Afghanistan: Medien im Vollschleier

Der Verkauf einer Zeitung ähnelt immer mehr der Wegelagerei.

Kleine Meldungen können zumindest verzweifelt erheitern. So lud die US Army 640 Afghanen in ein einziges Flugzeug, um sie aus Kabul zu evakuieren. Das nennt man Effizienz. Deutschland, früher mal für Effizienz bekannt, hat auch eine Maschine zum Einsatz gebracht. Allerdings: bloss sieben Afghanen schafften es an Bord.

Immerhin: Das schafft die US Air Force.

Für solche Meldungen ist Tamedia zu haben:

Der «Tages-Anzeiger» erfreut seine Leser (sogar ohne Bezahlschranke) zudem mit einer Analyse zu einem Thema, das viele umtreibt: Wieso ist die afghanische Armee dermassen schnell zu Staub zerfallen?

Wie kann man es erklären, dass Multimilliarden in angeblich 300’000 Soldaten investiert wurden, Ausrüstung, Beratung, High-Tech-Waffen, unterstützt von allem, was moderne Drohnen-Kriegsführung zu bieten hat. Inklusive Fernbombardierungen von Zusammenballungen von Taliban-Kämpfern. Leider wurde ab und an eine Hochzeitsgesellschaft damit verwechselt. Im dümmsten Fall auch die anschliessende Trauerfeier nochmal bombardiert.

Die Analyse im «Tages-Anzeiger»: Qualität halt, die kostet.

Aber wie auch immer, wie kann das erklärt werden? Joachim Käppner hat ein paar Antworten, die Tamedia am Dienstag um haargenau 10.11 Uhr ihren Lesern serviert. Qualitätsmedien halt, das macht den Unterschied, das liest man nur hier, da steckt Eigenleistung dahinter.

Eigenleistung kann auch geliehen werden

Eigenleistung? Um 9.12 Uhr hatte die «Süddeutsche Zeitung» ihren Lesern bereits den gleichen Artikel kredenzt. Mit dem gleichen Titel, gleichen Inhalt, gleichen Autor. Offenbar brauchte die Qualitäts-Auslandredaktion von Tamedia eine Stunde, um das ß durch ss zu ersetzen, und falls irgendwo von «parken» die Rede war, musste das natürlich zu «parkieren» eingeschweizert werden. Ach, und ein anderes (schlechteres) Foto verwendet Tamedia auch.

Das Original; man beachte den gewaltigen Unterschied im Titel.

Wie das? Nun, Dr. Käppner ist «Leitender Redakteur, Innenpolitik» bei der SZ. Pardon, also Redaktor. Das befähigt ihn offensichtlich zu einer Ferndiagnose der Ursachen des widerstands- und beispiellosen Zusammenbruchs der afghanischen Armee (ANSF): «Die ANSF dagegen sind die Armee eines Staates, der nicht funktionierte, und so konnte sie das auch nicht tun.»

Die gleiche tiefschürfende Erkenntnis legte die SZ übrigens ihren Abonnenten bereits am frühen Morgen mit der Printausgabe in den Briefkasten. Denen würde die Wiederholung des Artikels um 10.11 Uhr in den Qualitätsmedien von Tamedia also nur ein müdes Gähnen entlocken.

Was der Artikel mangels Tiefe der Analyse allerdings überall und jederzeit schafft. Nebenbei drischt der Autor, das ist bei SZ obligatorisch, im Nachgang auf den Ex-Präsidenten Trump ein, dem das Schicksal Afghanistans herzlich egal gewesen sei. Was sein Versagen auch hier deutlich zeigt und in völligem Kontrast zu Onkel Biden steht; dem neuen US-Präsidenten liegt das Schicksal Afghanistans offensichtlich ausgesprochen am Herzen.

Ist nichts wert, kostet aber

Wohlgemerkt verlangt Tamedia für diesen aufgewärmten Dünnpfiff satte 581 Franken im Jahr, will man auch noch die SoZ in Print und digital, lässt man 751 Franken liegen. Will man’s digital als E-Paper, muss man immerhin 319 Franken abdrücken. Oder man wählt das schnuckelige Abo «Weekend». Für schlappe 399 Franken ist dann am Samstag und am Sonntag Papier im Briefkasten, das E-Paper während der Woche und alle Abo-Inhalte digital inklusive.

