Der Rohner-Run

Der Meister des Hürdenlaufs hat eine beeindruckende Strecke zurückgelegt.

Es war das, was man wohl in Bankerkreisen einen bewegenden Abschied nennt. «Lieber Urs, wir hätten dir einen anderen Abschied gewünscht», sülzte der Roche-Boss und CS-Verwaltungsrat Severin Schwan. Denn schliesslich habe Urs Rohner «Tag und Nacht» für die Bank gearbeitet.

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Vielleicht hätte Rohner das sein lassen sollen. Denn das Ergebnis seiner Arbeit lässt sich ganz einfach messen. Aktienkurs der CS am Anfang seiner Amtszeit: knapp 40 Franken. Am Ende knapp über 9 Franken. Ein Minus von rund 75 Prozent. Ein Desaster.

Erinnert sich noch jemand daran, dass der Aktienwert in diesem Jahrtausend schon mal an der 100-Franken-Marke kratzte? Ja, weit vor dem Beginn der Amtszeit Rohners.

Zu deren Ende behauptete Rohner an seiner letzten Generalversammlung:

«Ich entschuldige mich für die Enttäuschung.»

Es ist nicht überliefert, ob es zu bitterem Gelächter kam. Dann leistete sich der Versager noch ein wohldosierte Portion «Gefühl»: «Mitarbeiter sind verärgert, und ich bin auch wütend.»

Als Sahnehäubchen zum Ende hatte die CS zwei weitere Skandale und Milliardenabschreiber zu verdauen: «Das sind nicht entschuldbare Verluste. Wir haben unsere Kundinnen und Kunden, aber auch unsere Aktionärinnen und Aktionäre, enttäuscht. Und das leider nicht zum ersten Mal.»

Ein Hürdenlauf des Schreckens

«Milliarden-Strafe im US-Steuerstreit, Mosambik-Krimi, Thiam-Flop, Wirecard-Pfusch, Luckin-Coffee-Abenteuer, York-Capital-Abschreiber, Rechts-Niederlagen. Kaum hatte die CS ein Problem gelöst, tauchte das nächste auf – oft ein grösseres.» So fasste Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» die Strecke von Rohner zusammen, auf der er so ziemlich jede Hürde gerissen hatte. Es fehlt noch die Beschattungsaffäre, die Installation des Vollversagers Brady Dougan, nach zu langem Festhalten der von Rohner im Sololauf durchgestierte Ersatz mit Tidjane Thiam.

Er war der Meister der Methode: Problem taucht auf, Rohner taucht ab. Nachdem der Jurist alle Optionen abgecheckt hatte, tauchte er wieder auf und murmelte etwas juristisch Unverfängliches. Nur einmal rutschte ihm heraus, was ihn von da an verfolgte. Dass er persönlich «eine weisse Weste» habe.

Juristisch gesehen stimmt das. Rohner ist nicht vorbestraft, nicht verurteilt, es wurde kein ernsthafter Versuch unternommen, ihn für das CS-Desaster verantwortlich zu machen. Das wäre auch zum Scheitern verurteilt. Obwohl es seit einiger Zeit Haftbarkeiten für Verwaltungsräte gibt, wurde bislang noch kein einziger zur Verantwortung gezogen.

Selbst wenn man das bei Rohner probiert und sogar erfolgreich durchgezogen hätte; selbst wenn man sein Gesamtsalär von ein paar Dutzend Millionen eingezogen hätte: das hätte nicht mal den Tageszins auf einen einzigen Milliardenverlust beglichen. Das wäre unmerklich in den Milliardenverlusten der Aktionäre verdampft.

Genauso wie sein Teilverzicht im letzten Amtsjahr nicht mal bitteres Gelächter auslösen kann, so unbedeutend ist das.

Mosambik ist wohl die grösste aller Schweinereien

Bei all den verdammten Schweinereien, in die die CS unter der Oberaufsicht des ehemaligen Legal Councel und Juristen Rohner verwickelt war, ist der Fall Mosambik wohl die schlimmste.

