Jean-Martin Büttner: grosses Kino

Selten genug, aber hier schreibt einer mit kalter Wut und Humor gegen die Woke-Unkultur.

Schon der Begriff ist typisch. «Woke» ist eine falsche Version von «woken», erwacht. Damit wird eine Geisteshaltung bezeichnet, die ein «waches» Bewusstsein für Rassismus oder soziale Ungerechtigkeiten ausdrückt.

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Selten aus eigener Betroffenheit, meistens ist es Leiden an geliehenem oder geklautem Leiden. So wie in der Schweiz privilegierte Kids das Haupt senken und voll betroffen «black lives matter» grölen, weil es megakrass ist, wie in den USA mit den Schwarzen umgesprungen wird.

Zur Geisteshaltung «woke» gehört auch die Vergewaltigung der Sprache mit Gendersternchen, Binnen-I und anderen Folterinstrumenten. Oder die Abscheu vor Mohren in jeder Form. Aber vor allem gehört dazu ein inquisitorischer Fanatismus und eine abgrundtiefe Humorlosigkeit.

Die fünf gnadenlosen Komiker von «Monty Python».

Beste Voraussetzungen, damit Terry Gilliam in ihr Fadenkreuz gerät. Der Gründervater der absurden Komikertruppe «Monty Python» ist bis heute auf der Suche nach entlarvender Geschmacklosigkeit. Ausser vielleicht «Spitting Image» hat keine andere Satiresendung dermassen konsequent an allen Tabus gerüttelt wie «Monty Python’s Flying Circus». Humor, wie er nur in England möglich ist – und wie er heutzutage schmerzlich fehlt.

«Der grossartigste Stand-up-Comedian der Gegenwart»

Aber Gilliam gibt sich weiterhin Mühe und lobte kürzlich Dave Chappelles Show «The Closer»: «Für mich ist er der grossartigste Stand-up-Comedian der Gegenwart», meinte Gilliam über den Afroamerikaner, der ebenfalls alle Grenzen lustvoll überschreitet. Schon im Netflix-Trailer zur Show arbeitet Chappelle kunstvoll einen absurden Gag mit Morgan Freeman heraus, der offensichtlich auch über gesunden Humor verfügt.

Denn erst, wenn’s weh tut, ist’s echte Satire. Jean-Martin Büttner zitiert im «Tages-Anzeiger» zwei Beispiele: «Chappelle ist der Albtraum der LGBTQ-Gemeinschaft. Denn er sagt Sachen wie: «In diesem Land kannst du einen Schwarzen erschiessen, aber verletze ja nicht die Gefühle von Homosexuellen.» Oder: «Wenn die Sklaven damals Hotpants getragen und sich mit Babyöl eingerieben hätten, wären wir hundert Jahre früher frei gewesen.»»

Das brachte auch «Netflix» an die Grenzen, aber bislang liess der Streamingdienst die Show im Angebot – trotz Aufschrei der Getroffenen. In London hingegen wurde ein Theaterstück abgesetzt, bei dem Gilliam der Co-Regisseur war.

Das veranlasst Büttner zu einem Mutanfall, der ausdrückliches Lob verdient:

«In einer Zeit, in der die vor Wut und Sensibilität zitternde Woke-Generation die Humorlosigkeit zur einzigen vertretbaren Haltung erklärt, darf einer wie Terry Gilliam nur verteufelt und verbannt werden.»

Schon im Python-Film «The Life of Brian» brachte es Gilliam mit seinen Kampfgefährten fertig, so ziemlich alle Religionen gleichzeitig zu beleidigen. Ein Film, der heute, in unseren freieren und aufgeklärten Zeiten, weder gedreht noch gezeigt werden könnte, ohne zu riskieren, dass fundamentalistische Fanatiker gewalttätig werden.

Religiöse und geistige Fanatiker

Mindestens so schlimm sind aber die modernen Nachfahren der Spanischen Inquisition. Büttner nimmt einen Sketch von «Monty Python», um die Linie von den finsteren Zeiten damals zu heute zu ziehen:

«Dass jetzt der Meinungsterror von links alles Lustige verbietet, kommt einem wie die Fortsetzung dieser inquisitorischen Mentalität vor. Dabei bleibt ein Problem ungelöst: dass es niemals eine politisch korrekte Komik geben wird, weil die sich nämlich mit Geiz, Grössenwahn, Dummheit, Gier und Idiotie beschäftigt. Eine korrekte Komödie funktioniert so gut wie ein Impotenter in einem Harem. «Zeige mir eine Satire auf Franz von Assisi», sagte der Pythonist John Cleese einmal, «und ich zeige dir einen leeren Kinosaal.»»

ZACKBUM verneigt sich vor einer solchen Sternstunde der Denke an einem Ort, wo man ansonsten intelligente Schreibe wie Wasser in der Wüste suchen muss. Leider ist absehbar: damit handelt sich Büttner gewaltig Ärger ein. Denn auch Schweizer Woke-Aktivisten sind so gnaden- und humorlos wie ihre angelsächsischen Vorbilder.

Ihnen wird sonst kritiklos eine Plattform auf Tamedia geboten, wenn zum Beispiel der grausam unfähige «Kulturredaktor» Andreas Tobler einem solchen Hetzer gefügig Stichworte in einem «Interview» liefert. Dagegen wirkt Büttner wie ein Schluck klares und kühles Wasser in solcher Wüste. Aber wir fürchten um sein Schicksal. Nein, nicht das von Tobler. Einen solchen Lohnschreiber kann jede Redaktionsleitung gebrauchen.

Selbst Katzentexte übernimmt Tamedia von der «Süddeutschen». Den hier aber nicht.

3 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Spätes, sehr spätes Aufwachen von Büttner. Als Advokat der Linken, noch fest beim «Tages-Anlüger» angestellt, engagierte er sich mit Freude und Tatkraft, diese strunzdumme, egozentrische Bewegung aufzubauen, zu etablieren und mächtig zu machen. Noch heute diskreditiert Büttner mit verbittertem Furor alles, was irgendwie bürgerlich, liberal, rechts ist.

    Doch dann wurde er von der eigenen Clique verstossen. Ein alter, weisser, heterosexueller Mann eben. Tja, dumm gelaufen. Aber es wäre voraussehbar gewesen.

    Der Link zur Spanischen Inquisition mag für die «Monty Python»-Storyline schön sein. Doch für die Durchgeknalltheit des «Woke»-Mobs würde das Beispiel der jakobinischen Raserei besser passen.

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