«Bild»! Chef! Weg!

Nabelschau aller Orten. Ein Boulevardblatt feuert den Chef. Wahnsinn.

«watson» findet mal wieder die falschen Worte im Titel: «Medien-Tornado in Deutschland». Echt jetzt? Erscheinen die Tageszeitungen wegen Papiermangels nur noch als Faltblatt? Wurde das ß abgeschafft? Hat ein Chefredaktor vergessen, wo er seinen Porsche geparkt hat? Hat Tamedia vergessen, daraus parkiert zu machen?

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Nein, der «Tornado» besteht darin, dass der Chefredaktor der «Bild»-Zeitung gefeuert wurde. Per sofort, denn anders geht das bei einem Chef nicht. Oder um es mit dem «Blick» ganz seriös zu formulieren: «Axel Springer entbindet «Bild»-Chefredaktor Reichelt von seinen Aufgaben». Ist halt schon blöd, wenn man mit Springer als Juniorpartner verbandelt ist.

Eigentlich ist die Story vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schon längst auf den Punkt gebracht worden, wie es ein guter Boulevard-Journalist nicht besser könnte:

«Vögeln, fördern, feuern».

Das scheint eines der Führungsprinzipien von Julian Reichelt gewesen zu sein.

Inzwischen hat der Boulevard-«Spiegel» ganze acht Redaktoren an die Story gesetzt: «Warum Julian Reichelt gehen musste». Die zähe deutsche Regierungsbildung, Corona, Wirtschaft, nichts ist so wichtig wie diese Personalie. Auch in der Schweiz. Das Medienarchiv verzeichnet rund 100 Treffer für Reichelt, alle Schweizer Printmedien haben über den Rausschmiss berichtet.

Eigentlich eine banale Personalie

Dabei ist die Story so banal wie schnell erzählt. Ein erfolgreicher Chefredaktor kann seinen Hosenschlitz bei der Arbeit nicht geschlossen halten, reaktiviert die Casting-Couch und ermöglicht Karrieren per Beischlaf. Eine erste Untersuchung überlebt er noch leicht ramponiert, machte aber offenbar fröhlich weiter.

Bis dem Springer-Boss der Kragen platzt und Mathias Döpfner vornehm zum Zweihänder greift und köpft: «Privates und Berufliches nicht klar getrennt, dem Vorstand die Unwahrheit gesagt, Weg gerne gemeinsam fortgesetzt, das ist nun nicht mehr möglich.»

Um die Absetzung herum entwickelten sich tatsächlich lustige Nebengeräusche. Zunächst ist Reichelt Opfer einer globalisierten Welt. Denn Springer hat sich das Politportal «Politico» in den USA gekrallt. Eigentlich ein kleiner Laden, aber bedeutend als Nahbeobachter der Politik in Washington. Anlass für die NYT, sich den Käufer mal genauer anzuschauen.

So kam Reichelt in die NYT

Auch die grosse «New York Times» kann Boulevard: «At Axel Springer, Politico’s New Owner, Allegations of Sex, Lies and a Secret Payment». Darunter ein Foto von Reichelt, der sich sicherlich nicht gewünscht hätte, einmal so dort aufzutauchen.

Die Recherchen der NYT ergaben offenbar, dass einiges stinkt im Reiche Döpfner, und dass vor allem Reichelt im Zeitalter von «#metoo» schon längst untragbar war. Allerdings durch seinen Erfolg geschützt blieb, denn die «Bild»-Zeitung hat unter seiner Leitung die allgemeine Auflagenerosion zum Stillstand gebracht und durch knalligen Boulevard ihre Rolle als Meinungsbildner aufgefrischt. Denn wie sagte schon Altkanzler Gerhard Schröder so richtig: Man könne in Deutschland nicht gegen die «Bild» regieren.

So geht relevanter Boulevard.

 

Die Frage bleibt allerdings offen, wieso es genau in Zeiten von «#metoo» genügend willige Weiber gab, die sich tatsächlich den Weg nach oben erschliefen. Aber bald werden wir sicherlich erste Opferschilderungen vernehmen müssen, die wir den Lesern von ZACKBUM aber nach Möglichkeit ersparen.

Eine zweite knackige Nebenstory ergab sich aus der Tatsache, dass parallel zur NYT auch ein Investigativteam der Mediengruppe Ippen dem Unhold Reichelt nachrecherchierte. Aber das Verlagshaus heisst so, weil es dem Senior Dirk Ippen gehört («Frankfurter Rundschau», «Münchner Merkur» und das Boulevardblatt «TZ»).

Der hatte sich gerade, schon wieder Globalisierung, ein Team von der deutschen Ausgabe von BuzzFeed eingekauft. Die wollten als Einstiegskracher ebenfalls die schmutzige Unterwäsche von Reichelt an die Leine hängen. Aber da griff Ippen persönlich ein und stoppte die Publikation zwei Tage vor dem vorgesehenen Zeitpunkt.

Begründung:

«Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit ›Bild‹ steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.»

Das ist nun putzig und rührend, aber sicherlich nicht die Wahrheit.

Mir san mir und ich bin der Chef: Dirk Ippen.

Wir fassen das laue Lüftchen zusammen, das in den Schweizer Nabelschaumedien Themen wie drohende Energiekrise oder Corona locker wegblies. Ein Boulevardchef knüpft an die schlechten, alten Zeiten an. Sein Verlag stützt ihn als Erfolgsbringer. Der Ankauf eines US-Blogs erregt die Aufmerksamkeit der NYT, was in Deutschland untersagt wurde, wird in den USA publiziert. Weg isser.

