Selektive Wahrnehmung einer Selbstzerstörungsmaschine

Der Recherchierjournalist Daniel Ryser denaturiert zum demagogischen Kommentator.

Es ist der Weg nach unten eines Begabten zu beklagen. Daniel Ryser hatte seinen eigenen Sound geschaffen, bei seinen Langzeitreportagen. Er traute sich sogar an ein Buch über den umstrittenen Publizisten Roger Köppel. Unter dem etwas verwirrlichen Titel «In Badehosen nach Stalingrad» wurde eine Abrechnung draus.

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Ein durchaus lesenswertes Buch, wenn auch nicht immer mit sauberen Methoden recherchiert. Ryser arbeitet seit einiger Zeit für die «Republik», und das ist leider nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.

Anfang August erschien von ihm der Artikel «Die Zerstörungsmaschine» in der «Republik». Seine These:

«Der grösste Medienkonzern der Schweiz» habe es auf Jolanda Spiess-Hegglin abgesehen, sie werde «mit allen Mittel diskreditiert».

Auf den üblichen 23’000 Anschlägen diskreditierte er sich hier allerdings selbst, obwohl er sozusagen als Mahnung sich einleitend aufrief, dass diese «Geschichte präzis erzählt werden» müsse, «aus Fairness gegenüber Spiess-Hegglin».

Das schloss allerdings keine Fairness gegenüber Tamedia ein. Der Artikel strotzte von Unsauberkeiten, Fehlern und polemischen Überspitzungen. Schlimmer noch: Ryser begab sich aus dem Feld der Debatte.

Gesprächsverweigerung und Rechthaberei statt Recherche

Wir stellten ihm damals 25 präzise Fragen, darunter auch die, wieso er gegen ein Grundprinzip des anständigen Journalismus verstossen habe; nämlich sämtlichen in seiner Polemik angegriffenen und namentlich kritisierten Personen keine Möglichkeit zur Stellungnahme einräumte.

Ryser schwieg.

Auf dem Weg nach unten hat er inzwischen ein neues Niveau erreicht. Offenbar strebt er danach, sich selbst immer mehr tieferzulegen. Er greift zum Kommentar, um auszuführen: «Der Mord an einem Tankstellen-Kassier in Deutschland zeigt auf drastische Weise: Wer mit Begriffen wie «Diktatur» und «Faschismus» aufwiegelt, ebnet den Weg zur Gewalt.»

Streng gegen Linksradikale?

Das ist eigentlich die Spezialität von Linksradikalen, die diese Begrifflichkeit für das uns angeblich beherrschende Schweinesystem verwenden. Ein Blick auf die Webseite aufbau.org genügt, um die inflationäre Verwendung dieser Begrifflichkeiten zu sehen.

Aber das meint Ryser nicht. Denn in der hysterisch aufgeheizten Debatte um Massnahmen zur Pandemie-Bekämpfung findet sozusagen eine Vergesellschaftung dieser Keulen-Begriffe statt. Auch rechtskonservative Kreise beginnen, sie zu verwenden.

Denunziation einer Bewegung aufgrund von Amoks

Herausragend dabei offensichtlich der Irrwisch Nicolas A. Rimoldi. Ein Wirrkopf, der im Trüben fischt und sich als Feindbild für Ryser anbietet, weil er auch auf dem Weg nach unten ist. Vom ehemaligen Jungfreisinnigen zum Sprachrohr absurder Verschwörungstheorien.

Ryser hat ihn verdienstvoll in einem längeren Artikel porträtiert. Was da an Rimoldi auffällt: er will unfassbar bleiben wie Quecksilber. Widerspricht sich gerne und häufig, weicht aus, korrigiert und löscht, lebt offenbar in einer Welt mit abnehmendem Kontakt zur Realität.

Nun hat anscheinend in Deutschland ein Amoktäter einen Tankwart ermordet, weil der ihn zum Tragen einer Maske aufforderte. Der Täter soll seine Bluttat damit begründet haben, dass er ein Zeichen gegen die Maskendiktatur setzen wolle.

Ein Vollirrer. Auf einschlägigen Plattformen, in Telegram-Chatgruppen schäumte danach weitere Irrheit hoch, «wenn’s die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen», zitiert Ryser einen verantwortungslosen Spinner.

