Hoch lebe die internationale …

Der Afghane hat’s schwer in Afghanistan. Der Linke in der Schweiz erst …

Es wird geeiert, gehühnert, gefordert oder geschwiegen. Denn der Rückzug der USA aus Afghanistan stellt die Schweizer Linke vor eine gewaltige geistige Herausforderung. Ist das nun eine zu feiernde Niederlage des militärisch-industriellen Komplexes der imperialistischen Supermacht?

Führt der Sieg der Taliban zu mehr selbstbestimmten Frauen unter der Nikab in Afghanistan, wie das die schreibende Schmachtlocke in der «Republik» ernsthaft über europäische Frauen im Ganzkörperpräservativ sagte? Oder sollte man gleich die NATO abschaffen, wie das der nicht ganz dichte SP-Nationalrat Fabian Molina fordert?

Man ist sich höchstens noch einig: Die Schweiz muss unbedingt ihrer humanistischen Tradition folgen und afghanische Flüchtlinge aufnehmen. Mal so 10’000, fordert Molina, und nicht nur er. Nur: woher nehmen, wie kommen die in die Schweiz, was sollen die hier, mit solchem Pipifax beschäftigt man sich natürlich nicht, wenn es um Solidarität, Humanismus, Forderungen auf Kosten anderer geht.

Es wird schnell kompliziert – oder schweigsam

Aber anschliessend wird’s kompliziert. Wie sieht das denn die afghanische Frau? Lotta Suter zitiert dazu in der WoZ «die bekannte afghanische Frauenrechtlerin und ehemalige Parlamentarierin Malalai Dschoja». Die sage nämlich in einem Interview, «in den letzten zwei Jahrzehnten hätten die Frauen und die Zivilgesellschaft in Afghanistan dreierlei Feinde gehabt: die Taliban, die Warlords, die sich zuweilen als Regierung tarnten, und die US-Besatzung. Wenn man einen Feind loswerden könne, seien es immerhin nur noch zwei.»

Nicht nur die Welt spinnt …

Wenn man sich allerdings fragt, welcher der drei Feinde wohl am ehesten für Frauenrechte eingetreten ist …

Das erschütternde Schweigen der «Republik»

Was sagt denn nun das Zentralorgan der Weltenlenker und tiefen Denker? Nichts, einfach nichts sagt die «Republik». Himmels willen, hat selbst Constantin Seibt einen Schreibstau? Keineswegs, nur widmet sich der den ganz grossen Themen:

«Wie Steuerpolitik die Mittelklasse erschuf. Wie Spargelder die Weltherrschaft erlangten. Und warum der Turbokapitalismus bald Geschichte sein könnte. Serie «Die Weltrevolution», Teil 3.»

27’500 Anschläge, alleine der dritte Teil. Da ist zu befürchten, dass die Weltrevolution wegschnarcht, bevor sie überhaupt an den Start gehen kann.

Nicht nur die WoZ spinnt …

Aber die SP Schweiz, die macht doch wenigstens was? Nun ja, sie appelliert. Denn:

«Die Nachrichten und Bilder, die uns aus Afghanistan erreichen, machen tief betroffen.»

Deshalb unterzeichnet das Co-Präsidium auch «mit betroffenen Grüssen».

Und was wird gefordert?  «Wir appellieren daher an den Bundesrat: Verleiht allen Afghan:innen in der Schweiz unverzüglich den Schutzstatus, rettet ihre Familien aus dem Kriegsgebiet, nehmt zusätzlich 10’000 gefährdete Menschen auf – insbesondere Frauen und Mädchen – und verstärkt die humanitäre Hilfe in den Nachbarsländern!»

Das Schöne an solchen Forderungen ist: hören sich echt gut an. Sind aber völlig absurd. «Gleichgültigkeit ist keine Option», behauptet die SP. Wetten, dass doch?

Wo, die SP ist, da sind die «Grünen» schon lange. Auch sie fordern:

  • «Den Schweizer*innen, die sich noch in Afghanistan aufhalten, muss sofort die Rückkehr ermöglicht werden. 
  • Die Schweiz muss jetzt im Rahmen von internationalen Kontingenten 10’000 Geflüchtete aus Afghanistan aufnehmen. 
  • Die Schweiz muss Geflüchteten aus Afghanistan einen sicheren Aufenthaltsstatus garantieren. 
  • Die Schweiz muss die Einreise der Angehörigen von Afghan*innen, die sich in der Schweiz aufhalten, erleichtern.»

Muss das die Schweiz, wird sie das tun? Natürlich nicht, das wissen auch die «Grünen». Aber fordern kostet nichts, hört sich gut an, befriedigt die eigene Klientel und macht ein gutes Gewissen, wenn man sich abends einen reinpfeift und über internationale Solidarität labert.