Bei einem solchen Angebot muss man doch zugreifen, liebe ZACKBUM-Leser. Wer’s schon hat, bereut es keine Sekunde, wer’s nicht hat, dem entgehen wichtige Informationen und Zusammenhänge. Nein, das ist nicht unser Ernst.

Die Bestseller aus dem Hause Tamedia.

9 KOMMENTARE
  1. Didier Brunschwiler
    Didier Brunschwiler says:

    Der Tagi ist journalistisch gesehen bereits seit längerer Zeit klinisch tot. Zu einer Art Anabelle für das selbstverliebte linksfeministische Grossstadtmilieu mutiert.

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  2. Victor , ein Fest auf der
    Victor , ein Fest auf der says:

    Gut, gibt es noch die Stubenhocker bei der SZ die zuverlässig Artikel nach Zürich, da müssen nur noch die kreativen Titelsetzer für den Tagi Finish ran. Bei den Eigenproduktionen kann dann schon einiges schief gehen.

    Print-Ausgabe heute: «Heiraten und Kinder haben? Natürlich!». Artikel von Alessandra Paone, hat den Brief der 78 gebeutelten Nesthäckchen auch unterschrieben. Halbe Titelseite, Bild mit Flavia und Alicia, den beiden Protagonisten des Artikels tief in den Busen fotografiert, sexistisch. Wenn es der Sache und plumpen Aufmerksamkeithascherei dient ist etwas Sexismus für den TA und die «empörte» Alessandra in Ordnung.

    Seite 6, die Zumutung, wieder grosses Bild mit Flavia und Alicia in Weiss. Sie wollen heiraten, ein Fest auf der Habsburg machen, Kosten 30’000 Alpendollar, etwas teuer, Fest wir verschoben, bis die Frauen heiraten könen, sie wollen das ganze Paket – und denselben Namen, also warten bis zum 26. September, Abstimmung «Ehe für Alle». Warten und hoffen, noch etwas mehr auf die Seite legen. Alicia hat einen 6jährigen Sohn, ihre Geschichte wird erzählt, auch die von Flavai. Dann wird es intim, der Blick unter die Bettdecke. Fetter Untertitel (ohne Divis das beim TA des öftern zu sehen ist): «Offene Beziehung», die beiden sind bi und haben auch Sex mit Männern. Was sonst noch bleibt für bi ausser Männer wird im Artikel unterschlagen. 5 von 6 Spalten für banales, wenn interessiert es. «Ehe für Alle» wird angenommen und das ist gut so.

    Während dem müssen Frauen und Mädchen in Afghanistan um ihre Zukunft und Freiheit bangen, aber dass interessiert die «Schwestern» aus der Wellnessoase der Werdstrasse nicht. Sie leben in ihrer Blase, ihren Befindlichkeiten, schreiben Porträts wie über F&A, das Chefredaktorenduo des Grauen positioniert den Artikel augenfällig und wartet bis wieder etwas «Gescheites» vom Tisch der SZ abfällt. TAmedia 2021, und dieses Geschäftsmodell soll noch von den SteuerzahlerInnen zwangsfinanziert werden, eine absoltue Frechheit.

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    • Sam Thaier
      Sam Thaier says:

      Dieser Artikel ist unglaublich lang und intim geworden im Tagesanzeiger, weil diese beiden Frauen nämlich noch dringend einen Samenspender suchen. Es war also quasi eine Publi-Reportage für diesen Kinderwunsch, weil beide Frauen keine künstliche Befruchtung wollen. Vielleicht könnte ein Aufruf auf ZACKBUM Linderung bringen für diesen «perfekten Mann»?

      Der Lesegenuss leider minimal geworden. Die Annabellisierung™ des Tagesanzeiger schreitet zielorientiert voran.

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  3. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    Klar und deutlich zusammengefasst. Zu «Weltwoche» und «Zackbum» lasse ich auch die «NZZ» mit gewissen Vorbehalten (FDP-Leibblatt, pathologischer SVP-Hass, EUphorie, Anbiederung an Zeitgeistphänomene) – nicht aber die «NZZaS» – gelten.

    «Die „Journalisten“ sind Bubis und Meitlis, die ausser linken Theorien nichts wissen und denen jede Lebenserfahrung fehlt.»

    Noch dazu pläpern die ihren strunzdummen Schwachsinn mit einer vulgären Arroganz raus. Dumm, dümmer, Tagi.