Soll man ganze Strömungen so disqualifizieren?

Von der Ermordung Martin Luther Kings bis zu den Terrorakten am 11. September im Grossen, von Anschlägen auf Abtreibungskliniken bis zu Sachbeschädigungen durch den Schwarzen Block bei 1.-Mai-Demos im Kleineren, bei den Chaostagen anlässlich des G7-Gipfels in Hamburg: es gibt immer Amoks, die solche Gewalttaten loben, beschönigen, erklären, zum Ausdruck berechtigten Widerstands gegen Diktatur, Faschismus, Imperialismus, im Namen von Rassenwahn oder dem Kampf für ungeborenes Leben erheben.

Im Kopf von geistigen Brandstiftern …

Seit es die Klowände im Internet gibt, ist das öffentlich einsehbar, wenn man sich die Nase zuhält.

Auch in sogenannten Qualitätsmedien gibt es entsprechende Amoks, erinnert sei nur an den Leiter des «Interaktiv-Teams» bei Tamedia. Marc Brupbacher twittert mit dieser Berufsangabe «Sind jetzt alle komplett durchgeknallt in diesem Land», beschimpft Regierende wie Silvia Steiner als «traurigen Clown in einem anti-wissenschaftlichen Polit-Zirkus», ist mit Bundesrat Alain Berset «komplett durch», denn der Gesamtbundesrat ist «komplett übergeschnappt», viele Regierenden verfügen «über die Hirnleistung eines Einzellers». Die Uni Luzern fordert er auf:

«Hey, Uni Luzern, nehmt den Dreck runter, entschuldigt euch bei C. Althaus und publiziert eine Richtigstellung.»

Sicher, er schwafelt nicht von Faschismus und Diktatur, ruft auch nicht zu Gewalt auf. Aber er ist ein Beispiel dafür, dass es überall Amoks gibt. Aber wegen Brupbacher kann man nicht alle Befürworter von Lockdowns oder drastischen Massnahmen als durchgeknallt diskreditieren. Oder alle Mitarbeiter von Tamedia.

Oder wir erinnern an die «rechte-Hetzer»-Kreische Daniel Binswanger in eben dieser «Republik», den Verteidiger der Burka als Ausdruck selbstbestimmten Handelns selbstbewusster Frauen. Deswegen kann man doch nicht die gesamte Crew in Sippenhaft nehmen.

Heinrich Böll würde im Grab rotieren

So wie das Ryser mit Massnahmenkritikern tut. Dazu bemüht er einen heutzutage weitgehend vergessenen deutschen Schriftsteller: Heinrich Böll. Der Literaturnobelpreisträger sagte 1959 in einem Vortrag: «Der Spruch: Wenn Worte töten könnten, ist längst aus dem Irrealis in den Indikativ geholt worden.»

Ein differenzierter Mahner, missbraucht von Ryser.

Ryser zitiert ihn weiter, mit anschliessender strenger Ermahnung: ««Worte können töten, und es ist einzig und allein eine Gewissensfrage, ob man die Sprache in Bereiche entgleiten lässt, wo sie mörderisch wird.» Darüber sollten Leute, die heute ständig von Diktatur sprechen und twittern, dringend nachdenken.»

Teilgebildet, wie Ryser ist, verzichtet er aber darauf, den Zusammenhang herzustellen, in dem Böll das sagte. Holen wir gerne nach:

«In allen Staaten, in denen Terror herrscht, ist das Wort fast noch mehr gefürchtet als bewaffneter Widerstand, und oft ist das letzte die Folge des ersten. Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein.»

Böll bezog sich also auf die damals noch frische Erfahrung des deutschen Hitler-Faschismus, darüber sollte Ryser dringend nachdenken. Böll mischte sich damals auch in die Debatte um die Taten der linksterroristischen RAF ein. Dazu schrieb er: «Es ist inzwischen ein Krieg von 6 gegen 60 000 000. Ein sinnloser Krieg.»

Dazu rief er zu Augenmass auf: «Ich habe die Gruppe um Ulrike Meinhof relativiert – ja. Verharmlost nein. Ich habe versucht, die Proportionen zurechtzurücken. Nichts weiter. Wenn Albanien der Sowjetunion den Krieg erklären würde, so fände ich das nicht harmlos, nur fände ich die Situation der Sowjetunion nur relativ gefährlich.»

