann aber das klatschende Publikum auf den Balkonen nichts. Schuldig am Personalmangel ist die Politik. Und das müssten die Medien brandmarken und mit Fakten belegen. Mit Fakten, nicht mit Gekreische.

      Antworten
  4. Alois Fischer
    Alois Fischer says:

    Deutlicher und ehrlicher habe ich das bisher nirgends gelesen. Sicher wurde auch das schon gemacht – wer aber unterdrückt die mediale Verbreitung? Wer hat ein Interesse daran, die nebelvorhänge geschlossen zu halten?
    Wann wehren wir uns gegen diese Bevormundung und den Zwang, dafür auch noch ungeheure Summen zu bezahlen? Sind wir wirklich so dumm, wie es anscheinend immer wieder zu beweisen war?
    Sündenböcke werden durchs Dorf gejagt und heuchlerische Pharisäer weibeln im Namen der berufspolitischen Moralisten und Ideologen ungehindert gegen unsere Verfassung und deren Rechte für uns alle – kein Protest der selbsternannten politischen Elite, sogar in der SVP sind solche geifernde Diskriminierer und Verfechter einer rigorosen Zweiklassengesellschaft zu finden.
    Das Vokabular ist bekannt und faschistisch belastet, aber es scheint niemand zu merken (merken zu wollen?) wes Geistes Kind diese pseudoreligiösen Gutmenschen und Weltenretter im Namen der Panik und des Eigennutzes agieren. Armseelig, fantasielos und leider auch strohdumm.
    Eine Schande für ein grundsätzlich immer noch mehrheitlich christliches und liberales Land wie die Schweiz.

    Antworten
    • Victor Brunner
      Victor Brunner says:

      Gut haben wir noch 38% der Stimmenden die nicht versagt haben, die genau wussten wo es lang geht, die noch intelligenter waren als Wissenschafter, die gegen Ermächtigungsgesetze, Diktatur, Bevormundung und Unterdrückung gekämpft haben, die genau wussten dass Leute die sich impfen liessen dumm, staatsgläubig sind und das Verhalten von Lemmingen haben. Danke den aufrechten und kompetenten Kritikern die aufzeigen dass alle Behörden mit Volltrotteln besetzt sind und nichts verstehen.

      Danke allen die sich nicht impfen lassen wollen, sie sind Teil meiner Freiheit, ich muss nicht annehmen das sie im guten Restaurant, in kulturellen Veranstaltungen neben mir sitzen und ich die Stunden ausserhalb des Hauses geniessen kann, nicht das Jammern der Impfgegner oder der äusserst kompetenten und fehlerlosen Kritiker hören oder lesen muss!

      Ich akzeptiere das «Staatsversagen», das mehr Unheil verhütet als geschaffen hat!

      Antworten
      • René Küng
        René Küng says:

        Rückwärtsschwimmer oder Ersaufender?
        Mitdenken ist erlaubt bei zackbum Herr Brunner und keine Sorge,
        Sie dürfen auch mit uns noch ins gute Restaurant und kulturelle Veranstaltungen.
        Bleiben und werden Sie gesund.
        Und überleben Sie auch weiteres Unheil, das da jederzeit kommen könnte. Sie wissen schon, Gallier, der Himmel…..

        Danke Herr Zeyer, ein zackBlitz aus ebendiesem Himmel der noch nicht runtergefallen ist auf uns und alle Mutanten.

        Antworten
      • Alois Fischer
        Alois Fischer says:

        Glauben Sie im Ernst, was Sie hier plaudern? Glauben Sie immer noch, dass ein Zertifikat verhindert, dass Sie selber infiziert werden und diese Infektion rasend schnell und effektiv weiterverbreiten? Oder glauben Sie wirklich, dass Ungeimpfte per se infiziert sind und Sie als Geimpften und Zertifizierten «angreifen», also infizieren können?
        So dumm schätze nicht einmal ich Sie ein – oder sollte ich?

        Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Möchten Sie an der Debatte teilnehmen?
Ihre Meinung interessiert. Beachten Sie die Kleiderordnung dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.