Wäre doch eine Knaller-Story hier gewesen …

Sonst noch was? Ach ja, Christian Dorer könnte das garantiert nicht passieren. Ausgeschlossen. Für diesen Schwiegergmuttertraum legen wir die Hand ins Feuer. Vorstellbar wäre ein abruptes Ende höchstens, wenn der Hobbybusfahrer auf dem Fussgängerstreifen einen Rentner mit Rollator totfahren täte.

Under new management, wie der Ami sagt.

 

 

7 KOMMENTARE
  1. Eveline Maier
    Eveline Maier says:

    Hauptaktionär des Springer Verlages ist jetzt die US-Beteiligungsgesellschaft KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) Ihr jetziger Aktienanteil ca. 35.6% mit Ziel für mehr. Auch der Kauf von „Politico“ hat die Handschrift von KKR, wie die jetzige sofortige Entlassung von Julian Reichelt. Offenbar wurde diese von der NYT hochgekochte Geschichte mit dem „Bild-Chefredaktor zu heiss für KKR und insbesondere ihren Plänen in den USA.

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  2. René Küng
    René Küng says:

    James Bond in Ehren, aber wenn mal deutlich mehr ‹SEX SELLS & KILLS› in einer story liegt, dann sollte zackbum eigentlich zu Hochform auflaufen.
    Auf Reitschuster, ebenfalls Herzblut-Journalismus, wurde in den letzten Tagen nicht viel geschlafen, da lief Telegram, Twitter und Boris am laptop gestern bis tief in die Nacht…..
    Es lohnt ich allemal, da mal die NYT Hintergrund-Gedanken von Sönke Paulen zu lesen https://reitschuster.de/post/die-bild-knickt-ein/ und dann ergeben sich tolle Optionen:
    -die Groupies von Reichelt haben alle freiwillig (für Karriere-Chancen) mitgespielt
    -metoo und der legitime (?) Einsatz von weiblichen Waffen, alles OK wenn James das Gentleman-like
    und ungerührt be-, aus- und umnutzt?
    -wo klingen die Glocken ähnlich wie beim ‹Vergewaltiger› Assange (und vielen andern, die weg mussten)?
    -und wann folgt einmal ein kritischer zack-Blick auf die sogenannte Ikone des freien Journalismus NYT
    durch -bum. Wie steht’s denn da wirklich mit der Freiheit, Unabhängigkeit, Qualität?

    Dort wo’s direkt zur Sache geht, da wo’s dem ‹Establishment› zu bunt wird, wenn ein viriler Chefredaktor in far out Germany den Polit-Marionetten Klartext redet (toller BILD-Ausschnitt Herr Zeyer). So dass es den ech$t ‹potenten› Eliten im Hintergrund zu bunt wird.
    Hat die NYT, aus verschiedenen Gründen (siehe Artikel Paulsen), den spitzen Reichelt abgeschossen, damit die stumpfe Merkel auch weiterhin dumpf Corona machen kann?

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      • René Küng
        René Küng says:

        Mit einfachen Worten:
        1 Reichelt musste weg, weil er in Sachen Corona Klartext sprach. Frau Maier geht da noch ein wenig derer rein.
        2 Das Land mit der grössten Porno-Industrie macht auf Prüderie, wenn es darum geht, unliebsame Menschen (Männer vor allem) wegzurutschen.
        Als ‹political correctness› gebrandet, aber dafür sind die modernen Bond-Filme mit Gewalt vollgestopft. Das Spiel der Geschlechter, das war mal, heute wird’s zum Spiel der Schlachter.
        3. Und dass selbst 1’000plus Journalisten der NYT (Zahl by Zeyer) auf globalistische Ziele getrimmt werden können, bzw sich immer ein Schreiberling findet, der eine Story zusammen schraubt. Um Reichelt und danach, wenn nötig, Döpfner aus- und auch die BILD und Welt gleichzuschalten, auf Corona-Kurs zu bringen.

        Quintessenz für die Schweiz: wenn bei Schweizer Medien nur noch Heuchler und Eunuchen übrig bleiben, dann feiern die halt unisono Corona und den einzig verbliebenen Wildvögler im Bundesrat.
        Und die Quoten-Journalistinnen kneifen ihre Lippen halt noch etwas mehr zusammen, anstatt den Charakterlump, der sogar seine Sturmtruppen gegen EINE Frau + Kleinkind einsetzt, wegzupusten.

        Reichelt war in der Hinsicht zumindest ehrlich, selbst wenn die Volontärin im Bett gut gestartet ist, wenn sie im Beruf die Frau nicht stellte, kam vielleicht die nächste Hoffnung. Und wahrscheinlich machte so die eine oder andere auch Karriere, weil sie auch schreiben und denken konnte.
        Und ja, um der correctness halber, nicht alle Frauen haben das nötig, stellen ihre Frau beruflich und können JA oder NEIN sagen, mit wem sie Spass oder mehr leben möchten.
        Mit James hat das früher noch besser funktioniert und meiner Einschätzung nach, gab es damals noch viele weibliche Fans von Bond.

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  3. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    „Viel Feind viel Ehr“ lässt sich für Julian Reichelt sagen. Er ist ein Top-Journalist der Extraklasse. Das direkte Gegenteil der Bubi-Journis wie bei Blick, Watson und beim Tagi in der Schweiz. Wie sich Reichelt in Kabul, dicht umgeben von Taliban-Kämpfern, die Wichtigkeit des Abhackens von Diebeshänden erläutern liess, bedeutet weit grösseren Mut, als was die verlogenen Heckenschützen von Spiegel und Kumpanen gegen Reichelt betreiben. Hier dürfte auch der Neid gegen ein Ausnahmetalent eine Rolle spielen, welches kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Rest sind Behauptungen im Mainstream des Zeitgeistes.

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