Proportionen zurechtrücken, darum ging es Böll, darum sollte es vielleicht auch Ryser gehen. Es ist unstatthaft, mindestens ungebildet, wenn nicht absichtsvoll demagogisch, Böll hier als Kronzeugen für Rysers Feldzug gegen Massnahmenkritiker einzusetzen.

Aber wollen wir einen Mann auf dem Weg nach unten aufhalten?

 

 

 

4 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Dani Ryser ist im Rothaus angekommen, wegen der Enge im Kreis 4 ist sein Fokus natürlich eingeschränkt. Wie viele die den Aufruf gegen TAmedia unterschrieben haben merkt er nicht dass sich JHS seit Jahren zuverlässig selber diskreditiert. Er ist naiv und dumm, er sollte sich einmal Fragen stellen warum JSH das Buch von Binswanger um jeden Preis verhindern will, wovor hat sie Angst, dem Zerfall ihrer geschickt aufgebauten Opferrolle, der Erkenntnis dass Hürlimann nicht der «Übergriffige» ist?

    TAmedia muss kritisiert werden, aber nicht weil sie sich für Binswanger und das geplante Buch eingesetzt hat, sondern weil Verleger, der Doktor Chefredaktor und die JournalistenInnen allen journalistischen Anstand und Stolz verloren haben. Nicht mehr Meinungsvielfalt und Diskussion ist angesagt, sondern flächendeckene Einheitsmeinung über das ganze Mittelland. Ausnahme: die beiden Frauen die sich sogar über einen lecken Hydranten streiten könnten. Auch inhouse mehrheitlich nur noch Einheitsmeinung. Journalistenethos wie bei der Prawda. Meinungen oder politische Haltungen die nicht der Werdstrasse entsprechen werden nur eingschränkt thematisiert.

    Wo sind die JournalistenInnen die sagen: Supino, ich möchte mein Geld verdienen und nicht den ArbeiterInnen, den Angestellten die schon genügend Lasten tragen abknöpfen. Mein Stolz und meine soziale Verantwortung lassen das nicht zu! Schweigen dazu, aber immer den Mahnfinger heben und andere kritisieren, nur nicht den Hausherrn der ohne jeden Skrupel an die Honigtöpfe der SteuerzahlerInnen will.

    Da müsste Ryser kritiseren, tut er nicht, hält sich alle Optionen offen im Fall wenn er wieder einmal um Aufnahme an der Werdstrasse bitten muss.

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Flächendeckende Einheitsmeinung ist gleichzusetzen mit einem GEFÄLLIGKEITSKARTELL.

      Die Schweiz hat sich Deutschland angenähert in dieser Hinsicht. Eine gefährliche Entwicklung.

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  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Jolanda Spiess-Hegglin verliert laufend an Reputation, seit Beschimpfungen wie «Arschloch, Nasenpimmel und Schmierfinken» und das Liken eines Guillotine-Bildes mit der symbolischen Enthauptung ihrer Lieblingsfeindin direkt mit der Chefin von Netzcourage verbunden werden. Da erscheint die Unterstützung von einem journalistischen Drachentöter wie Daniel Ryser als wie vom lieben Gott gesteuert. Wer die Chefin beim Unterdrücken des angekündigten Buches von Michèle Binswanger unterstützt, wird automatisch zum Helden befördert. Merken solche naiven Leute denn nicht, dass es viel weniger um hehre Ziele wie die Frauenförderung geht, sondern dass sie in erster Linie für den Privatkonflikt von Spiess-Hegglin gegen Michèle Binswanger eingespannt werden?

    Auch aus Zug Oberwil ist keine Kritik zur brutalen Behandlung der ehemaligen Geliebten des linken Bundesrates Berset zu vernehmen. Schliesslich ist das eidgenössische Gleichstellungsbüro, welches Geld auch an den Verein von Spiess-Hegglin verteilt, dem roten König unterstellt. Da spielt der Machmissbrauch des vor Eitelkeit strotzenden Magistraten gegen eine junge Frau dann selbstverständlich keine Rolle. Selten als wie zuvor liegt heute die gesamte Heuchelei der Linken offen auf dem Tisch.

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