Wie sieht’s denn ganz richtig links aus? Wir besuchen die Webseite «aufbau.org». Und sind menschlich enttäuscht: nichts über Afghanistan. Okay, der Kampf gegen den «Marsch fürs Läbe» muss Priorität haben, zudem gegen die «türkische faschistische Armee» und für die PKK. Auch die «Revolutionäre Jugend Zürich» ist noch etwas bei «Freiheit für Palästina» steckengeblieben, nix Afghanistan. Auch dort, wo man gerne 1312 oder ACAB verwendet (Position der Buchstaben im Alphabet für «All cops are bastards») herrscht zu Afghanistan Schweigen.

Wo bleiben die frauenrechtsbewegten Tamedia-Protestfrauen?

Das wird übrigens auch von allen erregten Frauen bei Tamedia geteilt. Afghanistan? Frauen? Unterdrückung? Ach was, sagen sich da alle von Aleksandra Hiltmann oder Salome Müller abwärts, wir kümmern uns lieber um den Restsommer, den Ausgang oder das Phantom-Problem «Femizide in der Schweiz», wenn schon. Was gehen uns da die afghanischen Frauen (und Männer) an? Solidarität eingefordert, Aufrufe zur Aufnahme von Flüchtlingen unterzeichnet. Und jetzt, wie sieht’s eigentlich mit der Herbstmode aus?

4 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Die Linken und ihre medialen Propagandisten macht einen auf Gesinnungsmoralismus, der eigentlich Kirchen und NGO vorbehalten sein sollte. In der Politik hingegen ist Verantwortung gefragt.

    Da die SP bloss noch von Staatsbesoldeten, Künstlern und Medienschaffenden gewählt wird, ist sie tief verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Proletariat. Es ist eine zynische Kalkulation: Die Zielgruppe der Linken sind Menschen mit einem sehr tiefen Bildungsniveau, chancenlos, unabhängig von der Sozialindustrie in unserem Arbeitsmarkt zu bestehen. Man züchtet bewusst eine vom Staat abhängige Unterschicht heran und spekuliert damit, dass sich diese, umgehend eingebürgert natürlich, an der Wahlurne bei den Sozis erkenntlich zeigen werden.

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Unglaublich gut beobachtet Simon Ronner. «Puppets on a string» findet die SP allenfalls bei den Eingebürgerten, die man gut instrumentalisieren kann.

      Bin gespannt, wie die Nationalratsliste anno 2023 bei der SP Zürich aussehen wird. Das Gerangel um Listenplätze ist immer absurd und voller Eitelkeiten. Pädagoginnen und Juso’s fahren immer die Ellbogen aus, um einen premium-Listenplatz der ersten Garnitur zu erhalten. Alle Absolventinnen und Absolventen einer echten Berufslehre (mit nachfolgendem HTL oder ETH-Studium umso besser), müssten analog dem Leistungsausweis auf die Paradeplätze kommen. In einer Partei, die sich als «Arbeiterpartei» bezeichnet, wäre dies eine klare Sache der Logik.

      JUSO-Komfortpolitiker, die vom Hörsaal direkt im Parlament landen, müsste die Rennleitung die letzten Listenplätze im Besenwagen zuweisen (siehe Tour de Suisse).

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  2. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Da erleben wir das finale verdunsten der Globalisten Multikulti Ideologie.
    Das Kapital ( nicht klar dev.Sammelbegriff der Linken) und die Linken nach dem jämmerlichen scheitern des Realsozialismus heimatlos geworden, sind nach dem Ende des Realsozialismus in fast trauter Einigkeit in den Globalismus Multikulti Zug gestiegen. Das ,,Kapital» träumte von Kapitalbergen, die Linken von der finalen Verbrüderung der ganzen Menschheit. In diesen Tagen verdunstet der Wert des Kapitals in einer irren Geldflut, die Multikulti Ideologie kollabiert im hintersten Winkel der Welt, am Hindukusch unter Wehklagen und Geheule.
    In diesen 30 Jahren seit ende des kalten Krieges haben diese beiden komischen Brüder sog. Kapital und Multikulti ldeologen, der ganzen Menschheit 30 Jahre, sehr wertvoller, nicht rückholbarer Zeit gestohlen.
    In der ganzen Geschichte gibt es einen scheinbar kleinen jedoch alles entscheidenden Fehler.
    Die Frage der Ietztlichen Umsetzbarkeit der Machbarkeit. Zwischen Machen und MÖGLICH machen liegen Welten.
    ( Möglich machen heisst, die Vorarbeit leisten die ein erstrebenswertes Ziel MÖGLICH macht.)
    Mehr noch diese komischen Brüder Kapital und Multikulti haben auch zum letzten Mittel gegriffen dem Mittel der Brachialgewalt.
    Der Versuch, AUCH von den LINKEN beklatscht und lauthals gefordert‚ der Islamischen„ Welt» die Moderne mit Luftwaffen- Übungen in die Köpfe zu Bomben, ist, das war vorhersehbar, mit einem NOCH nicht in allen Teilen vorhersehbaren Megakollateralschaden jämmerlich gescheitert

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