Boost it, baby!

Unsere Medienlandschaft erinnert wirklich immer mehr an die DDR. Neu mit alternativen Fakten.

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Natürlich ist es Verschwörungstheorie, dass in einem Hinterzimmer zu Bern die tägliche Befehlsausgabe stattfindet, was unsere überlebenden drei Medienkonzerne plus Beiboot (Tamedia, CH Media, Springer-Ringier plus NZZ) zum Thema Corona zu schreiben haben.

Aber wenn man verfolgt, wie das Thema Booster-Impfung Schrittchen für Schrittchen dem geneigten und auch dem nicht geneigten Leser nähergebracht wird, dann wird’s einem schon anders.

Dass der Nicht-Geimpfte ein verantwortungsloser, dummer, sich selbst und andere gefährdender Idiot ist, daran haben wir uns gewöhnt. Dass Widerworte gegen die offizielle Corona-Politik, welche absonderlichen Wendungen und Widersprüchlichkeiten die auch beinhaltet, immer Ausdruck einer hetzerischen, unwissenschaftlichen, absurden Geisteshaltung sind, wissen wir inzwischen auch.

Dass man unserer Regierung wenn schon nur vorwerfen kann, dass sie nicht genügend Zwang, nicht genügend Druck auf die völlige Durchimpfung der Gesellschaft ausübt, dass wiederum das Impfen der einzige Königsweg aus der Pandemie sei, auch das ist bis zum Erbrechen wiederholt und bekannt.

Einmal impfen, zweimal impfen, nun neu bald einmal dreimal impfen. Die sogenannte «Booster»-Impfung. Die schiebt sich langsam, aber sicher von «ach nö, muss nicht sein» über «nun ja, vielleicht für Hochrisikogruppen» zu «also eigentlich schon, anderswo wird das bereits gemacht» zu «sollte kommen, kommt, muss sein».

Als wär’s ein Stück aus der Staatspresse

Exemplarisch dafür der Online-Auftritt des «Blick».

Piks, piks, piks. Heute die USA, morgen die Schweiz?

Wie wirksam? SEHR wirksam, welche Überraschung.

Abteilung Scherz lass nach: wenn «watson» Analyse sagt, darf laut gelacht werden.

Tamedia ist hingegen für freiwilligen Zwang.

Auf Seiten Tamedia sorgt der «Leiter Faktchecker-Team» zudem dafür, Zweifler an der Korrelation zwischen Impfquote und Neuinfektionen einzutopfen. Yannick Wiget nimmt sich dafür Stefan Millius*, «der als Corona-Massnahmenkritiker bekannt» sei, zur Brust. Der behaupte, dass durch die bekannte Harvard Studie von SV Subramanian, Professor für Bevölkerungsgesundheit und Geografie, erwiesen sei, dass es eine solche positive Korrelation nicht gebe, die Wirksamkeit der Impfung sei begrenzt.

«Die Aussage von Milius (!), die Eindämmung von Covid-19 durch die Impfung sei eine Mär, ist falsch.

Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, als würde die Studie zeigen, dass Impfungen unwirksam sind. Doch der Autor selbst widerspricht dieser Interpretation vehement. Die mangelnde Korrelation zwischen Impfung und Fallzahlen zeigt für ihn einfach, dass es neben der Impfung noch andere Massnahmen braucht.»

Wenn das die Qualitätsstufe des Leiters des Faktenchecker-Teams ist, dann muss man mit den Fakten – und dem Team – tiefempfundendes Mitleid haben. Denn wer eine faktische Aussage, die an Klarheit nicht zu überbieten ist, dermassen umbiegt, sollte es mal als Leiter eines Märchenerzählerteams probieren. Nebenbei: wer es als Oberfaktenchecker nicht mal schafft, den Namen Millius zweimal richtig zu schreiben, hat sowieso den Beruf verfehlt.

Ergebnisse referieren, dann umbiegen

Zunächst referiert Wiget noch einigermassen korrekt die Ergebnisse: «Die Forscher kommen zum Schluss, dass es keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen dem Anteil der vollständig geimpften Bevölkerung und der Entwicklung der Fallzahlen gibt. Sie stellen sogar einen geringfügigen gegenteiligen Effekt fest.»

Dann schreibt Wiget fast wortwörtlich einen Gegenartikel im US-Magazin «Mother Jones» ab. Dort wird der Professor damit zitiert, dass er mit seiner Studie nicht grundsätzlich etwas gegen Impfungen gesagt habe, er halte sie im Gegenteil – neben anderen Massnahmen – für durchaus sinnvoll.

Was Faktenchecker Wiget dem Leser unterschlägt: Der Autor des Artikels ist ein vehementer Befürworter von Impfungen (warum die kritische Haltung von Millius erwähnen, das aber unterschlagen?). Was ebenfalls stehenbleibt, ist die Grundaussage der Untersuchung: Es gibt KEINE erkennbare Korrelation zwischen Impfquote und Ansteckungsquote. Sagt die Studie, sagt der Autor, davon nimmt er keinen Millimeter zurück.