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  4. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Der grosse Schock der Blitz Zusammenbruch der Afghanischen Regierungsarmee.
    Woher kamen diese Taliban?
    Eines ist auf sicher die sind nicht einfach so vom Himmel gefallen.
    Hier eine mögliche einfache logische Erklärung.
    Teile der Regierungsarmee sind zur Taliban Armee mutiert, und der Rest?
    Die wollten ganz einfach nicht gegen ihre Kameraden antreten!
    Wie wird aus einem Regierungssoldaten ein Taliban?
    Ganz einfach:
    Der Regierungssoldat zieht die Uniform aus und die Landestracht an und fertig ist der Taliban topp ausgebildet von der NATO! Das seit innzwischen 20 Jahren!
    Wer die Sache in den Letzten 40 Jahren etwas eingehender beobachtete ist nicht allzu überrascht ob der Entwicklung.
    Das der Islam generell Frauendiskriminierend ist, ist hinlänglich bekannt, die Zb.Römische Kirche ist es, ganz klar etwas milder auch, und das bis heute.
    Noch eine Zusatzbemerkung:
    Die teil oder vollverschleierung der Frauen wird dort wohl wieder in den Alltag zurückkehren!
    Sicher das spottet den minimalsten Menschenrechten, einfach barbarisch die Hälfte der Gesellschaft in Kohlesäcke zu zwingen.
    Zu viele vergessen auch hier haben wir jede Menge fragwürdiger Heuchler die jetzt die Rückkehr des Kohlesackes in Afghanistan beklagen. Ob DAS nicht die gleichen sind, die in der Schweiz den Kohlesack akzeptieren wollten???
    Da soll jeder für sich den Reim suchen und eine schlüssige Antwort erarbeiten.
    Das Ganze ist grundsätzlich auch eine Wegmarke insofern, das es, das Ende das finale scheitern der Globalisierung und Multikulti Ideologie markiert.
    Dürfen wir das aus der Aufklärung hervorgegangene Liberalhumanistische Weltbild dem aktuellen Zeitgeist zum Frass vor die Füsse werfen, oder ist es unsere Pflicht, DAS zum Segen unserer Nachfahren zu verteidigen.
    Wünsche allen einen schönen Tag reich an schlüssigen Erkenntnissen.

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  5. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Der Tagi war über 20 Jahre mein Leibblatt. Heute ist das Niveau des Tagi unter allem Hund. Primitivster Linkspopulismus, welcher von der WoZ nicht mehr zu unterscheiden ist. Die „Journalisten“ sind Bubis und Meitlis, die ausser linken Theorien nichts wissen und denen jede Lebenserfahrung fehlt. Michèle Binswanger ist die erfreuliche Ausnahme. Die Besitzer mit ihren Millionenvermögen schämen sich nicht, gegenüber dem Steuerzahler die hohle Hand aufzuhalten. Welch widerlicher Verein! Da lobe ich mir Zackbum sowie die Weltwoche.

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    • Sam Thaier
      Sam Thaier says:

      Ja der Tagesanzeiger mutiert immer mehr zu einer Studentenzeitung, wo jedes Bubi und Meitli klug über Allgemeinplätze dozieren darf.

      Michèle Binswanger schreibt leider wenig in letzter Zeit. Ihre Airobics (Fitness) Kolumne gibt’s wohl mangels Interesse auch nicht mehr. Vielleicht hat sie zu viel um die Ohren mit dem letzten (Fein)Schliff ihres Buchprojektes?

      Erfreulich, dass Jean-Martin Büttner kürzlich einige wirklich hochklassige Kommentare geschrieben hat im Tagesanzeiger. Auf diesen Troubleshooter ist eben 100% Verlass, im Gegensatz zur verwöhnten, oft eigenartigen Damengilde (als Beispiel Aleksandra H.) im TA.

      Wir erinnern uns daran, dass dem verdienstvollen Büttner auf Ende Dezember 2020 gekündigt wurde beim Tagesanzeiger. Jetzt schreibt er als freier TA-Lohnschreiber gar noch besser als je zuvor für ein Zeilenhonorar.

      Stellt ihn doch umgehend wieder ein. Er kann ja ausnahmsweise auch zur auferlegten 40% Frauenquote hinzugezählt werden……..Herr Oberchef.

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