Wie in der hyperventilierenden Presse üblich, war Mosambik noch vor 15 Jahren «Afrikas aufstrebender Star» (NYT). Das stimmt leider bei keinem schwarzafrikanischen Staat, oder wenn, ist es immer eine Sternschnuppe.

Wie aber unter Überfahren aller Rotlichter, bei Nichtbeachtung aller selbst geforderter Prozeduren, unter Nichtbeachtung eines vom IMF ausgesprochenen Kreditverbots, über eine lusche Yachtfirma ein Milliardenkredit direkt an den korrupten Präsidentenclan gesprochen werden konnte, der angeblich für eine ganze Milliarde die Fischereiflotte des Landes aufmöbeln sollte, das schlägt nun alles.

Als der Skandal dann platzte, versteckte sich die CS wie immer hinter einigen Mitarbeitern, die mal wieder mit krimineller Energie interne Kontrollen überfahren hätten. Und überhauptbehauptete die CS René Zeyer gegenüber: «Innerhalb der Credit Suisse sind die Genehmigungsprozesse für verschiedene Arten von Transaktionen klar geregelt. In Übereinstimmung mit diesen Richtlinien wurden diese Transaktionen von den britischen Banktöchtern Credit Suisse International (CSi) und Credit Suisse Securities Europe Limited (CSSEL) durchgeführt und von den zuständigen Mitarbeitern in Grossbritannien genehmigt.»

Wie klar und sinnvoll und kompetent diese Regeln gestaltet waren, belegt die Zahlung von einer halben Milliarde Franken, mit der sich die Bank aus verschiedenen Rechtshändeln in den USA und in England freikauft.

Gutgläubige Kunden, denen die CS diese faulen Kredite in ihre Portefeuilles drückte und Mosambik selbst wollen das Geld zurück, bzw. einen Schuldenerlass. Das könnte nochmals eine halbe bis sogar eine Milliarde kosten.

Ganz abgesehen davon, welchen Beitrag die Bank dazu geleistet hat, die Bevölkerung von Mosambik noch mehr ins Elend zu stossen. Sicher, sie selbst müsste sich ihrer korrupten Clique an der Macht entledigen. Aber während früher Kolonialmächte mit Kanonenbooten und Waffen herrschten, tun sie es heute mit der Macht des Geldes.

Blutrote weisse Weste

Die weisse Weste Rohners ist in Wirklichkeit blutrot. Hinter den roten Zahlen seiner Bank steht auch echtes Blut. Natürlich ist Jurist Rohner dafür in keiner Form verantwortlich zu machen. Er ist ein ehrenwerter Mann, der sich beim Rasieren jeden Morgen freundlich ins Gesicht schauen kann und einen neuen Tag als Rentner geniesst. Nach gutem und erquickendem Schlaf.

Deshalb erscheint hier nochmals ein Artikel zu diesem Thema, das nicht direkt mit dem Medienelend in der Schweiz zu tun hat. Indirekt aber schon, denn über lange Jahre hinweg skandalisierte nur ein einsamer Rufer auf dem Newsblog «Infosperber» den Mosambik-Skandal. Die Plattform war dabei gewaltigen Pressionen von Beteiligten ausgesetzt, denen sie aber widerstand. Während die übrigen Medien eher gelangweilt bis gequält bis gar nicht ein Thema aufnahmen, das halt komplex ist und sich weit, weit weg im dunklen Afrika abspielte.

Man ist doch lieb zueinander …

Wer den Nerv hat, sollte sich die akkurate Aufarbeitung durch ein norwegisches und mosambikanisches Forschungsinstitut antun.

Der Medienskandal besteht nämlich darin, dass all diese Fakten mehrfach aufgearbeitet und nicht zuletzt im Kroll-Report von 2017 (!) detailliert aufgelistet worden waren.

Reaktion der Schweizer Medien – oder der CS: nicht erkennbar.

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