Darum herumzukurven, um einen angeblichen «Corona-Massnahmenkritiker» zu desavouieren, ist schon mal unterste Schublade. Aber es geht noch tiefer. Das schafft man, wenn man den «Sozialwissenschaftler Marko Kovic» zitiert, den Entdecker des deutschen Ablegers des «Intellectual Darkweb». Das verbreite sich so, weiss Verschwörungstheoretiker Kovic: «Von «alternativen» Kanälen wie YouTube und Podcasts über quasi-journalistische Meinungspublikationen wie die «Weltwoche» oder den «Schweizer Monat» bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung.»

Ein Faktechecker zitiert einen üblen Demagogen

Wer die NZZ als «quasi-journalistische Meinungspublikation» denunziert, hat jeden Anspruch verloren, ernst genommen zu werden. Schlimmer noch, Kovic ist ein übler Demagoge, der alle Fachmeinungen, die nicht in sein Weltbild passen, argumentenfrei niedermachen möchte: Kovic will diese Stimmen einer Gruppe zuordnen, diese Gruppe in eine gemeinsame Geisteshaltung pressen, die lächerlich machen und denunzieren. In «quasi-journalistischen» Organen äusserten die unwissenschaftlichen Stuss und beschwerten sich öffentlich darüber, dass man sie öffentlich nicht genügend wahrnehme. Ein Trottelhaufen, mit anderen Worten. Lächerlich, aber gefährlich.

Das schrieben wir schon über ihn:

«Gemach, lieber Herr Kovic, das eignete sich vielleicht als Selbstdiagnose. Nur: gefährlich, das sind Sie wirklich nicht.»

Dem «Faktenchecker» kommt der Herr aber wie gerufen: «Sozialwissenschaftler Marko Kovic entlarvt ihre Strategie in den sozialen Medien: «Massnahmengegner finden die Wissenschaft schlecht, wenn sie nicht in ihr Weltbild passt – und zelebrieren die Wissenschaft, wenn ihre vorgefassten Meinungen vermeintlich bestätigt werden. Das Kleingedruckte interessiert sie dabei nicht.»

Faktencheck als Märchenstunde mit Demagogen-Zitat.

Wiget merkt seinerseits nicht, dass das ebenfalls eine gute Selbstdiagnose sein könnte, so wie er mit der Harvard-Studie umgeht. Nur interessiert ihn das grossgedruckte nicht. Wir ernennen ihn zum Mitglied eines Tamedia-Trio-Infernal: Corona-Kreische Marc Brupbacher, Antidemokrat Denis von Burg und nun noch Fakten-Faker Yannick Wiget.

Es stellt sich wieder die Frage, wieso das auch nur einen Rappen Steuersubvention wert sein soll …

 

*Packungsbeilage: Stefan Millius ist Chefredaktor «Die Ostschweiz», wo René Zeyer regelmässig publiziert.

10 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Vergleiche der Medienlandschaft der Schweiz mit der Medienlandschaft der ehemaligen DDR sind geradezu grotesk und unverständlich. Die Medien in der DDR waren in den Händen des Staates, loyalen Kirchengruppen oder Massenorganisationen. In der Schweiz sind die Medien noch in privaten Händen. In der DDR mussten die JournalistenInnen das schreiben was der «Elite» genehm war, kritisches Schreiben nur verklausuliert, kritische Fragen stellen Existenz gefährdend.

    Dies alles ist in der Schweiz nicht der Fall. In der Schweiz machen sich grosse Teil der Medien und deren JournalistenInnen freiwillig zu Staatsposaunen, ohne Zwang. Das Gegenteil ist der rechte Medienmainstream, die Antistaatsposaunen, vielfach genauso faktenlos und schmierig. Aber verständlich, je kleiner, je hörbarer schreien.

    Die Medienlandschaft als ganzes ist in der Schweiz degeneriert. Nicht nur die Print- und Onlinemedien, auch Radio und Fernsehen. Egal privat oder Wappler TV, das freiwllig Staatssender ist und permanent auslotet wieviel Trash den ZwangsgebührenzahlerInnen zumutbar ist und eine einseitige linke Optik bevorzugt.

    Dafür verdient die Verantwortliche ca 450T pa, die loyalen und ebenso unfähigen Direktunterstellten ca 390T, ohne dass sie wirklich Verantwortung übernehmen müssen.. Verständlich dass bei diesen absurden, hohen Gehältern, die nicht durch Leistung begründet sind, beim Programm gespart werden muss. Nur da haben wir DDR, bezahlen, aber keine Mitsprache!

