Füttert die Armen!

Eine klare Ansage. Und besser als das Verteilen des Geldes fremder Leut.

Zu den Lieblingsbeschäftigungen aller guten Menschen, die unermüdlich Solidarität einfordern, gegen Diskriminierung ankämpfen, für eine offene Gesellschaft, für Willkommenskultur eintreten, ist das Verteilen von Geld. Nicht vom eigenen, versteht sich.

Entweder mit dem allgemeinen Ansatz: das kann sich doch eine reiche Schweiz leisten. Oder mit dem Ansatz: nur Unmenschen können da zuschauen. Interessant ist dabei, dass es eigentlich immer um das Verteilen von fremdem Geld geht. Sehr, sehr selten um einen eigenen Beitrag.

Denn das persönliche Beispiel, das sollen doch gefälligst andere geben. Am liebsten wird dabei eine Gruppe ins Visier genommen, deren Sozialprestige sowieso nicht sonderlich hoch ist: die Reichen. Entweder die Reichen ganz allgemein oder die furchtbar Reichen.

Wobei unterstellt wird, im erweiterten Sinne des alten Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon: «Eigentum ist Diebstahl». Denn kann grosser Reichtum anders als unrechtmässig, zumindest unmoralisch, sicherlich nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Ausbeutung anderer erworben worden sein?

Kann es angehen, dass Leute wie Bill Gates oder Carlos Slim oder gar Warren Buffett jeden Morgen wie Dagobert Duck ein belebendes Bad in ihrem bis an den Rand gefüllten Geldspeicher nehmen, während es so viel Armut, Elend, Hunger, Tod auf der Welt gibt?

Grosse Probleme brauchen grosse Lösungen. Wer solche Forderungen aufstellt, fühlt sich ganz gut dabei:

Allerdings ist das an Dummheit nicht zu überbieten. Also alle Profiteure einer Börsenhausse, vielleicht auch die Pensionskasse des Verfassers, sollen rechtmässig erworbene Gewinne spenden? Wunderbar, und wofür genau?

«Für die Bewältigung der aktuellen Krise».

Wunderbar, welche genau? Die Pandemie-Krise? Die Wirtschaftskrise? Die Denkkrise? Die Klimakrise? Die Regierungskrise? Es gibt leider so viele aktuelle Krisen, dazu noch im In- und Ausland, da darf man doch mal nachfragen. Nehmen wir an, die 115 Milliarden sollen in der Schweiz verpulvert werden. Wie genau soll damit was «bewältigt» werden?

Wäre das nicht unsolidarisch gegenüber den viel grösseren Krisen auf der Welt? Hätten es afrikanische Staaten nicht viel nötiger als wir hier in der Luxus-Schweiz? So viele Fragen, so keine Antworten.

Sollten wir dann für Börsenverluste spenden?

Es ist davon auszugehen, dass der Verfasser dieses Handzettels selbst nicht an der Börse aktiv ist. Auch nicht für eine Firma arbeitet, deren Aktien dort gehandelt werden. Auch keinen kennt, der das tut. Es auch seiner Bank strikt verboten hat, da mitzuspielen.

Um die Dumpfbackigkeit dieses Unsinns deutlich zu illustrieren: wie wäre es denn im umgekehrten Fall? Wenn 115 Milliarden an der Börse oder sonstwie verlorengingen? Müssten wir dann solidarisch diesen Betrag spenden? Um die dadurch ausgelöste Krise bei den Investoren, bei den Reichen zu bewältigen?

Schliesslich, wenn die Frage gestattet ist: welchen Beitrag leistet denn der Autor dieser Forderung zur Bewältigung der aktuellen Krise, was immer die auch sein mag? Als Dichter, Künstler und Performance-Poet, als Rapper kann er sicherlich sein Scherflein beitragen.

Auch wenn das nur aus wohlfeilen Ratschlägen an andere besteht. Auch wenn er nur Geld verteilen möchte, das ihm nicht gehört. Auch wenn er nur die Welt so simpel machen will, dass er sie versteht. Auch wenn dadurch alles unverständlich wird.

4 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Tiere werden gefüttert und warum Armen nicht helfen? Fakt ist, immer mehr Leute arbeiten Vollzeit in notwendigen Tätigkeiten und kommen knapp über die Runden oder müssen auf das Sozialamt. Die Schere geht immer weiter auf. Dafür werden Clans wie Ringier, Coninx und andere mithilfe der Linken gefüttert. Warum darüber nicht Gedanken machen? Besser als einen Zustand der Brennstoff birgt negieren!

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  2. Didier Venzago
    Didier Venzago says:

    Fakt bleibt, dass ein paar ganz wenige eben gerade auch in Krisenzeiten immer reicher werden enorm viel Platz beanspruchen und dafür proportional verschwindend wenig Steuern zahlen. Fakt ist auch dass immer mehr dieser Reichen sich in neugeschaffenen Luxus-Enklaven in der Schweiz niederlassen. Stichwort Zug, Goldküste, Andermatt, Bürgenstock, Yachthafen Urnersee, Gated Communites Bodensee, Cologny, Lavaux, St. Moritz, Oberengadin etc. etc. Während man dem Pöbel der irrtümlich immer noch glaubt das sagen in diesem Land zu haben in verdichten Agglogemeinden zentriert. Dazu Steuerbehörden die diesen Superreichen mit Augenzudrücken, Durchwinken und Pauschalbesteuerung dabei helfen noch mehr Geld zusammenzuraffen während die gleiche Steuerbehörde beim kleinen braven Schweizer Bünzli pingelig den Arbeitsweg nachrechnet um zu verhindern das jemand ein paar Fränkli zuviel von seiner Steuerrechnung abzwacken kann.

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    • Prisca Wellauer
      Prisca Wellauer says:

      Diese paar hundert Reichen sind nicht für die kommende 10-Mio.-plus-Schweiz und die entsprechende Verdichtung im Mittelland (darum geht es, nicht um Randregionen wie Andermatt, Engadin etc.) verantwortlich. Und Sie täuschen sich, wenn Sie glauben, die Superreichen kämen schlank durch bei den Steuern. Deren Kinder besuchen i.d.R. Privatschulen. Allein die Volksschule ist aber ein teurer Posten in der Gemeinde: Ein einziges Kind kostet dort mind. 12’000 Fr. pro Jahr. Die wenigsten «Bünzlis» bezahlen so viel an Steuern und somit auch fast keine Bundessteuern, keine Vermögenssteuern etc. Und trotzdem ist Geld da – komisch, oder?

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      • Didier Venzago
        Didier Venzago says:

        Es sind nicht nur ein „paar hundert Reiche“ die sich dank Billig-Steuertarifen in der Schweiz breitmachen und die schönsten Plätze den normalen Bünzlis via hohen Preisen, überteuerten Grundstückskosten,und Privatstrassen vorenthalten. Es sind tausende und es werden dank Billigsteuern und willfährigen Behörden immer mehr. Penthaus oder Villa mit Seeanstoss, Kinder in der Privatschule und das Geld sicher via Stiftung in Panama, Liechtestein oder Cayman Island vor dem sowieso desinteressierten Fiskus geparkt. Würden die Reichen faire Steuern zahlen wie der Rest der Bevölkerung könnten wir uns auch locker 24‘000 pro Schulkind leisten.

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