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«Blick» aufs Halszäpfchen

29. September 2021/5 Kommentare/in Allgemein, Blattkritik/von René Zeyer

Aber von unten. Ringier setzt die Lobeshymne auf die Credit Suisse schamlos fort.

Vielleicht lag’s an der Fotografie, mit der der SoBli das Doppelinterview mit dem VRP Antonio Horta-Osório und dem CEO Thomas Gottstein von der CS begleitete.

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Er war’s! Nein, der war’s! Nein, selber nein, nein du. Das Bildzitat des Grauens.

Darauf sehen die beiden, wir formulieren in Rücksicht auf das Legal Department der Bank vorsichtig, wie zwei ertappte Sünder, wie zwei Männer aus, denen es peinlich an der Seite des anderen ist. Dabei sollte doch die Message sein: Differenzen zwischen den beiden? Niemals, alles in Butter, alles gut. Alles happy, so wie die CS selbst.

Besonderen Wert wurde bei der als Interview verkleideten PR auf das Menschliche gelegt. Der Burn-out des VRP, das Golfhandicap des CEO, sind sie nicht sympathisch mit ihren kleinen Schwächen und Hobbys?

Nächster Akt: vierhändige Massage des VR-Präsidenten

Aber nach dem PR-Artikel ist vor dem PR-Artikel. Das Autoren-Dreamteam Guido Schätti und Nicola Imfeld macht weiter. Diesmal massiert es vierhändig den VR-Präsidenten. Einen menschlichen Übermenschen.

«Ein Chrampfer, der bis zum Letzten geht», «von filigraner Statur und vollendeter Eleganz», «im Gespräch strotzt der neue VR-Präsident vor Energie», «die Bank braucht eine solide Defensive und einen verlässlichen zweiten Aufschlag».

Irgendwie ist man froh, dass in der Schweiz gerade die Ehe für alle angenommen wurde.

Ein Leitmotiv ist ein Leitmotiv ist ein Leidmotiv

Der Mann ist nicht nur all das, er hat auch Visionen: «Die Bank sei weltweit eine der ganz wenigen, die im aktuellen Umfeld hervorragende Wachstumschancen hätten», zitieren ihn die Autoren hingerissen. «Dass seine Vorgänger dasselbe verkündeten, ohne zu liefern, lässt ​ihn kalt», natürlich, die waren ja auch nicht wie Horta-Osório.

Wie ist er denn nun? Dazu haben die «Blick»-Anhimmler das Leitmotiv des Tennismatchs gewählt. Ass, Doppelfehler, Aufschlag, wunderbar, das passt doch zu einem Tennisspieler wie Horta-Osório. Golf ist für Gottstein, aber hier geht’s um den Filzball. Und seine Drescher. Natürlich muss der VRP Roger Federer toll finden, den Werbeträger der CS. Aber, so vermuten die Autoren feinsinnig, eigentlich möge der VRP eher Rafael Nadal.

Der Chrampfer, der bis zum Letzten geht.

Das sei eben auch ein Chrampfer, aber damit der Ähnlichkeiten nicht genug: «Es gibt zwei Dinge, die den CS-Präsidenten António Horta-​Osório (57) mit dem Tennisspieler Rafael Nadal (35) verbinden. Beide sind falsche Linkshänder. » Nadal sei das antrainiert worden, Horta-Onório habe eine Verletzung dazu gezwungen. Wahnsinn, und das zweite Ding?

«Der neue CS-Präsident ist ein grosser Bewunderer Nadals.» Öhm, also Nadal ist ein grosser Bewunderer von sich selbst?

Interessant, interessant.

Ein Glücksfall für die CS, aber auch für den «Blick»?

Schätti und Imhof sind da klar orientiert; sie bewundern nicht sich selbst, denn für eine solche Schmiere wäre das auch oberpeinlich. Neben allen Versuchen, das Halszäpfchen von Horta-Osório von unten zu liebkosen, ziehen sie das Tennis-Leitmotiv mit unüberbietbarer Aufdringlichkeit durch: Der VRP sei eben «ein harter Arbeiter – wie sein Seelenverwandter Nadal –geblieben». Trotz Burnout, als er angetreten sei, die englische Bank Lloyds «vor dem Kollaps zu retten». Operation gelungen, aber Operateur anschliessend so ausgebrannt, dass er sich «in einer Klinik auskurieren» musste.

Nun wird alles gut: «Für die Credit Suisse könnte er ein Glücksfall sein.» Wunderbar, das kann die Bank auch dringend brauchen. Vermutlich beim Durchlesen fiel den beiden Autoren dann doch auf, dass sie vielleicht zu viel Schmiere aufgelegt hatten. Längeres Brainstorming, wir brauchen noch einen leicht kritischen Schluss, war offensichtlich die Vorgabe. Aber am besten im Tennis-Leitmotiv, sagte dann einer von beiden.

Et voilà: «Einen weiteren Doppelfehler wie bei Archegos und Greensill können sich weder Horta-​Osório noch Gottstein leisten. Die Aktionäre haben genug geblutet. Sie warten auf ein Ass.»

Man gestattet sich aber schon die Frage: Ob das wirklich gut kommt, wenn sich ein VRP derart peinlich im Qualitätsorgan der gehobenen Finanzberichterstattung «Blick» anhimmeln lässt?

Schlagworte: Antonio Horta-Osório, Blick, Credit Suisse, Guido Schätti, Nicola Umfeld, Rafael Nadal, Roger Federer
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/09/Horta5.jpeg 406 1088 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-09-29 07:00:332021-09-30 11:53:31«Blick» aufs Halszäpfchen
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5 Kommentare
  1. Didier Venzago
    Didier Venzago sagte:
    29. September 2021 um 13:31

    Musste lachen als ich das Foto der zwei Banker nebeneinander sitzend sah. Sagt eigentlich alles aus. Da nützt dann auch als das schleimige Blick-Getippe nichts mehr.

    Antworten
    • Eveline Maier
      Eveline Maier sagte:
      29. September 2021 um 16:50

      Ganz genau. Auf der Anklagebank gibt es solch zerknirschte Bilder. Soll man Erbarmen haben?

      Antworten
  2. morgenpost
    morgenpost sagte:
    29. September 2021 um 12:05

    Irgendwie ist man froh, dass in der Schweiz gerade die Ehe für alle angenommen wurde……..Gei!
    Sensationeller Einfall von Zeyer! Von 100 Leser die dieses PR Interview gelesen haben, kamen vielleicht 10 darauf dass es eine versteckte unbezahlte Promotion war. Den 90 darf man nicht böse sein, denn es war tatsächlich hochraffiniert gemacht.

    Antworten
  3. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen sagte:
    29. September 2021 um 10:35

    Das ,,könnte» (nach Adem Riese, Physik und Mengenlehre wird das) noch was absetzen , prosit oder was , alternativlos in die finale Alternativlosigkeit.

    Antworten
  4. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:
    29. September 2021 um 9:10

    Die Säusel- und Anbiederungsgeschichte wurde von Guido Schätti, immerhin Stellvertretender Chefredaktor und Nicola Imfeld, auch nicht unbekannt geschrieben. Wenn man denn Quatsch liest ist verständlich warum sich BLICK noch ein «filigranes» Standbein «Leserreporter» aufgebaut hat. Die schreiben besser und belasten nicht jeden Monat die Payroll. Die nächste Station des 51-jährigen Schättis dürfte die Stellvertretung von Flavia Schlittler sein.

    Zur CS passt die Geschichte, einmal mehr peinllich, ausnahmsweise nicht zu Lasten Aktieninhaber.

    Antworten

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