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  2. Christoph Müller
    Christoph Müller says:

    Leute mit «Ost-Erfahrung» (nicht nur DDR, sondern auch Rumänien, Bulgarien, …) erkennen die Gefahren, die für die Bevölkerung ins Elend führen, deutlich rascher als die «[C]lown [N]ews [N]etwork»-Gilde. Ich weiss nicht, was schlimmer ist. Teil der TNI (Trusted News Initiative) zu sein (wie z.B. BBC, AP), oder die Propaganda abzuschreiben, die via TNI produziert wird. Wer mal genau hinschaut und realisiert, wieviel «Inhalt» einer typischen CH-Zeitung in die Kategorie «abgeschrieben+» (also abgeschrieben und noch etwas helvetisiert) gehört, der versteht auch, weshalb man sich das Lesen von NZZ, Tagi, … in den allermeisten Fällen sparen kann. Es ist der gleiche Narrativ wie andernorts, beim Thema «Corona» einfach um ein paar Monate verzögert und mit ein paar Behauptungen von BAG, COVID-Taskforce usw. angereichert (Behauptungen deshalb, weil diese Clowns für die meisten Behauptungen KEINERLEI Daten präsentieren – wir erinnern uns: wären alle Geimpft, so wäre die Pandemie in der Schweiz in 8 Wochen vorbei, wäre die Impfrate in der Schweiz nur x% höher, so wäre alles besser).

    Die aktuellen Entwicklungen für ein paar ausgewählte Länder kann man hier anschauen. Es ist KEINE Korrelation zwischen Impfrate und #Cases zu sehen:

    https://91-divoc.com/pages/covid-visualization/?chart=countries-normalized&highlight=Singapore&show=highlight-only&y=highlight&scale=linear&data=cases-daily-7&data-source=owid&xaxis=right&extra=Switzerland%2CDenmark%2CIsrael%2CUnited%20Kingdom%2CIndia&extraData=vaccineFully&extraDataScale=separately#countries-normalized

    Beispiel: Vor ein paar Tagen hat Nik Walter in der Sonntagszeitung über Ivermectin geschrieben, resp. grosszügig aus alten Artikeln anderer Zeitungen (z.B. «the Guardian») abgeschrieben, angereichert mit seiner wenig fundierten persönlichen Meinung [wenig fundiert deshalb, weil er im Gegensatz zu den Ärzten bei der FLCCC Alliance keinen einzigen COVID-Patienten behandelt hat]; es wurde z.B. mehrmals eine «ägyptische Studie» erwähnt, als ob der gute Nik nach langem Graben etwas Unglaubliches entdeckt hätte – dabei weiss jeder Informierte, dass es sich um die Studie von Elgazzar handelt, die übrigens im Juli 2021 zum letzten Mal ein paar Wellen geworfen hat. Hier eine Medienmitteilung dazu:

    https://covid19criticalcare.com/wp-content/uploads/2021/07/FLCCC-BIRD-Guardian-Elgazzar-Study-FINAL-1.pdf

    Wie Herr Zeyer uns immer wieder beweist. Entweder ist man schon informiert, oder man muss Recherche betreiben und sich das Material besorgen. Abschreiben ist KEINE Recherche, und «Abschreiben+» ebenfalls nicht.

    Danke, Herr Zeyer, für die immer wieder gut recherchierten Artikel! Es ist wieder mal Zeit für eine Spende.

    Antworten
  3. Bruno
    Bruno says:

    Ein weiterer Beweis unserer degenerierter Medienlandschaft. Wie bereits gestern im Kommentar erwähnt, wird da noch einiges auf uns zukommen. Man muss nur um uns herum schauen.
    Bestes Beispiel Italien. Anfangs hiess es man muss eine Impfquote von 80% erreichen. Dies wurde vor 10 Tagen erreicht. Jetzt heisst es: es sind aber immer noch 20% ungeimpft – das sind mehrere Millionen Einwohner…

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  4. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Das Problem sind nicht die kleinen Schreiberlinge in den „sozialen» Medien, es sind die in den grossen Redaktionsstuben. Es findet sich allemal ein publizitätssüchtiger „Experte»(LOGO) mit Fachausweis der auch noch den grössten Schreiberlinge-Unsinn mit seiner Expertise puscht und „iegitimiert».

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  5. Hans A. Renfer
    Hans A. Renfer says:

    Hallo Herr Zeyer
    Erstaunlich, dass Sie noch Zeit gefunden haben, die sicher umfangreiche Studie von SV Suramanian eingehend zu studieren.

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  6. René Küng
    René Küng says:

    Danke Herr Zeyer,
    es sind die Begleiterscheinungen in unserer Gesellschaft, die die eigentliche, brandgefährliche Krankheit sind. Von Demagogen, wie von Ihnen vorgeführt, medial verbreitet. Der Regierung (plus brandgefährlich dummen Teil des Parlaments!) und ihren nachtrottelnden Behörden implementiert und der gut entlöhnten Justiz, die vom Anstellungstag an auf die Pension schielen, geduldet (die CS lässt grüssen, einziger Unterschied: die packen ab Tag 1 die Fallschirme).

    Möglich ist das alles, weil das belämmerte Volk da immer noch mitspielt, infiziert mit steigenden Fallzahlen und geboostert mit Lügen auf hohem Niveau.
    Die Schweiz wie immer hintendrein, in andern Ländern sind sie über die Booster schon hinweg, helfen auch nicht, ausser die Menschen dauerhaft an die Spritzen zu bringen. Natürliche Immunität, das war’s mal, build back better…….

    Wir müssen keine Mediziner sein, um zu erkennen, wie krank das alles ist.

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