Rico Bandle und die Liederlichkeit

Über den Tod hinaus nachtreten: bei Tamedia verrutschen alle Massstäbe ins Nichts.

Der Banker, Mäzen und Lebemann Peter Buser ist 84-jährig gestorben. Er war ein grosser Liebhaber von Musik und Literatur, veranstaltete Konzerte auf eigene Kosten, spielte begnadet Klavier, gab freimütig Geld für ihm wichtig erscheinende Anliegen.

Aber wie formuliert Rico Bandle in seinem Holper-Deutsch:

«Damit hatte er sich endgültig ins gesellschaftliche Abseits gestellt: In einem TV-Beitrag wies der über 80-jährige Selfmade-Millionär Peter Buser eine blutjunge Freundin an, vor ihm auf den Boden sitzen. Als die Reporterin nach dem Grund fragte, sagte er: «Sie muss in einer untertänigen Stellung sein. Weil ich bin der Herr.»»

Schiefe Sprache, schiefer Inhalt, falsche Behauptungen: eine Duftmarke des Qualitätsjournalismus aus dem Hause Tamedia. Buser wies nicht an, die Freundin setzte sich mangels Platz in der Ecke des Flügels schräg vor Buser gegen die Wand gelehnt auf den Boden, sein launiges Zitat auf eine provokative Frage der Interviewerin lautete anders.

Ein richtiges Schmierenstück.

Ein Stück journalistischer Dreck halt, ein Nachruf nach der Art des Hauses. Schon im Lead glänzt Bandle mit Unsinn: «Der verstorbene Bankier war wegen Sexismus in Ungnade gefallen.» Bei Scharfrichter Bandle? Beim moralischen Gewissen Bandle? Oder bei wem?

Zu Lebzeiten wehrte sich Buser gegen solchen Quatsch, so musste sich der «Blick» bei ihm entschuldigen und eine Genugtuung zahlen. Bandle geht aber wohl zu Recht davon aus, dass ein toter Buser das nicht mehr tun wird, also ist eigentlich alles erlaubt.

Nun hat Bandle davon Wind bekommen, dass am Dienstag eine Trauerfeier für Buser in Solothurn stattfinden wird, bei der alle Aspekte des langen Lebens dieses Exzentrikers gewürdigt werden sollen. «Dabei erweist ihm eine Persönlichkeit die Ehre, von der man das nicht unbedingt erwartet hätte: Schriftstellerin Zoë Jenny wird Gedichte vorlesen.»

Leider mag Bandle nicht erklären, wieso man – also genauer er – das nicht unbedingt erwartet hätte, dass eine Schriftstellerin dem grossen Kenner und Liebhaber der Literatur eine Ehre erweist, zu der dieser missratene Schreiber nicht in der Lage ist. Er gibt noch weitere Zoten aus dem Privatleben Busers zum Besten: «Sein Schlafzimmer sei eingerichtet gewesen wie ein Bordell, erzählen Besucher.»

Die hätten erst mal seine Badezimmer in Zürich und Liechtenstein sehen sollen. Macht Ungnade, Wohnungseinrichtung und angeblicher Sexismus das Leben Busers aus? Auch wenn Bandle Busers Kunstveranstaltungen erwähnt, seine Aussage ist klar: wie kann man sich nur bei dieser Trauerfeier eines im Abseits stehenden Sexisten blicken lassen.

Da hat man dann mindestens Bandle Rechenschaft abzulegen, am besten sollte man wohl ganz darauf verzichten, bei der Trauerfeier für einen Sexisten aufzutreten. Das gilt wohl auch für Yury Revich und Benedict Klöckner. Aber die Namen dieser Weltklasse-Solisten sagen Bandle wohl nichts, daher erwähnt er sie weder, noch hat er sie angefragt, was sie sich denn dabei denken.

De mortuis nihil nisi bene. Falls Bandle kein Latein kann (Buser beherrschte ein Dutzend Sprachen, darunter Latein und Griechisch): Man muss über Tote nicht nur Gutes sagen. Aber ein Mindestmass an Anstand sollte man vielleicht doch bewahren. So man hat.

Damit Bandle noch mehr Anlass zur Erregung hat: auch René Zeyer wird an dieser Trauerfeier teilnehmen. So viel Respekt muss sein. Sollte Bandle das auch tun wollen, könnte es ihm allerdings passieren, dass er unsanft ins Freie befördert würde. Schmierfinken sind nicht erwünscht.

 

3 KOMMENTARE
  1. Morgenpost
    Morgenpost says:

    Wie hatte ich Herr Zeyer während seinen Schreibferien vermisst! Redakteure, Verleger, Journalisten, Chefredakteure haben Null, absolut Null Chancen gegen ihn. Niemand in der Schweiz kann ihm, Herr Zeyer das Wasser reichen. Ein grossartiger Artikel.

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  2. Hans A. Renfer
    Hans A. Renfer says:

    Damit, Herr Zeyer, liegen Sie falsch: „De mortuis nihil nisi bene“ heisst auf Deutsch übersetzt: „Von Toten (soll man) nur Gutes (reden)“ und nicht: „Man muss über Tote nicht nur Gutes sagen“.

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  3. Rolf Karrer
    Rolf Karrer says:

    Der Name Peter Buser wurde schweizweit erst wirklich bekannt, als er im Jahre 2019 für das Schloss Eugensberg in Salenstein CHF 39.9 Mio bot. Es stammte aus der Konkursmasse der Erb-Gruppe. Er wurde damals in den Medien (nicht nur im BLICK) als Millionär und Playboy verschrien. Das Schloss durfte nicht in seine Hände kommen, weil man im Thurgau keinen unkonventionellen Freigeist wollte.

    Vielleicht gibt es gar eine Verbindung zwischen dem flamboyanten Peter Buser und der Schriftstellerin Zoë Jenny?

    Jenny kämpfte damals lautstark gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb). Sie kritisierte auch die Lernresistenz der „Weltverbesserer“ innerhalb der links-grünen Kommunen in Deutschland mit Bezug zur damaligen Pädophiliedebatte. Sie ging damals auch vor Gericht deswegen. Auch Zoë Jenny hat man in der Schweiz keine gute Presse mehr gegeben. Vielleicht wohnt sie jetzt deshalb in Wien?

    Der kulturell interessierte Peter Buser aus Trimbach war wirklich ein bunter Vogel, den man nicht einfach in ein Schublade verpacken sollte. Sein Wikipedia-Eintrag zeigt doch zumindest, dass man ihn nicht einfach als «Playboy» abtun kann.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Buser

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